Ungarn

Bild: Daniel Dimke

Am 06. Februar 1992 wurde zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Ungarn der sogenannte Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet.

Am 30. Oktober 1992 folgte dann zwischen dem Bundesministerium für  Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland und dem Sekretariat für Jugendkoordination im Amt des Ministerpräsidenten der Republik Ungarn die Vereinbarung über bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Jugendpolitik.

Ungarischer Partner von IJAB ist Mobilitás, eine dem Ministerium für Soziales und Arbeit der Republik Ungarn nachgeordnete Institution in Budapest, bei der auch die ungarische Nationalagentur für das EU-Programm JUGEND in Aktion angegliedert ist.

In den Jahren 2008-2010 war das Thema „Partizipation junger Menschen auf lokaler Ebene“ Schwerpunktthema für die deutsch-ungarische Zusammenarbeit.

Hintergrundinformationen

Länderinfos zu Ungarn: Die Datenbank für internationale Jugendarbeit (DIJA) von IJAB hält für alle Interessierten länderkundliche und jugendpolitische Informationen zu fast 40 Ländern bereit.

Schlüsselbegriffe der Kinder- und Jugendhilfe Deutsch – Ungarisch: IJAB gibt im Auftrag des BMFSFJ zweisprachige Wortlisten mit "Schlüsselbegriffen der Kinder- und Jugendhilfe" heraus.

Ansprechpartnerin bei IJAB für den internationalen Jugend- und Fachkräfteaustausch mit Ungarn ist
Claudia Mierzowski
mierzowski@DontReadMeijab.de
0228/9506-109

Claudia Mierzowski

Partizipation Jugendlicher auf lokaler Ebene

Von 2008 bis 2010 fanden mehrere, aufeinander aufbauende Fachprogramme mit Ungarn zum Thema „Partizipation Jugendlicher auf lokaler Ebene“ statt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des deutsch-ungarischen Fachkräfteaustauschs in Essen
Bild: Claudia Mierzowski Teilnehmerinnen und Teilnehmer des deutsch-ungarischen Fachkräfteaustauschs in Essen

Partizipation junger Menschen ist ein wichtiges Thema in der deutschen Jugendpolitik wie auch für die Träger der Jugendhilfe. In Ungarn wird die Bedeutung des Themas dadurch verstärkt, dass nur wenige Jugendliche auf lokaler Ebene aktiv sind oder sich in Organisationen engagieren. Ziel der Zusammenarbeit mit Ungarn war es, Fachkräften von freien und öffentlichen Trägern aus Deutschland und Ungarn den Austausch über Ansätze zur Weiterentwicklung der Partizipation junger Menschen auf lokaler Ebene zu ermöglichen.  

Bei einem Auftaktworkshop im November 2008 in Budapest wurden zunächst gemeinsam mit einer kleineren Gruppe Inhalte und Form der weiteren Zusammenarbeit geplant und verabredet. Deutlich wurde, dass es in beiden Länder zahlreiche interessante Beispiele in Bezug auf die Beteiligung junger Menschen gibt. Schwierigkeiten bestehen aber in der Praxis oft darin, Jugendliche zur Beteiligung zu aktivieren. „Aktivierung Jugendlicher“ war damit einer der zentralen Themenschwerpunkte der beiden Fachprogramme in 2009 und 2010.  

Das erste Fachprogramm im Juni 2009 in Deutschland konzentrierte sich auf konzeptionelle und strukturelle Rahmenbedingungen von Beteiligung. Es wurde über die Bedeutung der Strukturen von Jugendparlamenten, über die Rolle von Fachkräften in Partizipationsprozessen und von Peers bei der Aktivierung junger Menschen diskutiert.

Im März 2010 in Ungarn wurde die inhaltliche Auseinandersetzung weitergeführt und auf die Praxis zugespitzt: webbasierte Kommunikationsstrategien spielten dabei genauso eine Rolle wie Ansätze zur Aktivierung junger Menschen mit besonderem Förderbedarf. Die Einrichtungs- und Projektbesuche – meist im direkten Kontakt mit Jugendlichen – in unterschiedlichen Regionen Ungarns boten einen vielfältigen und anregenden Eindruck für alle Beteiligten, was sich in intensiven inhaltlichen Diskussionen widerspiegelte. Wie ein roter Faden zog sich dabei die Auseinandersetzung um den Begriff der Partizipation durch die gesamten fünf Tage des Programms. Wie man in einigen Projekten feststellen konnte, wird in der ungarischen Praxis häufig nicht zwischen „Partizipation“, im Sinne einer Beteiligung an Entscheidungen, und „Teilhabe“ im Sinne einer allgemeinen, gesellschaftlichen Teilhabe mit dem Ziel der Förderung sozialer Kompetenzen, kategorisch unterschieden. In der strukturschwachen und ländlichen Region Mórahalom setzt man zum Beispiel gezielt darauf, Jugendliche zunächst über informelle Gruppen und niedrigschwellige Angebote anzusprechen, um sie später für die Reaktivierung des brachliegenden Jugendparlaments zu gewinnen. Unter den deutschen Fachkräften führte dies zu regen Diskussionen über neue Wege der Aktivierung und Einbeziehung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf in Entscheidungsprozesse.  

Die Teilnehmenden hatten am Ende der dreijährigen Zusammenarbeit eine Vielzahl von neuen Ideen im Gepäck. Die deutschen Fachkräfte haben zu ausgewählten Fragestellungen Artikel verfasst, die die Ergebnisse des Programms sehr gut widerspiegeln. Auf ungarischer Seite wurde basierend auf den Praxisprojekten und Ergebnissen des Fachkräfteaustauschs eine Handreichung für die ungarische Jugendhilfe erarbeitet.

>> Die Fachartikel zu den Ergebnissen der deutsch-ungarischen Zusammenarbeit stehen hier zum Download bereit.



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