Jürgen Ertelt

Rückschau 12. Gautinger Internet-Treffen

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Veranstaltung zum Thema "Digitale Jugendbildung: E-Partizipation in Jugendarbeit, Schule und Gesellschaft" gehört die Erkenntnis: Es gibt keine Beteiligung mehr ohne das Web 2.0.

Bild: SIN Studio im Netz e.V.

Das erste Gautinger Internet-Treffen fand im März 2000 statt. Die Dot-Com Blase war in voller Blüte, während vom Web 2.0 noch niemand sprach. Inzwischen gibt es den „Gefällt-mir“-Button, Facebook-Gruppen und den Hashtag von twitter. Die medialen Entwicklungen verändern die Welt grundlegend. Kollaboratives Zusammenwirken und Partizipationsmöglichkeiten im Netz sind zeitaktuelle Herausforderungen, nicht nur für die Medienpädagogik, sondern für die Kinder- und Jugendarbeit insgesamt. Das Thema des Gautinger Internet-Treffens traf den Nerv der Zeit. Es kamen so viele wie nie und es war spannend wie selten.

Engagieren sich junge Menschen schon, wenn sie den „Gefällt-mir“-Button drücken? Sind heute mehr junge Menschen gesellschaftlich und politisch aktiv als in den Vor-Web 2.0-Zeiten? Ist es wirklich so, dass die Nachricht mich findet, wenn sie für mich wichtig ist? Welche pädagogischen Anstrengungen sind heute von Nöten, um die Beteiligung von jungen Menschen zeitgemäß und adäquat zu unterstützen?

Zu den wichtigsten Ergebnissen des 12. Gautinger Internet-Treffens gehören die Erkenntnisse: Es gibt keine Beteiligung mehr ohne das Web 2.0. Bürgerhaushalte, Meinungsbildung, Mobilisierung, Gegenöffentlichkeit finden mittlerweile überwiegend in dieser Form statt.

Unser demokratisches Miteinander wird durch das Mitmach-Web grundlegend verändert. Plebiszitäre adhoc Meinungsstimmungen generieren eine neue Macht des Faktischen. Im Negativen werden damit Einzelne anonymisiert niedergemacht (Cybermobbing) und im Positiven werden damit demokratische Entscheidungen bürgernäher getroffen (Stuttgart 21). Direkte Demokratie und repräsentative Demokratie geraten in ein neues Spannungsfeld. Und gerade junge Menschen forcieren das Web 2.0.: „Ihr werdet euch noch wünschen wir wären Politikverdrossen.“

Das 12. Gautinger Internet-Treffen hat im Resümee keine fertigen Antworten zu bieten. Dafür hat es aber wertvolle Impulse gegeben, den vertiefenden Austausch gefördert und vielleicht hier und da A-ha-Erlebnisse geschafft. Das positive Stimmungsbild zum Abschluss belegt, dass es nicht entmutigt, sondern ermutigt hat für den pädagogischen Alltag die Beteiligung von jungen Menschen mit dem Web 2.0 weiter voran zu treiben.

Übrigens: Zur Tagungsdramaturgie und zu den -standards des Gautinger Internet-Treffens gehört seit drei Jahren der Live-Stream, die Twitterwall und die Mixxt-Plattform. Ca. die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmern sitzen während der Tagung an transportablen Web-n-Go-Geräten und beteiligten sich en passant während sie zuhören. Abschließend festzuhalten ist auch, dass das Gautinger Internet-Treffen inzwischen einen Verdichtungsrahmen für medienpädagogische Events schafft. Einen Tag zuvor gab es dieses Jahr die Pädagogen-LAN, während der Tagung fand das Treffen der GMK-Fachgruppe Multimedia statt und direkt im Anschluss konnte man noch einen AG Inter@ktiv-Salon genießen.

Veranstalter

Das 12. Gautinger Internet-Treffen fand vom 22.-23.03.2011 im Institut für Jugendarbeit in Gauting statt und ist eine Kooperationsveranstaltung von Jugend online/ netzcheckers, SIN-Studio im Netz e.V. und dem Institut für Jugendarbeit Gauting.

Verantwortlich für das 12. Gautinger Internet-Treffen: Albert Fußmann (Institut für Jugendarbeit, Gauting), Hans-Jürgen Palme (SIN - Studio im Netz e.V., München), Jürgen Ertelt (IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit, Bonn) sowie die Organisatorin Katrin Huber (SIN - Studio im Netz e.V.).

Impressionen der Veranstaltung sowie weitere Informationen finden Sie auf www.git.mixxt.de.

Vorgemerkt: Das 13. Gautinger Internet-Treffen wird am 20. und 21. März 2012 stattfinden.

Text: Hans-Jürgen Palme (SIN - Studio im Netz e.V., München)



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