Dr. Dirk Hänisch

IJAB journal 2/2011: Rückenwind für Demokratie und Zivilgesellschaft

Die aktuelle Ausgabe des IJAB journals beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, welchen Beitrag die Internationale Jugendarbeit zum Aufbau von Demokratie sowie zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen leisten kann. Interessierte können das IJAB journal kostenfrei bestellen oder als PDF herunterladen.

Internationale Jugendarbeit soll zu Verständigung und Versöhnung beitragen, die europäische Integration fördern, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wirken, die Integration von hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen und schließlich Frieden und Demokratie stärken.

Dies sind hohe Ansprüche. Was aber wird tatsächlich erreicht? Und was sind die Bedingungen, die solche Prozesse anregen und fördern? Eine wichtige Frage auch für die jugendpolitische Zusammenarbeit mit nordafrikanischen Staaten, bei der es um den Aufbau von Demokratie und Zivilgesellschaft geht.

Die internationale Jugendarbeit ermöglicht durch die Begegnung junger Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und politischen Strukturen den Dialog über verschiedenartige Sichtweisen, unterschiedliche nationale Verständnisse und Partizipationsformen. Sie ist damit ein Praxisfeld des politischen Lernens.

Der Austausch von Fachkräften bietet für die Demokratieentwicklung und den Aufbau von Zivilgesellschaft besondere Potentiale. Dies hat die bi- und multilaterale Zusammenarbeit mit den Staaten in Mittel- und Osteuropa nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion gezeigt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Litauen. Die jugendpolitischen Prozesse hat IJAB lange Jahre begleitet. Genauso in der Russischen Föderation oder auch in der Türkei. Dies sind spannende Prozesse. Entscheidend aber ist, wie diese Länder selbst den internationalen Austausch im Hinblick auf die Demokratie in ihrem Land bewerten. IJAB hat hierzu Wissenschaftler/-innen aus den entsprechenden Ländern befragt. Sie geben aufschlussreiche Einblicke, zeigen sie doch, wie vielfältig der internationale Austausch wirkt, welche Rolle historische Traditionen spielen und wie jedes Land individuell seinen Weg beschreitet.

Die Zusammenarbeit mit China stellt in der politischen Dimension eine ganz neue Herausforderung dar. Hier treffen zwei völlig unterschiedliche politische Systeme aufeinander. Zivilgesellschaft, Beteiligung und freiwilliges Engagement bewegen sich in anderen Bedeutungszusammenhängen. Und gerade in dieser vergleichenden Auseinandersetzung ist der Perspektivwechsel hilfreich. Nur so wächst gegenseitiges Verständnis und eine Sensibilisierung für die jeweils unterschiedlichen Ansätze. Ein Interview mit dem Leiter einer chinesischen Delegation zum Thema „Freiwilliges Engagement“ vermittelt davon interessante Eindrücke. Das interkulturelle Lernen und partizipative Strukturen in den internationalen Begegnungen sind wichtige Brücken zwischen den verschiedenen Traditionen und politischen Überzeugungen. Die Neuen Medien können solche Prozesse der Annäherung und des gemeinsamen Lernens in besonderer Weise durch ihr hohes Beteiligungspotential unterstützen.
Hier liegen Chancen, die für die Zukunft noch viel stärker und zielgerichteter im Jugend- und Fachkräfteaustausch zu nutzen sind.

Neue Anforderungen stellt auch die EU-Jugendstrategie, die auf ein stärkeres gesellschaftliches Engagement und mehr Beteiligung zielt. Das neue Instrument des „Peer Learning“ schafft die Möglichkeit, in gemeinsamen europäischen Prozessen voneinander zu lernen. Das gilt für Fachkräfte der Jugendarbeit genauso wie für jugendpolitisch Verantwortliche. Die Demokratieentwicklung hin zu aktiver Bürgerschaft spielt dabei eine wichtige Rolle. Multilaterale Kooperationsprojekte von IJAB und JUGEND für Europa unterstützen diesen Prozess unter anderem mit neuen Beteiligungsmodellen.

Bei all dem bleibt aber festzustellen, dass die politische Dimension in der internationalen Jugendarbeit heute wichtiger denn je ist. Es existieren vielfältige Konzepte. Ihre politischen Wirkungen aber sind noch nicht erforscht. Auch darüber lohnt sich ein internationaler Austausch.

>> In der Rubrik Publikationen können Sie das aktuelle IJAB journal kostenlos bestellen oder als PDF herunterladen.



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