Klaus Nörtershäuser

Jugend gestaltet Zukunft an Orten der Erinnerung

Jugendliche aus Deutschland besuchen „Orte der Erinnerung“ in Europa, wo im Zweiten Weltkrieg Verbrechen an der Zivilbevölkerung geschahen. Das ist das Programm „Jugend gestaltet Zukunft – Internationale Jugendarbeit an Orten der Erinnerung“. Damit will das Landesjugendamt Rheinland den Jugendaustausch mit europäischen Ländern fördern und intensive politische Bildungsarbeit unterstützen.

Erinnern in Frankreich
Bild: Landschaftverband Rheinland

Das Programm wendet sich insbesondere an sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Jugendliche. Außerdem nehmen an „Jugend gestaltet Zukunft“ Jugendliche mit unterschiedlichen Migrationserfahrungen teil.
Das LVR-Landesjugendamt Rheinland organisiert als Regiestelle diese internationalen Jugendbegegnungsfahrten und koordiniert sie mit verschiedenen Trägern der Jugendsozialarbeit, welche die Begegnungsmaßnahmen umsetzen und verantworten. Finanziert wird das Programm aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans NRW und LVR-Eigenmitteln.

Vom Projekt zum Programm

Nach ersten Kontakten mit europäischen Erinnerungsorten entstand die Idee, aus zeitlich eng begrenzten Projektfahrten ein mittelfristig angelegtes Programm mit beständigen Kontakten zu entwickeln.
Denn Partnerschaften brauchen Vertrauen und Konstanz. Darauf aufbauend ergänzen weitere Ideen und Teilprojekte die Fahrten. So werden derzeit an zwei Standorten Zeitzeugenprojekte umgesetzt. 2010 konnte das Programm erstmals in vollem Umfang umgesetzt werden.

Spezifische Zielgruppe

Nur etwa 0,5 Prozent der Teilnehmenden an Maßnahmen der internationalen Jugendarbeit gehören zur Zielgruppe der sozial benachteiligten und individuell beeinträchtigten Jugendlichen. Im Sinne aktueller EU-Programme unterstützt der LVR-Ansatz den Trend, Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf vorrangig zu unterstützen.
Ihre Mobilität soll gesteigert und ihre Orientierung am europäischen Arbeitsmarkt verbessert werden. Die politische Bildungsarbeit wird vom Bildungswerk der Humanistischen Union gestaltet.

„Vergessene Orte“

Die ausgewählten Orte zeichnen sich dadurch aus, dass die Erinnerungen an die im Zweiten Weltkrieg hier begangenen Verbrechen im internationalen wie auch nationalen öffentlichen Bewusstsein wenig vorhanden sind. Solche Orte sind Sant‘Anna di Stazzema in Italien, Lety in Tschechien, Maillé in Frankreich, Baranivka in der Ukraine und Viannos in Griechenland. Die Gruppen aus Deutschland finden hier keine vorgefertigten Rituale der Erinnerung vor, sondern müssen sich auf die verschiedenen Erwartungen der Partner vor Ort einstellen. Die Erinnerungsarbeit ist für die Organisatoren die Grundlage eines Konzeptes, das ein in die Zukunft orientiertes Europa im Blick hat.

Partner auf Augenhöhe

Die Basis für den internationalen Jugendaustausch sind die Kontakte zu Jugendhilfeträgern oder Berufsschulen in den Gastgeberländern. Über gemeinsame Arbeitsprojekte an Plätzen der Erinnerung, und zunehmend in den Gemeinden, überwinden die Beteiligten auch sprachliche Barrieren. Der Rückbesuch der internationalen Partner und Jugendlichen ist wichtiger Bestandteil von „Jugend gestaltet Zukunft“. Das Programm steht jetzt vor der Herausforderung, den Anspruch von Kontinuität und die Schaffung von mittelfristigen Zeitperspektiven umzusetzen.

>> ausführliche Informationen: http://www.lvr.de/de/nav_main/jugend_2/jugendfrderung/jugendarbeitanortendererinnerung/jugendarbeitanortendererinnerung_1.html



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