Martina Nixdorf-Pohl
Arbeits- und Fachtagung: Internationale Jugendarbeit und Schule
40 Teilnehmer/-innen sind der Einladung von PAD/Kultusministerkonferenz, IJAB, FH Köln und der Akademie Haus am Maiberg gefolgt, um am 1. und 2. Dezember eine systematische Sichtung und Bilanzierung bisheriger Kooperationen von Schule und Internationaler Jugendarbeit vorzunehmen.
Der wissenschaftliche Blick auf die Vorteile der Kooperation von Schule und Internationaler Jugendarbeit
Die inhaltlich-konzeptionelle Rahmung für diese Arbeit boten die beiden Vorträge der Professoren Alfred Holzbrecher (PH Freiburg) und Andreas Thimmel (FH Köln). Während Prof. Holzbrecher die Angebote der Internationalen Jugendarbeit an Schulen vor allem als möglichen „Transmissionsriemen“ für Schulentwicklungen im Sinne einer positiven Veränderung der Lern- und Lehrkulturen begrüßte, betonte Prof. Thimmel die Risiken, die sich für die Jugendarbeit ergeben könnten, wenn sie sich nicht als starker, selbständiger und finanziell abgesicherter Partner von Schule zu etablieren weiß. Einig war man sich darin, dass Internationale Jugendarbeit vier große Versprechen einhalten kann: sie bringt Vielfalt in die Schule, sie bietet Grenzüberschreitungen in Form von Begegnungen, sie bereichert Schulen, weil sie mit anderen Methoden arbeitet und sie verändert Schulkultur, indem sie ihre Werte (z.B. Partizipation, Freiwilligkeit und Orientierung an persönlichen Stärken) praktisch vorlebt.
Kooperation von Schule und Internationaler Jugendarbeit funktioniert
Dass all dies tatsächlich funktioniert, bewiesen die Vertreter/-innen verschiedener Trägerorganisationen und Kooperationsprojekte zwischen Schule und Internationaler Jugendarbeit, unter ihnen das Deutsch-Polnische Jugendwerk, das Deutsch-Französische Jugendwerk, die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der Bayerische Jugendring und nicht zuletzt das Modellprojekt IKUS- Interkulturelles Lernfeld Schule in Trägerschaft von IJAB. Die Anwesenden waren sich darüber einig, dass eine Kooperation zwischen Internationaler Jugendarbeit und Schule nur dann erfolgreich sein kann, wenn neben den Finanzen auch die strukturellen und personalen Rahmenbedingungen stimmen. In Diskursen auf Augenhöhe müssen Ziele, Inhalte und Lernorte von den Partnern gemeinschaftlich ausgehandelt werden. Dafür bedarf es einer Professionalität, Transparenz, Kontinuität sowie einer entsprechenden finanziellen, politischen und strukturellen Rückendeckung. Unter diesen Bedingungen kann auch die Verbindung von Internationalität und Interkulturalität in Schulen gelingen. Die Internationale Jugendarbeit vermag beides einzubringen.
Der gemeinsame Blick zurück zeigt die Aufgabenfelder
Damit auch zukünftige Kooperationspartnerschaften aus bisherigen Erfahrungen Nutzen ziehen können, machten sich die Teilnehmer/-innen an eine systematische Auswertung bisheriger Kooperationen und nahmen dabei folgende inhaltliche Schwerpunkte in den Blick:
- Formate, Methoden/ Konzepte und Partner
- Vernetzungsstrukturen und
- politische Erfordernisse.
Die Komplexität des Themas und die Herausforderungen wurden sehr deutlich. Die unterschiedliche Arbeitsorganisation von Internationaler Jugendarbeit und Schule mit ihrer Unterrichtszentriertheit und dem damit einhergehenden hierarchischen Rollenverständnis, braucht einen geeigneten Rahmen für partnerschaftlichen Diskurs. Dieser Rahmen muss geschaffen werden. Zudem erschweren regionale Unterschiede – nicht nur in der Schule sondern auch in der Internationalen Jugendarbeit - den Diskurs. Letztendlich fehlt auch noch der Überblick über vorhandene Strukturen und Entscheidungsträger in den Bundesländern, den eine Synopse mittelfristig schaffen soll.
Die identifizierten Herausforderungen sollen auf drei Ebenen systematisch angegangen werden:
- Planung eines strukturellen Annäherungsprozesses der beiden Systeme Schule und Internationale Jugendarbeit auf politischer Ebene,
- Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Kooperation von formaler und non-formaler Bildung, Schule und Internationaler Jugendarbeit,
- Schaffung von unterstützenden Strukturen auf Bundesebene.
Um dieses Vorhaben in die Praxis umzusetzen wurden strategische Schritte vereinbart, die die vier Veranstalter – PAD/Kultusministerkonferenz, IJAB, Haus am Maiberg und FH Köln – gemeinsam in die Hand nehmen wollen. Die bilateralen Jugendwerke und Koordinierungsstellen sowie bisherige Akteure sind dabei wichtige Partner.
