Fachprogrammreihe mit Ungarn zur Partizipation von Jugendlichen - ein Fazit
Deutsch-ungarisches Fachprogramm „Partizipation Jugendlicher auf lokaler Ebene“ (2008-2010)
Mit einem Auftaktworkshop Ende 2008 hatte eine zweijährige Zusammenarbeit mit Ungarn zum Thema „Partizipation Jugendlicher auf lokaler Ebene“ ihren Anfang genommen. Bei diesem Treffen kam eine kleinere Gruppe deutscher und ungarischer Fachkräfte der Jugendhilfe zusammen. Ziel war es, Konzepte und Methoden der Partizipation vor dem Hintergrund der jeweiligen strukturellen Rahmenbedingungen kennen zu lernen und gemeinsam die Inhalte der weiteren Zusammenarbeit zu verabreden. Deutlich wurde, dass es an Ideen und Methoden zu Beteiligung junger Menschen in beiden Länder zahlreiche interessante Beispiele gibt. Schwierigkeiten bestehen aber in der Praxis oft darin, Jugendliche zur Beteiligung zu aktivieren. „Aktivierung Jugendlicher“ war damit der Themenschwerpunkt, der bis 2010 geplanten Zusammenarbeit.
Rahmenbedingungen von Beteiligung und die Frage nachhaltiger Strukturen
Bei dem ersten von zwei vereinbarten Fachprogrammen zum Schwerpunktthema „Aktivierung Jugendlicher“, mit nun inzwischen insgesamt 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, standen im Juni 2009 in Deutschland Konzepte und Methoden zur Beteiligung im Zentrum der fachlichen Auseinandersetzung. Verknüpft war dies mit einer Reihe von Projektbesuchen, die einen intensiven Austausch mit Fachkräften und Jugendlichen ermöglichten. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Ansätze von Beteiligung, die von institutionalisierten Jugendparlamenten bis hin zu dezentralen Strukturen reichten, wurden insbesondere Fragen nachhaltiger Partizipationsstrukturen diskutiert und Voraussetzungen für die Partizipation junger Menschen erörtert. Welche Bedeutung haben Strukturen, wie sie z.B. ein Jugendparlament bietet für die Beteiligungsbereitschaft junger Menschen? Welche Rolle spielen (hauptamtliche) Pädagogen in Partizipationsprozessen? Und welche Bedeutung haben peers bei der Aktivierung junger Menschen? Diese Fragen wurden neben dem Austausch zu praktischen Methoden intensiv diskutiert.
Über eine onlinegestützte Plattform haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Austausch zu Fachfragen und Beispielen guter Praxis bis zum nächsten Fachprogramm in Ungarn fortgeführt.
„Partizipation“ - Theorie und Praxis
Bei der letzten der drei Begegnungen Anfang März 2010 in Ungarn wurde die inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema basierend auf den Erkenntnissen des letzten Fachprogramms fortgesetzt und auf die Praxis zugespitzt. Das Spektrum reichte dabei von (webbasierten) Kommunikationsstrategien zur Ansprache junger Menschen bis hin zu Konzepten in der Arbeit mit Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf. Die Einrichtungs- und Projektbesuche in unterschiedlichen Regionen Ungarns boten einen vielfältigen und anregenden Eindruck, was sich in den intensiven inhaltlichen Diskussionen widerspiegelte.
Wie ein roter Faden zog sich dabei die Auseinandersetzung um den Begriff der Partizipation durch die gesamten fünf Tage des Programms. Neu war diese Diskussion nicht: Bereits beim Auftaktworkshop 2008 spielte die Verständigung über diesen Begriff eine zentrale Rolle. Nun zeigte sich in einigen Projekten, dass in der ungarischen Praxis häufig nicht zwischen „Partizipation“, im Sinne einer Beteiligung an Entscheidungen, und „Teilhabe“ im Sinne einer allgemeinen, gesellschaftlichen Teilhabe mit dem Ziel der Förderung sozialer Kompetenzen, kategorisch unterschieden wird. In der strukturschwachen und zersiedelten Region Mórahalom setzt man zum Beispiel gezielt darauf, Jugendliche zunächst über informelle Gruppen und Angebote anzusprechen, um sie darauf aufbauend für die Reaktivierung des brachliegenden Jugendparlaments zu gewinnen. Unter den deutschen Fachkräften führte dies zu regen Diskussionen über neue Wege der Aktivierung und Einbeziehung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf in Entscheidungsprozesse.
Und jetzt bitte die Jugendlichen beteiligen!
Das deutsch-ungarische Fachprogramm war für die Fachkräfte auf beiden Seiten sehr gewinnbringend und alle hatten am Ende des Programms eine Vielzahl neuer Ideen im Gepäck. Die deutschen Fachkräfte haben jetzt ihre fachlichen Eindrücke in Artikeln zusammenfassen, die hier heruntergeladen werden können (pdf-File). Auf ungarischer Seite wird basierend auf den Projekten guter Praxis und den Ergebnissen des Fachkräfteaustauschs eine Handreichung erarbeitet werden, die im Herbst 2010 veröffentlicht wird.
Das beste Ergebnis für alle Beteiligten ist aber sicherlich der verabredete deutsch-ungarische Jugendaustausch, der im Oktober in Berlin stattfinden soll. Damit wird ein Wunsch Wirklichkeit, den alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Beginn an äußerten: Wir wollen nicht nur über Partizipation von Jugendlichen reden, sondern auch mit ihnen. Und darum geht es ja schließlich auch: um die Beteiligung junger Menschen.
Text und Fotos: Claudia Mierzowski, IJAB








