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Deutsch-Polnisches Barometer 2018: Deutsche und Polen - Gemeinsame Geschichte spaltet die europäischen Nachbarn

Die europäischen Nachbarn Deutschland und Polen scheinen sich kaum zu kennen: 66 % der Deutschen und 70 % der Polen haben das jeweils andere Land nach 1989 noch nie besucht. Das zeigt das 'Deutsch-Polnische Barometer 2018', eine repräsentative Untersuchung im Auftrag des Instituts für öffentliche Angelegenheiten, der Körber-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die Untersuchung wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführt. Im Zeitraum vom 5. bis 12. April 2018 befragte GfK Polonia 1000 Polen ab 15 Jahren, die GfK SE interviewte vom 6. bis 13. April 2018 1000 Deutsche ab 14 Jahren.

Sympathiefaktor

Insgesamt empfindet mehr als die Hälfte der Polen (56 %) Sympathien für die Deutschen, 29 % der Deutschen erwidern diese positive Einstellung. Dieser Wert ist auf beiden Seiten der Oder davon abhängig, ob die Befragten das jeweils andere Land bereits besucht haben. Unter denjenigen Deutschen, die nach 1989 regelmäßig in Polen waren, geben 70 % an, dass sie Sympathien empfinden. Die regelmäßigen polnischen Deutschlandbesucher sagen das zu 68 %. Diese Wege persönlicher Annäherung werden durch eine neu aufkeimende Debatte überlagert.

Uneinigkeit über polnische Opfer und Reparationsforderungen an Deutschland

Deutsche und Polen sind uneins, inwieweit das Leid und die Opfer, die die Polen im Laufe der Geschichte erbracht haben, in der internationalen Öffentlichkeit ausreichend anerkannt wurden. 50 % der Polen meinen, es habe nicht ausreichend Anerkennung gegeben, in Deutschland sind 17 % dieser Meinung. Seit einigen Monaten taucht in der polnischen Debatte über die deutsch-polnische Geschichte immer wieder die Frage über potenzielle Reparationsforderungen an Deutschland auf, um Polens Verluste im Zweiten Weltkrieg auszugleichen. Die polnische Gesellschaft ist dabei gespalten: 46 % der Befragten befürworten Reparationen, weil die polnischen Verluste aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute finanziell nicht ausreichend kompensiert wurden. 40 % sagen dagegen, das Thema sei abgeschlossen und beide Länder sollten sich auf die Zusammenarbeit in der EU konzentrieren. Unter den befragten Deutschen meint mit 76 % die große Mehrheit, dass keine Zahlungen erfolgen und sich die Länder der Kooperation in der EU widmen sollten.

Nur rund jeder zweite Deutsche identifiziert sich mit Europa

Der Wert Europas spielt für die Bürger/-innen der beiden Länder eine sehr unterschiedliche Rolle. 83 % der Deutschen und 86 % der Polen identifizieren sich am ehesten mit ihrem Land. Für 75 % der Deutschen und 83 % der Polen spielt auch die örtliche Gemeinde, in der sie wohnen, eine große Rolle. Sehr unterschiedlich ist die Identifikation mit Europa: 54 % der deutschen Umfrageteilnehmer/-innen empfinden diesen Bezugsrahmen als wichtig. Mit 73 % Zustimmung sind die Polen die überzeugteren Europäer/-innen.

Bilaterale Beziehungen sollen sich auf Gegenwart und Zukunft konzentrieren

Einig sind sich die Befragten beider Länder darin, dass sich die gegenwärtigen deutsch-polnischen Beziehungen vorrangig auf die Gegenwart und Zukunft konzentrieren sollen. Dem stimmen 70 % der Deutschen und 60 % der Polen zu. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit spielt mit 13 % in Deutschland nur eine geringe Rolle. In Polen denken immerhin 32 % der Bevölkerung, dass historische Fragen das Hauptproblem in den bilateralen Beziehungen sind. Im Vergleich zur Umfrage von 2011 ist dieser Wert sogar gestiegen. Damals wollten nur 20 % der Polen die Geschichte in den Vordergrund stellen. Auch die Bewertung der heutigen Beziehungen insgesamt unterscheidet sich stark: 64 % der Polen bezeichnen das Verhältnis als gut, unter den Deutschen tun das nur 31 %. Regelmäßige Besuche scheinen diese Einschätzung zu positiv zu beeinflussen. So nennen 51 % der regelmäßigen deutschen Polenbesucher/-innen den Zustand der bilateralen Beziehungen gut. Von denjenigen, die das Nachbarland noch nie besucht haben, finden das nur 28 %.

Weitere Infos

Weitere Informationen und Umfrageergebnisse zum Download auf der Webseite der Körber-Stiftung.

Die Ergebnisse wurden auf dem Körber History Forum vom 28. bis 29. Mai 2018 in Berlin erstmals präsentiert.

Quelle: Körber-Stiftung

Redaktion: DIJA

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