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MERICS-Analyse zeigt: Es besteht Nachholbedarf bei der China-Kompetenz in Deutschland

Das 2013 gegründete Mercator-Institut für China-Studien (Mercator Institute for China Studies, MERICS) ist eine Initiative der Stiftung Mercator. Es widmet sich der gegenwartsbezogenen und praxisorientierten China-Forschung. Mit der Analyse "China kennen, China können" legt MERICS eine Bestandsaufnahme der China-Kompetenz in Deutschland vor. Die Untersuchung wurde vom Bundesministeriium für Bildung und Forschung finanziell gefördert und vom Auswärtigen Amt unterstützt.

Für die Analyse wurden seit Herbst 2017 über 50 Vertreter/-innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und gesellschaftlichen Verbänden mit Kontakten in und nach China zum Bedarf an China-Kompetenz befragt. Unter anderem ging es darum, herauszufinden, welchen Stellenwert das Thema China an allgemein- und berufsbildenden Schulen hat und welche Hochschulen China-bezogene Studiengänge anbieten oder über Kooperationen mit dem Land verfügen. Zudem verschaffte sich das Forschungs-Team einen Überblick über das Bild des Stands des Chinesisch-Unterrichts an Schulen und an Hochschulen und die deutsch-chinesische Forschungskooperation, die in den vergangenen Jahren intensiviert wurde.

Fazit

Der Analyse zufolge ist China – trotz der rapide gestiegenen Bedeutung des Landes – für die elf Millionen Schüler/-innen in Deutschland weiterhin ein Randthema im Unterricht. Auch der chinesische Sprachunterricht an Schulen könnte ausgebaut werden: Zwar hat sich das Fach Chinesisch in den vergangenen 20 Jahren vom Zusatzangebot vielerorts zum festen Bestandteil des Regelunterrichts entwickelt. Doch die Zahl der Schüler, die sich der herausfordernden Sprache stellen, stagniert seit einiger Zeit bei etwa 5000 pro Jahr. Andere EU-Staaten gehen da aktiver vor, in Frankreich zum Beispiel lernen rund 38.000 Schüler Chinesisch. An den Hochschulen sank zuletzt die Zahl derjenigen, die sich für ein Sinologie-Studium entscheiden: Sie lag im Wintersemester 2016/17 bei 484.

Das zentrale Fazit der Untersuchung, die laut Untertitel „Ausgangspunkte für den Ausbau von China-Kompetenz in Deutschland“ liefern will: Bestehende Angebote zum Aufbau von China-Wissen an Schulen, Hochschulen und durch Aufenthalte im Land müssen ausgebaut und stärker staatlich flankiert werden. Und: Angebote zum Erwerb von China-Kompetenz und Sprache sollten so früh wie möglich auf dem Bildungsweg gemacht werden. Denn in einem Fachstudium oder dem Beruf fehlt vielen die Zeit, sich dem Thema China zu widmen. Der Kenntnisstand über China müsse angehoben werden, das das China-Bild der Deutschen noch häufig von überholten Vorstellungen und Klischees geprägt sei.

Auch die Zahl derjenigen, die sich für andere Studienangebote mit China-Schwerpunkt oder einen Aufenthalt von mehr als einem Semester entscheiden, stagniert. Attraktiv für Studierende sind Abschlüsse, die in Deutschland und China anerkannt würden. Doch hier fehlen den Hochschulen oft die Informationen und Möglichkeiten, geeignete chinesische Partner zu finden. Die MERICS-Forscher empfehlen eine stärkere finanzielle Förderung und politische Unterstützung des Staates für in der Qualität hochwertige Doppelabschluss-Programme.

Auf Forscher/-innen übt China ebenfalls Anziehungskraft aus: Mehr als 700 deutsche Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen gingen 2015 – neuere Zahlen lagen nicht vor – nach China. Eine gelingende Zusammenarbeit mit chinesischen Forschungsinstitutionen ist immer noch stark von individuellem Engagement und den jeweiligen Kenntnissen über das chinesische Forschungs- und Hochschulsystem abhängig. Fundiertes Wissen der Beteiligten über Strukturen, rechtliche Bedingungen und Gepflogenheiten in China ist in der Forschungskooperation ebenso essentiell wie in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Dachorganisationen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst und die Deutsche Forschungsgemeinschaft dienen derzeit als Anlaufstelle für Forscher/-innen, die Kontakt zu China suchen. Eine Empfehlung der MERICS-Untersuchung wäre eine stärker übergeordnete Koordination und ein regelmäßiger Informationsaustausch über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit China.

Handlungsempfehlungen

Folgende zentrale Handlungsempfehlungen stellen die MERICS-Forscher/-innen zur Diskussion:

  • Die Berührung mit der chinesischen Sprache sollte möglichst früh erfolgen, um Hemmschwellen abzubauen und differenzierten Zugang zu China zu ermöglichen.
  • Austausch und Partnerschaften mit China müssen gestärkt und staatlich besser finanziell gefördert werden, um Verständnis und Lernmotivation zu fördern.
  • Visabedingungen müssen auf beiden Seiten verbessert werden, um die Mobilität in Austauschprogrammen und anderen Kooperationen zu erhöhen.
  • Für Bildungsangebote zu China und Chinesisch müssen staatliche deutsche Stellen maßgeblich zuständig sein. Angebote von chinesischer Seite, etwa durch die von der chinesischen Regierung finanzierten Konfuzius-Institute, können nur Ergänzung sein.
  • Eine unabhängige Service-Stelle „China-Kompetenz“ könnte dazu beitragen, in verschiedenen Bereichen vorhandene China-Expertise systematisch zu vernetzen und zu bündeln.

Die Executive Summary der Untersuchung können sie online lesen. Die komplette Analyse finden Sie als pdf-Download (112 Seiten; 3,5 MB) ebenfalls auf der Webseite des MERICS.

Quelle: Mercator Institute for China Studies, 07.05.2018

Redaktion: DIJA

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