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7,5 Millionen junge Menschen in Europa ohne Beschäftigung oder Ausbildung

Laut einer Studie der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofond) waren in Europa noch nie so viele junge Menschen weder in Arbeit noch in Ausbildung. Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau, mit Migrationshintergrund oder einer Behinderung sind besonders betroffen. Die Wirtschaft verliert jährlich über 150 Mrd. Euro.

Die unmittelbare Zukunft Europas hängt von den 94 Millionen Europäern im Alter zwischen 15 und 29 Jahren ab. Neben den Herausforderungen, die junge Menschen seit Generationen beim Eintritt ins Erwachsenenalter zu bewältigen haben, muss sich diese Generation zudem in einer vollständig globalisierten Welt zurechtfinden und die Last der Bevölkerungsüberalterung tragen. Dass diese jungen Menschen so schwer von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, gibt also eindeutig Anlass zur Besorgnis. Nur 34 % hatten im Jahr 2011 eine Beschäftigung; das ist der niedrigste Wert, den Eurostat je verzeichnet hat. Die Arbeitslosenzahlen zeugen außerdem davon, dass der Arbeitsmarkt für junge Menschen erheblich schwieriger geworden ist. Seit Beginn der Rezession hat die Jugendarbeitslosigkeit um 1,5 Millionen zugenommen und lag im Jahr 2011 bei 5,5 Millionen (21 %).

Wie beunruhigend diese Statistik auch ist, sie spiegelt die Situation junger Menschen nicht angemessen wider, nicht zuletzt deswegen, weil viele dieser jungen Menschen Studierende sind und daher der nicht erwerbstätigen Bevölkerung zugerechnet werden. Aus diesem Grund verwenden politische Entscheidungsträger in der EU zunehmend den Begriff „NEET“ (not in employment, education or training). Die Definition ist im Prinzip recht simpel: Mit dem Begriff werden Personen bezeichnet, die derzeit keine Arbeit haben, keine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren oder als Studierende geführt werden. Er dient der Abgrenzung vom Arbeitsmarkt und womöglich sogar von der Gesellschaft als Ganzes.

Eurostat zufolge waren im Jahr 2011 in Europa 7,5 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sowie weitere 6,5 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 29 Jahren weder erwerbstätig noch absolvierten sie eine schulische oder berufliche Ausbildung. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg der NEET-Rate.

Für manche jungen Menschen ist das Risiko, der Gruppe der NEETs zugerechnet zu werden, größer als für andere. Solche mit einem niedrigen Bildungsniveau fallen mit dreimal so großer Wahrscheinlichkeit in diese Gruppe als solche mit einem Tertiärbildungsabschluss. Für junge Menschen mit Migrationshintergrund ist die Wahrscheinlichkeit um 70 % höher als für Staatsangehörige des jeweiligen Landes. Ebenso liegt die Wahrscheinlichkeit, zur NEET-Gruppe gerechnet zu werden, bei jungen Menschen mit Behinderung oder gesundheitlichen Problemen um 40 % höher als bei gesunden Menschen. Der familiäre Hintergrund spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Im Jahr 2011 büßte die Wirtschaft durch die Nichtbeteiligung junger Menschen am Arbeitsmarkt 153 Mrd. Euro ein. Diese konservative Schätzung entspricht 1,2 % des europäischen BIP.

Der Bericht von Eurofond beleuchtet die Situation junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt in Europa, mit besonderem Schwerpunkt auf der Gruppe der sogenannten „NEETs“. Es werden die Faktoren untersucht, anhand derer die Zugehörigkeit zur NEET-Gruppe bestimmt wird, und die wirtschaftlichen und sozialen Kosten von NEETs gemessen. Ferner wird bewertet, wie in den Mitgliedstaaten versucht wurde, junge Menschen durch politische Maßnahmen dabei zu unterstützen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

>> Zusammenfassung des Berichts zum Download

Quelle: Europäische Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofond)

Redaktion: Christian Herrmann

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