zur Übersicht

Chinesische Jugendkultur: wie 'Gaokao', Hobbys und das Bildungssystem die Jugendlichen beeinflussen

Asiatische Jugendliche. Bildquelle: Silentpilot / pixabay.de

Wer zum ersten Mal nach China kommt oder mit Chinesen beruflich und privat zu tun hat, dem wird eines relativ schnell klar. Im täglichen Miteinander gibt es große kulturelle Unterschiede zwischen Ost und West. Ein Grund dafür ist in der Jugendkultur und im Bildungssystem zu finden, beides weist in China einige Besonderheiten auf.

Bildungsweg mit Gaokao als höchstem Ziel

In China wird großer Wert auf gute Ergebnisse in anerkannten Bildungsinstitutionen gelegt. Der Begriff Bildung wird hier vermieden, da er nicht den Kern der Sache trifft. Das lokale System, gepaart mit der Erwartungshaltung der Eltern haben dabei zur Folge, dass die Sprösslinge vom Kindergarten bis zur Universität von morgens bis abends mit Lernen beschäftigt sind. Während der gesamten Jugend wird man auf den Tag der Gaokao 高考 (Universitätsaufnahmeprüfung) vorbereitet. Nachhilfe, Teilnahme an Wettbewerben, Klavierstunden, Unterricht in Volkstänzen etc. runden das Programm ab. Diese Extra-Aktivitäten dienen zu einem großen Teil auch dazu, später den entscheidenden Vorteil zu haben, um auf die Wunsch-Uni zu gelangen, da das Einheimsen von Preisen und ein gutes Abschneiden in außerschulischen Prüfungen eventuell positiv auf das Gaokao-Ergebnis angerechnet werden kann. So ist es für künstlerische Studiengänge zwingend eine entsprechende Eignungsprüfung zu absolvieren. Wer diese mit Bravour besteht, kann eine geringere Punktzahl in den Gaokao kompensieren.

Lernen ist oberstes Gebot. Andere Freizeitaktivitäten, wie das Spielen mit Freunden oder gar das Ausgehen mit Freund und Freundin werden dagegen eher ungern gesehen. Um die Bedeutung der Gaokao in der Gesellschaft zu erkennen, muss man sich am betreffenden Tag nur in den Schulvierteln umsehen. Ganze Straßenzüge werden für den Verkehr gesperrt, Hupen und Baulärm sind untersagt, Eltern reisen aus der Ferne an, um in der Nähe der Schule ein Hotel zu mieten, damit das Kind einen kurzen Weg am Testtag hat. Sogar Wahrsager werden konsultiert und Tempel besucht, um das Ergebnis positiv zu beeinflussen. Was die berufliche Zukunft eines gebildeten Chinesen angeht, gibt es wohl keinen wichtigeren Tag im Leben.

Bildungssystem und Sozialisation in China

Es kann zusammengefasst werden, dass in China unzählige Einzelkinder die meiste Zeit ihrer Jugend mit fremdbestimmtem Lernen verbringen und wenig Zeit für Freunde oder Freizeitaktivitäten übrig haben. Auch erscheinen die Möglichkeiten, über die eigene Identität und Rolle in der Gesellschaft zu reflektieren, in diesem Vollzeitprogramm eher gering zu sein. Eine Folge ist, dass chinesische Jugendliche mit einer komplett neuen Situation konfrontiert werden, wenn Sie aus der elterlichen Wohnung ausziehen, um zur Schule und zur Uni zu gehen oder das Arbeitsleben zu beginnen. Zum ersten Mal wird verlangt, das eigene Leben zu leben und eigene Entscheidungen zu treffen. Elterlicher Einfluss ist meist nur noch – und dann sehr deutlich – zu spüren, wenn es um die Wahl des zukünftigen Ehepartners oder sonstige Aspekte der Familienplanung geht.

Frisch entlassen aus Hotel Mama, sind einige nun voller Tatendrang, die neue Freiheit auszukosten. Neue Hobbies werden ausprobiert, es wird gereist und Zwänge aus dem Schulleben, wie z.B. Überstunden für Englisch oder der Geigenunterricht, werden schleunigst abgelegt. Allerdings tritt dieser Enthusiasmus nicht bei allen ein. Wenn der Umgang mit anderen Menschen in der Jugend nur sekundär gepflegt wurde und sich man auf eine Konkurrenzbeziehung im Sinne von „Du musst besser sein als deine Mitschüler“ beschränkt hat, kann es passieren, dass man mit der neuen Situation überfordert ist. Insbesondere ist dies beim Umgang mit Ausländern zu beobachten, die häufig eine völlig andere Sozialisation durchlaufen haben.

Quelle: ICC-Portal China Portal für Wirtschaft & Kultur

Redaktion: DIJA

Begleiten Sie uns

RSS-Feed abonnieren IJAB auf Facebook IJAB-Alumni-Gruppe auf Facebook IJAB auf Twitter IJAB auf YouTube

Newsletter