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Deutscher Lernatlas zeigt, dass Lernen mehr ist als Schule

Am 21. November hat die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh der Deutsche Lernatlas 2011 vorgestellt. Der Deutsche Lernatlas zeigt die Bedingungen für lebenslanges Lernen in Deutschland. Er verdeutlicht den Stellenwert des Lernens in den 412 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten und illustriert, inwieweit eine Kommune über die Lernvoraussetzungen verfügt, um wirtschaftlich und sozial erfolgreich zu sein. Das Besondere: der Lernatlas unterscheidet schulisches, berufliches, soziales und persönliches Lernen.

Die besten Lernbedingungen bieten laut Lernatlas die Kreise und kreisfreien Städte in Bayern und Baden-Württemberg, dahinter folgen etwa gleichauf Regionen in Sachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen. Mecklenburg-Vorpommern ist Schlusslicht der Flächenstaaten. Bei den Stadtstaaten liegt Hamburg vor Berlin und Bremen.

Lernatlas unterscheidet schulisches, berufliches, soziales und persönliches Lernen

Weil Menschen am Arbeitsplatz, als Mitglieder in Vereinen oder politischen Organisationen, in der Familie, in der Freizeit und im Gemeinwesen lernen, erfasst der Deutsche Lernatlas auch Kennzahlen für berufliches, soziales und persönliches Lernen. Er bietet so die einzigartige Möglichkeit, die Lernbedingungen in allen Lebensbereichen greifbar und vergleichbar zu machen.

Die Lerndimension Schulisches Lernen gibt Hinweise auf den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen in der Schule, das Studienplatzangebot und das Ausbildungsniveau von jungen Menschen und Erwerbstätigen in der ausgewählten Region.

Die Lerndimension Berufliches Lernen gibt Hinweise auf die Chancen von Jugendlichen, eine qualifizierende Ausbildung abzuschließen, den Erfolg von Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitslose sowie den Stellenwert der beruflichen Weiterbildung und des Lernens am Arbeitsplatz in der ausgewählten Region.

Die Lerndimension Soziales Lernen gibt Hinweise darauf, in welcher Form und in welchem Ausmaß die Menschen in einer Region Möglichkeiten zum sozialen Lernen wahrnehmen. Dieser vielseitige Aspekt des lebenslangen Lernens wird durch Kennzahlen zum sozialen Engagement, zur politischen Partizipation und zum Stellenwert der Jugendarbeit abgebildet.

Die Lerndimension Persönliches Lernen gibt Hinweise darauf, welche Lernmöglichkeiten die Menschen in einer Region zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung vorfinden und nutzen - beispielsweise in Kursen zur persönlichen Weiterbildung, beim Sport, im kulturellen Leben und durch selbstgesteuertes Lernen mit Medien.

Überraschungssieger: Gute Lernumfelder trotz wirtschaftlichem Rückstand machbar

Unter den größten Städten Deutschlands bietet München die besten Lernbedingungen, bei den mittleren und kleineren kreisfreien Städten liegen Erlangen und Bamberg vorn. Unter den ländlichen Regionstypen schneiden die Kreise Würzburg, Main-Spessart und Miesbach am besten ab. 20 Jahre nach der deutschen Einheit zeigt sich bei den Lernbedingungen in Deutschland weniger ein Unterschied zwischen Ost und West, sondern vielmehr ein deutliches Süd-Nord-Gefälle: Deutschlands Lernhauptstädte und beste Lernregionen liegen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen.

Beim „Schulischen Lernen“ schneidet beispielsweise auch Thüringen sehr gut ab. Nachholbedarf besteht im Osten allerdings beim „Sozialen Lernen“, denn viele Regionen in den neuen Bundesländern hinken beim sozialen Engagement hinterher. Eine weitere Erkenntnis: Auf dem Land sind die Lernumfelder oft besser als in den Städten. Außer beim „Persönlichen Lernen“ erzielen ländlich geprägte Kreise im Durchschnitt deutlich bessere Ergebnisse als die deutschen Großstädte. Dass gute Lernumfelder nicht unbedingt von der ökonomischen Lage einer Region abhängen, zeigen die Überraschungssieger des Deutschen Lernatlas: Städte wie Dresden, Jena, Kaufbeuren und Rosenheim, aber auch die Landkreise Trier-Saarburg oder Am-berg-Sulzbach. Sie gehören trotz ungünstigerer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zu den überdurchschnittlichen Lernregionen.

Für den Deutschen Lernatlas wurden über 300 Kennzahlen aus unterschiedlichen Quellen überprüft. Nach einem in Kanada entwickelten mathematischen Verfahren wurden daraus 38 Kennzahlen ausgewählt, die besonders aussagekräftig für die Lernbedingungen vor Ort und für nahezu alle Kommunen verfügbar sind. Diese wurden dann zu einem Gesamtindex kombiniert, der abbildet, wie gut die Entwicklungschancen der Bürger in den verschiedenen Lebensbereichen, Lernformen und Lernorten sind.
Alle Ergebnisse, Einzelprofile für die 412 deutschen Kreise und kreisfreien Städte, ein Bundesländervergleich sowie ausführliche Karten und Diagramme können online unter www.deutscher-lernatlas.de abgerufen werden.

[Quelle: Pressemeldung Bertelsmann Stiftung vom 21.11.2011]

Redaktion: Cathrin Piesche

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