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Dreisprachigkeit aller Europäer als sprachenpolitisches Ziel der EU weiterhin Zukunftsmusik

2002 hat die EU das Programm "Muttersprache plus 2" konzipiert, wonach jeder Bürger neben der Muttersprache zwei weitere Sprachen sprechen soll. Wie sinnvoll das Programm ist, welche Ziele erreicht wurden und welche Änderungen es geben sollte, darüber hat der Linguist Jan Kruse promoviert. Für seine Arbeit wird er nun mit dem Rave-Forschungspreis Auswärtige Kulturpolitik ausgezeichnet.

Unter dem Titel "Das Barcelona-Prinzip. Die Dreisprachigkeit aller Europäer als sprachenpolitisches Ziel der EU" stellt Jan Kruse fest, dass es den Barcelona-Bürger in naher Zukunft wohl nicht geben wird. Dreisprachigkeit ist ausschließlich beruflich oder biographisch bedingt: Entweder man ist aus beruflichen Gründen gezwungen, zwei Fremdsprachen zu beherrschen oder es werden wie im Fall von Migranten neben der Muttersprache die Sprache des Gastlandes und Englisch gesprochen. Daraus ergibt sich für die Sprachenpolitik der EU, dass sie ihre Mehrsprachigkeitspolitik ändern muss. Da entgegen den ursprünglichen Absichten die kleinen und seltenen Sprachen nicht gefördert wurden und stattdessen Englisch profitiert hat, fordert Jan Kruse, dass Deutsch und Französisch neben der englischen Sprache gestärkt werden, um so ein Gegengewicht bilden zu können. Darüber hinaus regt Kruse an, statt Englisch, Französisch oder Deutsch zu unterrichten, zunächst in einem Mehrsprachenunterricht Verständnis für andere Sprachen zu wecken und zum Lernen von Fremdsprachen anzuregen.

Die Preisverleihung findet am 11. Oktober 2012 im Rahmen des WIKA-Workshops an der Technischen Universität Dresden statt.

Jan Kruse (*1970) studierte Linguistik an den Universitäten Leiden und Duisburg/Essen und arbeitet seit 2000 als Übersetzer. Seine Promotion mit dem Titel "Das Barcelona-Prinzip" ist 2012 im Verlag Peter Lang erschienen.

Über den Rave-Forschungspreis:
Der von der Rave-Stiftung initiierte Rave-Forschungspreis zeichnet seit 2001 eine herausragende Dissertation, Diplomarbeit, Magisterarbeit oder Masterarbeit zum Thema der Auswärtigen Kulturpolitik aus. Er ist mit 3.000 Euro dotiert. Er soll Studierenden einen verstärkten Anreiz geben, sich mit Themen der Auswärtigen Kulturpolitik zu befassen. Die Rave-Stiftung ist eine unselbständige gemeinnützige Stiftung, die vom Institut für Auslandsbeziehungen verwaltet wird.

Quelle: Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)

Redaktion: Christian Herrmann

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