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Interkulturelle Kompetenzvermittlung im dualen System wichtig

Das duale deutsche Berufsbildungssystem erfreut sich auch im Ausland immer größerer Beliebtheit. Das unterstrichen nahezu alle Sachverständigen, die zum Öffentlichen Fachgespräch „Grenzüberschreitende Kooperation im Bereich der Berufsbildung“ am Mittwochvormittag auf Einladung des Ausschusses für Bildung und Forschung in das Paul-Löbe-Haus in Berlin gekommen waren. .

Bei der Anhörung wies der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn, Friedrich Hubert Esser, auf die Bedeutung des interkulturellen Aspektes hin. Er trat dafür ein, die interkulturelle Kompetenz in der Ausbildung zu stärken. Es müsse zudem präzisiert werden, was genau interkulturelle Kompetenz sei und gab selbst die Antwort: „Interkulturelle Kompetenz ist mehr als nur Sprache. Es ist die Affinität zu anderen Kulturen und die Handlungskompetenz in anderen Kulturen.“ Dieser Aspekt müsste in die berufliche Ausbildung als fester Bestandteil eingearbeitet werden.

Martin Baethge, Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen an der Georg-August-Universität Göttingen, bemängelte, dass es nicht genug Transfermöglichkeiten innerhalb des Systems gebe. Die Hauptfrage der Zukunft werde sein, ob die jungen Menschen den mittleren Ausbildungsweg oder die Hochschulausbildung wählen.

Günter Lambertz vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag Berlin berichtete aus seinem Arbeitsalltag über das zunehmende Interesse südeuropäischer Länder am dualen System. Attraktiv sei das deutsche duale Berufsbildungssystem für diese Länder auch, weil die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu den südeuropäischen Staaten eher niedrig ist. Lambertz warnte aber vor einer Eins-zu-eins Übertragung des Systems auf andere Länder.

Jürgen Männicke, EDUCON – Internationales Berufliches Weiterbildungsconsulting, machte auf den Aspekt der sozialen Sicherheit aufmerksam. In den Ländern, in denen es eine große Jugendarbeitslosigkeit gebe, stoße man auf verheerende soziale Spannungen. Somit diene eine qualifizierte Berufsausbildung auch dem sozialen Frieden eines Landes. Zugespitzt könnte man sagen, so Männicke: „Gebt ihnen Werkzeuge, sonst greifen sie zur Kalaschnikow.“

Das Qualifikationsniveau der Absolventen sei entscheidend für die Entwicklung eines Landes, argumentierte auch Hermann Nehls vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftbundes. Ein wichtiges Kriterium sei die Ausbildungsdauer. Als Mindestzeit nannte er drei bis dreieinhalb Jahre und verwahrte sich damit gegen das angelsächsische System von „Learning on the job“.

Für einen verbindlichen Katalog von Mindeststandards setzte sich Felix Rauner, Universität Bremen, Forschungsgruppe Berufsbildungsforschung, ein. Als gelungenes Beispiel für ein duales Ausbildungssystem nannte er die Handhabung in der Schweiz. Dem Land sei es entgegen dem europäischen Trend gelungen, die Attraktivität des Berufsbildungssystem im Vergleich zum Universitätsstudium zu erhöhen.

Dem Fachgespräch lag der Berufsbildungsbericht 2012 (17/9700), die Anträge der Grünen „Mit DualPlus mehr Jugendlichen und Betrieben die Teilnahme an der dualen Ausbildung ermöglichen“ (17/9586), der Antrag der SPD „Jugendliche haben ein Recht auf Ausbildung“ (17/10116) und der Linken „Perspektiven für 1,5 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss schaffen – Ausbildung für alle garantieren“ (17/10856) zugrunde.

Quelle: heute im Bundestag, Nr. 450

Redaktion: Dr. Dirk Hänisch

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