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Junge Menschen mit Migrationshintergrund haben schlechten Zugang zu Bildung

Bunte Stifte, Quelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Das europäische Netzwerk zur Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (SIRIUS) veröffentlicht eine Zusammenfassung von Analysen zu Bildungsprozessen, aus denen eine Benachteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund durch europäische Bildungssysteme hervorgeht.

Obwohl Chancengleichheit bei Bildung zu den politischen Kernthemen der Europäischen Union gehört und im Rahmen von europapolitischen Strategien wie „Europa 2020“ verbessert werden soll, werden diese vor allem in Deutschland nicht ausreichend umgesetzt.

Die Bildungssysteme in Europa schließen junge Menschen mit Migrationshintergrund aus. Sie gehören überproportional oft zu den leistungsschwachen, besonders betroffen sind davon junge Menschen mit Wurzeln in Drittstaaten. Dies ist nach Analysen von SIRIUS hauptsächlich auf den häufig niedrigen sozioökonomischen Status sowie auf Sprachdefizite zurückzuführen, die in den Bildungssystemen nicht kompensiert werden.

Um diese und weitere grundlegende Bildungsdefizite zu beheben, hat die Europäische Union im Rahmen ihrer 2010 initiierten Wachstumsstrategie „Europa 2020“ auch eine Bildungs- uns Ausbildungsstrategie entwickelt und klare, EU-weite Bildungsziele gesteckt. Dazu zählt etwa die Verringerung der Quote der Schulabbrecher/-innen von durchschnittlich 12,7% in 2012 auf weniger als 10%. Außerdem ist die Erhöhung des Anteils von Personen zwischen 10 und 34 mit Hochschulabschluss auf 40% (von 35,7% in 2012) eines der Ziele.

Dem SIRIUS-Bericht zufolge gehören mehrere Aspekte zu einer erfolgreichen Bildungsstrategie: neben der Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung oder dem Vermeiden einer Konzentration von bildungsschwachen Schüler(inne)n ist auch die Förderung von Mehrsprachigkeit, die Professionalisierung von Lehrpersonal, die Erhöhung der Anzahl an Lehrkräften mit Migrationshintergrund sowie die gezielte Förderung von neu in Bildungssystem eintretenden Menschen mit Migrationshintergrund notwendig. Dabei ist der Ausbau von Gesamtschulen und Schulklassen, die sowohl ethnisch als auch sozioökonomisch heterogen sind, eine von dem Netzwerk vorgeschlagene konkrete Maßnahme zur Erreichung der anvisierten Ziele.

Deutschland ist vom Erreichen der europapolitisch gesteckten Ziele noch weit entfernt. So ist beispielsweise die soziale Herkunft in Deutschland nach wie vor auffallend eng an den Schulerfolg gekoppelt und führt zu signifikanter Chancenungleichheit. Schüler/-innen mit Migrationshintergrund sind davon besonders häufig betroffen. Angesichts der wachsenden Zahl junger Menschen mit Migrationshintergrund muss Deutschland in Zukunft eine effizientere inklusive Bildungspolitik verfolgen. Ganztagsschulen und frühkindliche Bildung stellen dabei Kernelemente dar, die weiterer politischer Maßnahmen und höherer Investitionen in den Bildungsbereichen bedürfen, damit Deutschland die Ziele von „Europa 2020“ erreicht.

Quelle: SIRIUS

Redaktion: DIJA

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