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Mehr Au-pairs für Deutschland – ein Projekt zur Attraktivitätssteigerung des ältesten Mobilitätsprogramms

Ein Au-pair-Aufenthalt bietet jungen Menschen über Grenzen hinweg die Möglichkeit, andere Sprachen und Kulturen kennen zu lernen und damit interkulturelle Lernerfahrungen zu sammeln. Dennoch ist ein Rückgang der vermittelten Au-pairs nach Deutschland erkennbar. Ein Modellprojekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat sich zur Aufgabe gemacht, die Ursachen dafür zu ergründen, um die Attraktivität eines Au-pair-Aufenthaltes in Deutschland zu verbessern.

Der Hintergrund

Auf Grund von Rückmeldungen vieler Au-pair-Agenturen, Statistiken des Auswärtigen Amtes (AA) und Schätzungen von Au-pair-Versicherern lässt sich seit einigen Jahren auf einen erheblicher Rückgang der Vermittlungszahlen beim Au-pair-Incoming schließen. Allerdings gibt es keine gesicherten Zahlen über die Gesamtzahl der nach Deutschland einreisenden Au-pairs. So hat beispielsweise der Wegfall der Visumpflicht in einigen Entsendestaaten durch die EU-Erweiterung zur Folge, dass Au-pairs aus diesen Staaten nicht mehr Bestandteil der Statistiken des AA zur Erteilung der Au-pair-Visa sind. Die Gesamtzahl der erteilten Au-pair-Visa sinkt somit. Dennoch dürfte das Problem nicht allein statistischer Natur sein. Für Jugendliche gibt es heute eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten Auslandserfahrungen zu sammeln und die damit verbundenen Kompetenzen und Qualifikationen zu erwerben. Es gibt also Gründe, sich Gedanken über die Attraktivität eines Au-pair-Aufenthaltes in Deutschland zu machen.

Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und FDP daher vereinbart: „Wir wollen Au-pair-Beschäftigung attraktiver gestalten“. Dies ist Grundlage des Modellprojekts des BMFSFJ „Attraktivitätssteigerung im Au-pair-Programm“. 

Die Ziele

Um Au-pair-Aufenthalte in Deutschland attraktiver zu gestalten, soll festgestellt werden, welche Rahmenbedingungen Auswirkungen auf die Anziehungskraft des Angebots haben. Aus den Ergebnissen werden Maßnahmen entwickelt, die eine positive Wirkung auf die Entscheidung für einen Au-pair-Aufenthalt haben sollen. 

Zu den Rahmenbedingungen gehören neben der grundsätzlichen Motivation junger Menschen auch die Höhe des Taschengeldes, die Dauer des Aufenthaltes, die Vermittlungskosten, die Finanzierung der Sprachkurse in Deutschland sowie die Qualität der begleitenden pädagogischen Maßnahmen und die Anerkennung der während des Aufenthalts gemachten Lernerfahrungen. 

Das Vorgehen

Im Rahmen einer quantitativen und qualitativen Erhebung werden unter der Federführung von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland ehemalige, aktuelle und potentielle Au-pairs befragt. Gegenstand der Befragung sind Attraktivität fördernde und hemmende Rahmenbedingungen eines Au-pair-Aufenthalts. Als Herkunftsländer der Au-pairs wurden Brasilien, China und die Ukraine ausgesucht. Der Beweggrund für die Länderwahl lag in den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen der jungen Menschen und dessen Einfluss auf die Motivation, Deutschland für einen Au-pair-Aufenthalt auszuwählen.

Deutsche Au-pair-Agenturen, Dachverbände, Internetvermittler, Au-pair-Versicherer, beteiligte Bundesressorts (BMFSFJ, AA, BMAS, BMI) und deutsche Gastfamilien waren durch ein vorgelagertes Hearing in die Identifizierung und Eingrenzung von Kriterien eingebunden. Auf Grundlage des Hearings wurde anschließend ein Fragebogen entwickelt, mit dem ehemalige, aktuelle und potentielle Au-pairs befragt werden. Die Befragung findet in Kooperation mit dem Institut für Kooperationsmanagement (IKO) der Fachhochschule Köln statt und wird von Prof. Dr. Stumpf geleitet.

Die ehemaligen Au-pairs, die ihren Aufenthalt in Deutschland bereits abgeschlossen haben, wurden per Telefon interviewt, während aktuelle und künftige Au-pairs über ein Online-Formular befragt werden.

Die Ergebnisse der Interviews und ihre Auswertung werden voraussichtlich im Juni dieses Jahres vorliegen.

Redaktion: Christian Herrmann

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