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Persönlichkeiten aus Forschung und Praxis fordern "Europa jetzt!"

Persönlichkeiten aus Forschung und Praxis fordern "Europa jetzt!"
Europa im Fokus BildImage: Redvers   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

Persönlichkeiten aus der Internationalen Jugendarbeit, der politischen Bildung und der Forschung haben einen Appell, der sich an politische Entscheidungsträger/-innen richtet, veröffentlicht. Sie drücken ihre Sorge aus, "dass die Europäische Idee zwischen nationalen, finanz- und wirtschaftspolitischen Interessen zerrieben wird" und wünschen sich eine politische und soziale Vision von Europa. Sie rufen dazu auf, dem Appell beizutreten und ihn an politische Entscheidungsträger/-innen weiterzuleiten. Wir geben den Text hier ungekürzt wieder.

Appell: Europa jetzt!

Internationale Jugendarbeit, d.h. vor allem internationale Begegnungen, Freiwilligendienste und Austauschmaßnahmen sowie europapolitische Bildungsveranstaltungen mit jungen Menschen gehören zum Kernbestand der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland und Eu-ropa. Sie sind ein wichtiges zivilgesellschaftliches Instrument zur europäischen und internationalen Verständigung. Im weitesten Sinne sind sie damit eine Art „friedens- und gerechtigkeitsorientierte, grenzüberschreitende Politik junger Bürgerinnen und Bürger“ und ein Beitrag zur Entwicklung einer europäischen Innenpolitik, indem sie Nationalismen überwinden helfen, Solidarität und Gerechtigkeit fördern, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung entgegentreten und damit im Kern jene europäischen Ideen vertreten, für die die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Wir, die wir uns als Pädagoginnen und Pädagogen, als Betreuerinnen und Betreuer oder als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Arbeitsfeld engagieren, sorgen uns um das Projekt Europa, an und zu dem wir täglich zusammen mit jungen Menschen auf nationa-ler, europäischer und internationaler Ebene in vielfältiger Weise arbeiten. Das Projekt Europa fußt auf den Prinzipien der Aufklärung, steht für  Demokratie und Rechtsstaatlichkeit  und garantiert in der Europäischen Sozialcharta (Art.12/13/14) das Recht  auf soziale Fürsorge, Sicherheit und  die Inanspruchnahme Sozialer Dienste (http://conventions.coe.int/Treaty/GER/Treaties/Html/163.htm).

Wir sind in Sorge darüber, dass die Europäische Idee zwischen nationalen, finanz- und wirtschaftspolitischen  Interessen zerrieben wird und damit der Rückfall in längst überwunden gedachte politische und gesellschaftliche Entwicklungen droht. Die Zukunftschancen nicht nur von jungen Menschen werden dadurch nachhaltig beeinträchtigt.

Das europäische Projekt und die europäische Idee benötigen einen kühlen Kopf, Begeisterung, Leidenschaft und Engagement. Vor allem auch dann, wenn diese Idee eine globale und weltpolitische Bedeutung haben soll. Um das europäische Projekt  – auch in der aktuellen Krise – voranzubringen, so formulierte es Jean Monnet 1943, „muss man utopisch sein!“. Utopisch sein meint, in Alternativen zu denken, um bestehende Grenzen und Blockaden zu überwinden. Dazu fordern wir alle Verantwortlichen im Interesse junger Menschen nachdrücklich auf!

Setzen Sie sich als politische Entscheidungsträgerin und Entscheidungsträger dafür ein, dass es uns auch weiterhin in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen gelingen kann, Interesse und Leidenschaft für das europäische Projekt – auch in kritischer Perspektive – zu entwickeln und zu fördern. Hierzu bedarf es vor allem auch einer politischen und sozialen Idee von Europa, die nicht ökonomisch verkürzt ist; hierzu bedarf es einer wirklich europäischen Politik!

Ulrich Ballhausen
(Seit über 25 Jahren in verschiedenen Funktionen in der internationalen Jugendarbeit und der europapolitischen Jugendbildung aktiv; Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien)

Prof. Dr. Günter J. Friesenhahn
(Hochschule Koblenz, Fachbereich Sozialwissenschaften/Università Ca' Foscari Venezia)

Georg Pirker
(Secretary Democracy and Human Rights Education in Europe - DARE vzw, Patriottenstraat 27, BE 2600 Antwerpen)

Prof. Dr. Andreas Thimmel
(Fachhochschule Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften. Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung)

Benedikt Widmaier
(Direktor der Akademie für politische und soziale Bildung der Diözese Mainz "Haus am Maiberg"; Vertreter in zahlreichen Gremien und Redaktionen der Politischen Bildung und der Internationalen Jugendbildung)

Redaktion: Christian Herrmann

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