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Schulreform in Frankreich sorgt für Gesprächsstoff

Tafel, auf der "Deutsch" steht. Bildquelle: knipseline / pixelio.de

An vielen Schulen in Frankreich fiel am Dienstag, dem 19.5., der Unterricht aus, weil Lehrer/-innen mit einem Streik gegen die umstrittene Schulreform protestierten. Diese geplante Schulreform hatte die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem im März 2015 vorgestellt.

Das französische Collège (entspricht der 6. - 9. Klasse des deutschen Schulsystems) soll nach den Sommerferien 2016 neue Strukturen und neue inhaltliche Programme bekommen, u. a. mehr Interdisziplinarität im Unterricht, mehr Autonomie der Collèges in der Gestaltung des Stundenplans, die  Stunden zur direkten Begleitung schwacher Schüler/-innen sollen ausgebaut werden und der Fremdsprachenunterricht neu organisiert werden.

Mit dieser Reform will die junge Ministerin die einheitliche, staatliche Schule fördern und gegen eine Bildungsform ankämpfen, die die soziale Ungleichheit zwischen den Schüler(inne)n teilweise vertieft. Vorgesehen ist dabei auch die Streichung der sog. classes bilangues, in denen ab der 6. Klasse zwei Fremdsprachen erlernt werden können. Diese Klassen kritisiert Najat Vallaud-Belkacem als "zu elitär", da vor allem Eltern aus besseren Verhältnissen ihre Kinder in diese Klassen schicken. Die classes bilangues will die Ministerin nun streichen und dafür ein Jahr früher als bislang eine zweite lebendige Sprache für alle Schüler/-innen anbieten.

Obwohl Najat Vallaud-Belkacem bei ihrem Reformprojekt nicht den Deutschunterricht im Visier hatte, ist es gerade dieser Punkt, um den sich nun eine französisch-deutsche Debatte entzündet hat. Die Gegner der Reform kommen nicht nur aus der konservativen Opposition. Auch Deutschlehrer/-innen, französische Germanist(inn)en und Eltern befürchten, dass die Zahl der deutschlernenden Schüler/-innen in Frankreich beträchtlich zurückgehen wird, da die Entscheidung für eine erste Fremdsprache zugunsten des Englischen ausfällt und später, bei der 2. Fremdsprache, lieber Spanisch als Deutsch hinzugenommen wird. Die Sorge scheint durchaus berechtigt, da Deutsch als Fremdsprache in ganz Europa (mit Ausnahme von Polen) immer unbeliebter wird und die Zahl der Schüler/-innen, die Deutsch lernen, seit einigen Jahren stetig abnimmt. Siehe Netzwerk Deutsch. Statistische Erhebungen.

Auf die Fragen, ob die deutsche Sprache durch die Bildungsreform ins Abseits gerät, antwortete Najat Vallaud-Belkacem in einem Interview mit dem Journal du Dimanche: „Nein, denn wir werden den Deutschunterricht fördern. Ich sage noch einmal, dass wir zum nächsten Schuljahr 515 Stellen für Deutschlehrer schaffen werden. Vor allem bin ich dabei, die landesweite Planung für den Unterricht in lebenden Sprachen in die Hand zu nehmen, um eine echte Angebotsvielfalt zu garantieren … Was den Deutschunterricht angeht, so werde ich aufgrund der Bedenken, die an mich herangetragen wurden, den Rektoren sehr anspruchsvolle Ziele vorgeben: Für die erste lebende Sprache … soll die Anzahl der Sprecher bis 2016 von 178 000 auf 200 000 gesteigert werden; und für die zweite lebende Sprache … von 487 000 auf 515 000. Zur Überprüfung dieses Ziels habe ich einen Ministerialbeauftragten benannt, der für die Förderung der deutschen Sprache zuständig ist.“ (Quelle: Journal du Dimanche vom 10. Mai 2015)

Medienreaktionen in Frankreich und Deutschland zur geplante Bildungsreform des Collèges können Sie auf der Webseite des Goethe Instituts in Frankreich nachlesen unter: www.goethe.de/ins/fr/lp/lhr/pol/de14282157.htm

Redaktion: DIJA

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