Bildung für nachhaltige Entwicklung

Christian Herrmann

Bildung für nachhaltige Entwicklung: Spaß statt Askese in der Jugendarbeit

Dass die Ressourcen des blauen Planeten endlich sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Was aber muss man wissen, um verantwortlich zu handeln und wie kann dieses Wissen vermittelt werden? Was bedeutet es zu Themen nachhaltiger Entwicklung international zusammenzuarbeiten? Mit Bildung für nachhaltige Entwicklung in der außerschulischen und internationalen Jugendarbeit befasste sich eine internationale Tagung von IJAB und dem Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben in Frankfurt.

BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

Die Kunst gemeinsam eine globale Perspektive zu entwickeln, unter diesem Motto stand die Veranstaltung, zu der 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 10 Ländern am 7. und 8. November nach Frankfurt am Main gekommen waren.  Dr. Philipp Schepelmann vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie benannte in seiner Keynote noch einmal die wesentlichen Fakten und Rahmendaten der Endlichkeit unserer natürlichen Ressourcen und des globalen Wirtschaftens. Vor diesem Hintergrund möglichst konkrete Projektideen und Konzepte zu entwickeln, war die Herausforderung in den drei  thematisch ausgerichteten Workshops der Tagung. Unterstützung gab es dabei durch einleitende Good-Practice-beispiele.

Angesichts der knappen Zeit von zwei halben Tagungstagen erwies sich der kreative Output als verblüffend. Entwickelt wurden Rollenspiele, die sich mit dem weltweiten Handel und Konsum von Lebensmitteln und der nötigen Transparenz der internationalen Finanzmärkte beschäftigten, eine Übersicht über geeignete Online-Tools zur partizipativen Wissensvermittlung und internationalem Austausch, ein Online-offline-Konzept für eine internationale Begegnung und ein Trainingscamp für den bewussten Umgang mit Energie – alles sehr konkret, für Jugendliche attraktiv  und für außerschulische und internationale Jugendarbeit gut umsetzbar.

In den intensiven Diskussionen einen gemeinsamen globalen Blickwinkel zu entwickeln, erwies sich als Herausforderung und Chance der Tagung – gerade dann, wenn unterschiedliche lokale Voraussetzungen aufeinandertrafen. „Für mich ist es schon ein Fortschritt, wenn Jugendliche das Licht ausmachen, wenn sie aus dem Raum gehen“ merkte eine Teilnehmerin aus Bosnien-Herzegowina angesichts der komplexen Bildungsziele der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Auch die deutsche Fragestellung, wie sozial- und bildungsbenachteiligte Jugendliche für Fragen nachhaltiger Entwicklung zu interessieren seien, führte bei manchen internationalen Gästen zu Stirnrunzeln. „Wo ist das Problem? Die sind doch total dankbar, wenn jemand auf sie zugeht und ihnen Angebote macht!“ Die Projektideen, die in den Workshops erarbeitet wurden verstanden sich als Teil der Antwort auf diese Frage. Eine weitere Teilantwort lieferte die gemeinsame Diskussion. Es ginge nicht um das Predigen vonVerzicht und Askese, wurde immer wieder betont. Ein bewusster Lebensstil biete auch Chancen für neue Lebensqualität. Und die Vermittlung eines nachhaltigen Lebensstils kann und sollte Spaß machen.

Was dies konkret bedeuten kann und wie man das mit Jugendlichen in der Bildungsarbeit umsetzen kann, machte eine Stadtführung von Jochen Dallmer vom Projekt WELTbewusst der BUNDjugend deutlich. Seine Stadtführung zu den Themen Kaffee und Burger war nicht nur ein ungewöhnlicher, sondern auch kurzweiliger Hinweis auf einen bewussten Lebensstil, der Spaß macht, und nicht zuletzt eine Gelegenheit für die internationalen Gäste der Veranstaltung, etwas von Frankfurt zu sehen zu bekommen.

Claudia Mierzowski von IJAB und Sebastian Welter von Arbeit und Leben, die die Tagung gemeinsam vorbereitet hatten, zeigten sich in ihrer Bilanz hoch zufrieden mit dem Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und den vielen guten Konzeptideen. Beide betonten, dass an die Ergebnisse mit Veröffentlichungen, Seminaren und Tagungen angeknüpft werde. Was für die in den Workshops erarbeiteten Einzelmaßnahmen gilt, dass nämlich Bildung für nachhaltige Entwicklung keine Eintagsfliege sein darf, sondern jede Maßnahme guter Vor- und Nachbereitung bedarf und in einen kontinuierlichen Prozess eingebunden sein muss, das gilt auch für die Frankfurter Tagung.

Die Tagung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der non-formalen Bildung und internationalen Jugendarbeit“ ist als offizieller Beitrag zur Umsetzung der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014 anerkannt. Sie wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Update 27.2.2013

Inzwischen ist die Dokumentation zur Veranstaltung erschienen. Laden Sie sie hier herunter: The Art of Developing Global Perspectives Together (PDF)

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell CC BY-NC 3.0


Internationale Fachtagung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, Frankfurt 07.-08.11.2012

Begleiten Sie uns

RSS-Feed abonnieren IJAB auf Facebook IJAB-Alumni-Gruppe auf Facebook IJAB auf Twitter IJAB auf YouTube

Newsletter