Marie-Luise Dreber

Stellungnahme von IJAB zur Nationalen Engagementstrategie

IJAB hat in einem Vorstandsbeschluss inhaltlich Stellung bezogen zur Nationalen Engagementstrategie der Bundesregierung und begrüßt diese.

BildImage: Christian Herrmann / IJAB

Eine nationale Engagementstrategie, die Antworten auf die zentralen Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft entwickelt, das Engagement fördert und hierfür geeignete Rahmenbedingungen schaffen will, ist ausdrücklich zu begrüßen.

Eine der genannten zentralen Herausforderungen auch einer nationalen Engagementstrategie ist unsere gemeinsame Verantwortung in einer globalisierten Welt und das damit verbundene Engagement in der internationalen Zusammenarbeit. Wir halten es deshalb für erforderlich, dass in der Fortschreibung des Grundkonzeptes die Frage des Blickwinkels weltweiter Zusammenhänge erfolgt.

IJAB als Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland geht mit seinem Praxishintergrund im Folgenden insbesondere auf diesen Aspekt ein.

Internationale Zusammenarbeit ist mehr als Europa und Entwicklungspolitik

Bürgerschaftliches Engagement ist für den europäischen Einigungsprozess und die Ausgestaltung einer Europäischen Politik unabdingbar. Dies muss durch größtmögliche Beteiligungsformen und einen grenzüberschreitenden europäischen Austausch gefördert werden. Hierfür gibt es gute Grundlagen, die es gilt weiter auszubauen. Globalisierung aber fordert eine weltweite Zusammenarbeit, die wie in der Nationalen Engagementstrategie nicht auf Angebote für Engagierte in der Entwicklungspolitik und einzelne Freiwilligendienstprogramme beschränkt sein kann. Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft wird davon abhängen, wie wir mit weltweiter Vielfalt, Bildung, Beschäftigung, Nachhaltigkeit und Demokratie umgehen. Dazu bedarf es des internationalen Dialogs, der schon jetzt im Rahmen von Partnerschaften und internationalen Netzwerken durch eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen und Initiativen geführt wird. Die Bilateralen Beziehungen Deutschlands, der Regionen und Gemeinden leben nicht nur aus der Diplomatie, sondern zuvorderst durch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger und deren persönlichen Kontakten. Gerade in der Zusammenarbeit mit z. B. Israel, Russland, China, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern spielt dies eine große Rolle. Es geht um Austausch und Verständigung, Voneinander Lernen und Demokratieentwicklung als Beiträge zu Frieden, Versöhnung und Toleranz. Eine Engagementstrategie muss dies berücksichtigen und offensiv fördern.

Grenzüberschreitende Mobilität

Viele Studien belegen inzwischen die Bedeutung grenzüberschreitender Mobilitätsprogramme für die Persönlichkeitsentwicklung, das gesellschaftliche Engagement, aber auch für die berufliche Orientierung junger Menschen. Diese Programme werden in der Regel von Nichtregierungsorganisationen mit hohem persönlichem Engagement qualitativ begleitet. Gerade junge Migrantinnen und Migranten profitieren von diesen Angeboten in besonderer Weise. Die teilweise rigide Visapolitik Deutschlands und anderer europäischer Staaten schränken dieses grenzüberschreitende Engagement aber ein. Wir erfahren dies unter anderem bei internationalen Begegnungen, Freiwilligendiensten, Au pair und Schüleraustauschprogrammen. Hier gilt es Mobilitätshindernisse abzubauen.

Freiwilligendienste

Der qualitative und quantitative Ausbau der Jugendfreiwilligendienste ist zu begrüßen. Mit seinen langjährigen Erfahrungen in der Qualitätsentwicklung unter anderem bei den internationalen Freiwilligendiensten bringt IJAB seine Erfahrungen in den qualitativen Ausbau ein. Vor dem Hintergrund der großen Nachfrage von jungen Menschen, ein freiwilliges Jahr im Ausland durchzuführen, ist auch die Schaffung eines neuen Auslandsfreiwilligendienstes ein positives Signal. Dieser wie auch die Programme ‚weltwärts’ und ‚kulturweit’ dürfen angesichts der Herausforderungen der Globalisierung jedoch nicht einseitig gestaltet sein, sondern müssen – wie beim Europäischen Freiwilligendienst – auf Gegenseitigkeit angelegt sein. Die Engagementstrategie setzt bei der Rückkehr der Freiwilligen nach Deutschland auf einen Transfer in die Gesellschaft. Dazu gibt es erste Ansätze, es bedarf aber noch weiterer Initiativen, um diesen Transfer zu begleiten und nachhaltig wirksam gestalten zu können. Welche zusätzlichen Wirkungen könnten die Programme aber haben, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen für entsprechende Reverseprogramme geschaffen würden. Durch das Engagement junger Freiwilliger aus anderen Ländern in Deutschland könnte ein Dialog und Austausch auf Augenhöhe entstehen. Interkulturelles und globales Lernen würde damit auch in unseren nationalen Einrichtungen und Institutionen unterstützt und gefördert.

In den letzten Jahren sind auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie vom Auswärtigen Amt neue Jugendfreiwilligendienste geschaffen worden, die der Nachfrage junger Menschen, für eine bestimmte Zeit ins Ausland zu gehen, entgegenkommen. Dabei müssen nicht nur die jeweiligen Freiwilligendienste transparenter und einheitlicher gestaltet werden und damit die Rechtssicherheit für die Freiwilligen erhöht werden. Gleichfalls benötigen junge Menschen in der Vielfalt der Angebote mehr Orientierung durch Information und Beratung.

Anerkennungskultur

Die Initiativen der Bundesregierung zu einer besseren Anerkennungskultur verbunden mit dem Ziel der Entwicklung einheitlicher Methoden zum Nachweis der erworbenen Kompetenzen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ebenso positiv zu beurteilen sind die Anstrengungen, Ergebnisse nichtformellen Lernens im Deutschen Qualifikationsrahmen zu berücksichtigen. Gleichfalls muss aber auch eine Abstimmung mit den europäischen Instrumenten zum nichtformalen und informellen Lernen erfolgen, die wiederum Eingang in den Europäischen Qualifikationsrahmen finden.

Zu begrüßen ist die geplante bessere Anrechnung des Freiwilligendienstes auf Studium oder Ausbildung. Dies setzt ein umfangreiches Abstimmungsverfahren zwischen Bund und Ländern sowie unterschiedlichen Ressorts voraus, das im Interesse junger Menschen aktiv und zügig befördert werden muss.

Die Nationale Engagementstrategie bedarf der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Entscheidend wird sein, was letztendlich umgesetzt wird, um die Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Engagements spürbar zu verbessern. IJAB ist bereit, sich mit seiner Expertise auch aus dem internationalen und europäischen Erfahrungsaustausch weiterhin aktiv einzubringen.

Bonn, im Dezember 2010



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