Katrin Schauer

Brexit: "Should I stay or should I go now?"

Am 23. Juni 2016 stimmen die Briten über den sogenannten Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, ab. Dann werden sie vor die Entscheidung gestellt: “Should the United Kingdom remain a member of the European Union or leave the European Union?” Die Themen Wirtschaft und Migration prägen seit Monaten die Debatten über den möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU. Weniger Beachtung findet die Bedeutung des britischen Referendums für die Jugend.

BildImage: PublicDomainPictures / pixabay.com

Die meisten jungen Briten wollen in der EU bleiben

Auch Anfang Juni ist der Ausgang des EU-Referendums noch völlig offen und aktuelle Meinungsumfragen sehen mal die leave-, mal die remain-Seite vorne. Wahlentscheidend könnten gerade die Stimmen der jungen Wähler/-innen werden. Denn während die Älteren eher für einen Austritt sind, zählen die Jüngeren zu den Europabefürwortern.

Zwei von drei unter 30-Jährigen wollen in der EU bleiben. Die vieldiskutierte Frage lautet jedoch: Werden sie am 23. Juni auch wählen gehen? Denn im Gegensatz zu der älteren geht die junge Wählergruppe vergleichsweise selten zu Wahl, was den EU-Gegnern einen Vorteil verschafft. Beispielsweise betrug die Wahlbeteiligung der 18- bis 24-Jährigen bei den Parlamentswahlen 2015 lediglich 43 Prozent, im Vergleich zu 78 Prozent bei den der Über-65-Jährigen.

Was das kommende Referendum betrifft ist sich aktuell gerade mal knapp über die Hälfte aller 18- bis 34-Jährigen sicher, dass sie überhaupt zur Wahl gehen werden. Bei den über 65-Jährigen sind es 76 Prozent. Voraussetzung um beim Referendum abstimmen zu dürfen, ist die Registrierung, die noch bis zum 7. Juni 2016 möglich ist. 4 Millionen Wähler/-innen im Alter von 18 bis 24 Jahren haben sich noch nicht zur Wahl registriert.

Mind the (Generation) Gap

Laut Meinungsforschungsinstitut Yougov liegt die magische Altersgrenze bei 43 Jahren. Diejenigen, die jünger als 43 sind, wollen demnach in der EU verbleiben, diejenigen, die älter als 43 sind, wollen aus der Gemeinschaft austreten. Dabei gilt: Je jünger die Wahlberechtigten sind, desto größer ist die Zustimmung zur EU.

Anders als beim schottischen Unabhängigkeitsreferendum im September 2014 haben die 16- und 17-Jährigen beim britischen EU-Referendum kein Stimmrecht. Der Vorschlag der europafreundlichen Labour Party, auch die 16- und 17-Jährigen über die künftigen Beziehungen zwischen London und Brüssel abstimmen zu lassen, wurde im Juni 2015 von den Abgeordneten des House of Commons abgelehnt.

Somit ist die Zustimmung zum Verbleib Großbritanniens in der EU gerade in der Altersgruppe am höchsten, die entweder nicht wählen darf oder die eine geringe Wahlbeteiligung aufweist.

Sollten die Briten am 23. Juni tatsächlich das Handtuch werfen, dann haben die älteren Jahrgänge den Wahlausgang entschieden – mit den Konsequenzen leben, müssen die jüngeren.

Folgen des Referendums treffen vor allem junge Leute

Nicky Morgan, die britische Bildungsministerin, betonte, dass ein Brexit junge Leute besonders betreffen wird. Die EU-Gegner argumentieren hingegen, dass vor allem den jungen Briten die hohen Kosten der EU-Mitgliedschaft aufgebürdet würden.

Fest steht, dass Teil der Europäischen Union zu sein, vor allem für junge Menschen Vorteile bringt: die Begegnung mit anderen Kulturen, Reisefreiheit und die freie Wohnortwahl über die Landesgrenzen der Mitgliedstaaten hinweg. Zur Verwirklichung ihrer beruflichen und persönlichen Ziele können junge Menschen frei entscheiden, wo sie leben, arbeiten oder studieren möchten.

Weder die britische Regierung noch die Austritt-Befürworter konnten den Wähler(innen)n bisher sagen, was die Briten im Falle des Brexits erwarten würde. Welchen Status etwa hätten britische Studierende im Ausland? Würden Berufsabschlüsse aus England hier noch anerkannt werden? Gilt weiterhin die Visafreiheit für Briten, die nach Europa reisen wollen und Europäer/-innen die ins Vereinigte Königreich reisen wollen? Ungewiss ist auch die Zukunft der jungen Europäer/-innen, die in Großbritannien leben und ob sie die Visabestimmungen erfüllen würden. Fördermittel, die die EU britischen Jugendorganisationen zur Verfügung stellt, könnten nach einem Ausstieg des Vereinigten Königreichs verloren gehen.

Doch nicht nur profitieren junge Menschen von persönlicher und beruflicher Mobilität durch zahlreiche Jugendprogramme und Fördermaßnahmen, die die europäische Jugendpolitik auf den Weg gebracht hat, es geht vor allem um ihre Zukunft. Gerade junge Leute hätten am meisten zu verlieren, ihre Perspektiven und ihre Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt würden in einem deutlichen Ausmaß von den Folgen eines Brexits beeinflusst.

Der europäische Status quo - Frieden, Versöhnung, Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Stabilität und Wohlstand - ist für viele junge Menschen so selbstverständlich, dass sie es gar nicht mehr wahrnehmen. Viel hängt nun davon ab, ob sie sich dennoch zur Urne bewegen, um einen Brexit zu verhindern.

Quellen und weitere Informationen: The Guardian, The Independent, YouGov, ME and EU

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


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