Christian Herrmann

Runder Tisch identifiziert Themen zur Weiterentwicklung von Fachkräftequalifizierung

Es sind die „change agents“ in Kommunen, Institutionen und Verbänden, die die Internationalisierung und Europäisierung der Kinder- und Jugendhilfe sowie die kommunale Verankerung Internationaler Jugendarbeit vorantreiben. Wie können sie und ihre Organisationen für neue Aufgaben qualifiziert werden und wie müssen sich Qualifizierungsangebote verändern, damit mehr Fachkräfte Mobilitätserfahrungen machen können? Ein Runder Tisch hat sich am 19. April in Bonn mit diesen Fragen beschäftigt und dafür Perspektiven angestoßen.

Eine Hand klebt einen blauen Punkt auf einen Bogen beschriebenes Papier.
BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Wie gut sind Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe auf eine globalisierte Welt vorbereitet? Wer Jugendamtsmitarbeiter möchte, für die Jugendaustausch eine Selbstverständlichkeit ist, Erzieherinnen, die von ihren Kolleginnen und Kollegen in Europa lernen, Jugendsozialarbeiter, die etwas von den Herkunftsländern von Geflüchteten verstehen oder Stadtjugendringe, denen Europa am Herzen liegt, der muss an der Qualifizierung von Fachkräften ansetzen. „Wir betrachten das als ein Stück Organisationsentwicklung“, sagte Daniel Poli, Geschäftsbereichsleiter bei IJAB, als er gemeinsam mit Manfred von Hebel von JUGEND für Europa und Albert Klein-Reinhardt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 19. April die Gäste des Runden Tischs Fachkräftequalifizierung in Bonn begrüßte.

Wo klemmt es?

Wie es um die die Qualifizierung von Fachkräften in Europa bestellt ist, das untersucht Andreas Karsten in der Studie „The Impact of the Programme on Youth Workers‘ Competences“, die Erasmus+ JUGEND in Aktion wissenschaftlich begleitet. „Vieles ist gut, aber manches klemmt auch“, stellte er fest. Karsten richtete daher seinen Fokus auf das, was klemmt, um zu Schlussfolgerungen für Verbesserungen kommen zu können. Zu wenig Diskurs, wenig methodische Experimente, kein Input von Expert(inn)en außerhalb des eigenen Arbeitsfeldes, kaum digitale Tools und wenig brauchbare Angebote für erfahrene Fachkräfte hat Karsten diagnostiziert. „Fachkräfte spiegeln uns, sie hätten den Vernetzungseffekt einer Fortbildung geschätzt, aber das sagt uns auch, dass sie nichts Neues gelernt haben“, sagte Karsten. Er wünscht sich mehr Diskussionen über Europa oder moralische Dilemmata in der eigenen Arbeit, mehr Experimente und methodische Vielfalt. Als besondere Zielgruppen, die Unterstützung brauchen, hat er Quereinsteiger/-innen sowie Netzwerke und Organisationen ausgemacht.

Vorerfahrungen nutzbar gemacht

„Beim Runden Tisch kommen die Fäden von Vorgängerprojekten zusammen“, hatte Manfred von Hebel schon bei der Begrüßung gesagt. Gemeint waren das Modellprojekt „Grenzüberschreitende Lernerfahrungen ermöglichen“ und das Innovationforum Jugend global. Beide hatten die Bedarfe von Fachkräften abgefragt – beide jeweils auch mit einem Fokus auf Qualifizierung. Von diesen Erfahrungen profitiert nun der Runde Tisch. Kerstin Giebel, IJAB, und Christof Kriege, JUGEND für Europa, Koordinator/-innen der genannten Projekte, haben aus den Vorerfahrungen heraus Themen zur Weiterentwicklung von Qualifizierungsangeboten identifiziert. Wie können

  • unterrepräsentierte Zielgruppen von Fachkräften erreicht werden,
  • die Passgenauigkeit von Angeboten hergestellt werden,
  • ein Kompetenzprofil von Fachkräften beschrieben werden,
  • die politische Dimension von Internationaler Jugendarbeit gestärkt werden,
  • Anerkennungssysteme weiterentwickelt werden,
  • die Kompetenzen von Fachkräften im Bereich Sprache und Kommunikation verbessert werden?

Zu diesen Fragestellung bildeten sich Thementische zur inhaltlichen Vertiefung. Zwei weitere Thementische bildeten sich zu sektorübergreifenden Qualifizierung von Fachkräften in formaler und non-formaler Bildung und zur wichtigen Aufgabe der Digitalisierung.

Einladung zu offenem Prozess

Die Arbeitsgruppen, die sich an den Thementischen zusammenfanden, sollen über den Tag hinaus Bestand haben. Welche Projekte oder Produkte sich aus ihrer Arbeit ergeben, ist ein offener Prozess, zu dem alle, die etwas beisteuern möchten, eingeladen sind. In einem ersten Schritt werden die Ergebnisse des Tages gesichtet, dokumentiert und die Ergebnisse herausgearbeitet werden. Dann wird zur Weiterarbeit eingeladen werden. Für diesen offenen Prozess, der auf drei Jahre angelegt ist, bekräftigte Albert Klein-Reinhardt die Unterstützung des Bundesjugendministeriums. Im kommenden Jahr sollen erste Ergebnisse auf einem zentralen Treffen vorgestellt werden.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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