Christian Herrmann

„Engagement braucht es überall“

Vom 21. bis 22. Juni fand in Lissabon die Weltkonferenz der Jugendminister und -ministerinnen statt. Teil der deutschen Delegation war Kirsten Hasenpusch vom Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit. Wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen auf der Konferenz gesprochen.

Kirsten Hasenpusch
Kirsten Hasenpusch BildImage: privat

Frau Hasenpusch, in Lissabon fand die Weltkonferenz der Jugendminister/-innen statt und Sie haben daran teilgenommen. Was ist die Rolle junger Menschen in einer solchen Veranstaltung? Wird ihnen zugehört?

Kirsten Hasenpusch: Es war beeindruckend zu sehen... Deutschland nimmt in meinen Augen bei der Einbeziehung junger Menschen eine gute Rolle ein, denn ich wurde nicht nur in die vor Ort laufenden Prozesse einbezogen, sondern schon vorab nach der Meinung junger Menschen in Deutschland gefragt. Außerdem hat die Staatssekretärin mir einen Großteil der Redezeit im Plenum eingeräumt, was ich als sehr positiv empfunden habe. Es zeigt, dass junge Menschen Gehör bekommen können. Mehr Beteiligung geht jedoch immer – vor allem in vielen anderen Ländern kann, oder sollte daran gearbeitet werden. Die Rolle junger Menschen liegt nicht nur darin, die Zukunft zu gestalten, sondern das Hier und Jetzt. Junge Menschen sind bereit Verantwortung zu übernehmen und sollten diese auch von ihren Ländern übertragen bekommen.

Der Klimawandel war das Thema der Konferenz. Warum gerade dieses Thema und was waren aus Ihrer Sicht wesentliche Ergebnisse?

Kirsten Hasenpusch: Vor Ort muss ich sagen, ging es neben dem Klimawandel tatsächlich auch um viele andere Themen, die die Länder und vor allem jungen Menschen betreffen. Arbeitslosigkeit und Bildung waren weitere große Blöcke, genau wie Jugendbeteiligung, Menschenrechte und Digitalisierung.

Insbesondere Inselstaaten, die tatsächlich um ihre Existenz fürchten, haben zum Thema Klimawandel noch einmal andere Aspekte mit in die Diskussion gebracht, da dort konkret das Leben bedroht ist. Durch die Erklärung, die am Ende unterzeichnet wurde, committen sich die Länder dazu, sich sektorübergreifend für die Agenda 2030 und die nachhaltige Entwicklung einzusetzen und Ungleichheiten als globale Herausforderung anzugehen.
 
Wieviel Einfluss hat eine solche Konferenz auf tatsächliche Veränderungen?

Kirsten Hasenpusch: Es ist schon eine besondere Leistung, 21 Jahre nach der ersten Weltjugendministerkonferenz, erneut auf diesem weltweiten Level zusammen zu kommen und bedeutende Themen zu setzen. Aber allein damit darf man sich natürlich nicht begnügen. Die Jugendminister*innen müssen mit ihren Umwelt-, Wirtschafts- und Forschungskolleg*innen im Land sprechen, die sich wiederum für Verbesserungen zum Schutz unseres Planeten sowie Beteiligung, Anhörung und Mitwirkung von jungen Menschen einsetzen. Aber natürlich, die Mühlen mahlen sehr langsam.. Zum Teil ist es schon desillusionierend, aber etwas tun ist besser als nichts tun – Engagement braucht es überall. Daher stoßen solche Konferenz Veränderungen an, umgesetzt werden müssen diese aber von vielen handelnden Akteuren, sodass es wichtig ist, die Ideen und Ergebnisse weiterzutragen.
 
Sie waren für das Deutsches Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit mit nach Lissabon gekommen und haben so die deutschen Jugendverbände vertreten. Wie werden Sie Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Konferenz in die deutsche Jugendarbeit zurückfließen lassen?

Kirsten Hasenpusch: Die Frage ist nicht so einfach zu beantworte, da die Strukturen in Deutschland sehr komplex sind. Das Deutsche Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) ist die Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR), der Deutschen Sportjugend (dsj) und des Rings Politischer Jugend (RPJ) und damit der jeweils in diesen Dachorganisationen vertretenen Verbände. In anderen Ländern gibt es meist nur einen nationalen Jugendring, daher haben wir hier eine besondere Situation. Das DNK ist im internationalen Bereich für den Multilateralismus zuständig. Bilaterale Projekte laufen über die jeweiligen Mitgliedssäulen. Ich persönlich komme aus der Sportjugend und bin über diese Säule als Sprecherin gewählt. Mit den anderen zuständigen Delegierten aus den Säulen treffen wir uns mehrmals im Jahr und berichten uns gegenseitig. Zudem planen wir Aktivitäten, sind mit Ministerien im Austausch sowie mit dem Europarat, der Europäischen Kommission und beteiligen uns an der Arbeit des Europäischen Jugendforums.

Um Ihre Frage konkret zu beantworten: ich nehme die Declaration mit in die kommenden Sitzungen, werde einen Bericht verfassen und mich mit meinen Kolleg*innen dazu austauschen. In die Säule des Sports habe ich natürlich einen kürzeren Weg und kann Ideen und Kontakte direkt versuchen einzubinden. Aber auch durch Interviews wie bspw. mit Ihnen, werden die Ideen und Ergebnisse aus der Konferenz in die Welt getragen und regen hoffentlich weitere Menschen zum Nachdenken an.



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