Daniel Poli

Europäische Akteure der Online-Partizipation vernetzen sich

Vom 19. - 22. November fand in Brüssel das internationale Seminar #BePart zum Thema E-Partizipation Jugendlicher statt. Grundlage waren die Erkenntnisse und Erfahrungen des multilateralen Kooperationsprojekts youthpart, das von 2011 bis 2013 von IJAB durchgeführt wurde. Weiterer Austausch und Vernetzung sind bereits geplant.

drei Menschen schauen auf ein Laptop
BildImage: Juha Kiviniemi

30 Teilnehmende von 13 Partnerorganisationen aus Belgien, Finnland, Deutschland, Österreich, Malta, Luxembourg und der Türkei diskutierten Herausforderungen und Chancen digitaler Beteiligung, tauschten gute Praxis aus und entwickelten gemeinsame Projekte. Das Seminar wurde von der belgischen Organisation De Ambrassade durchgeführt.

Die Veranstaltung stand unter dem Thema der Förderung von active citizenship junger Menschen in der digitalen Gesellschaft. Ziel war neben dem gemeinsamen Erfahrungsaustauschs die Erhöhung der Qualität der Jugendarbeit im Bereich E-Partizipation und die Identifizierung von Qualifizierungsbedarfen. Ein wichtiges Ergebnis des Treffens war, dass ein gemeinsames Verständnis der Rolle von Jugendarbeit hergestellt wurde: Jugendorganisationen, Akteure der Jugendinformation und Jugendarbeiter/-innen müssen eine viel stärkere Rolle in Prozessen von Jugendpartizipation spielen. Sie sollen verstärkt  zwischen den Interessen junger Menschen und Entscheidungsfindungsprozessen auf politischer Ebene vermitteln, unterstützen und mit Hilfe digitaler Tools und Offline-Methoden Partizipationsprozesse gestalten. Dafür braucht es entsprechendes Know-how, Trainings und gute Beispiele aus ganz Europa.

Graeme Robertson erläuterte als Vertreter der Europäischen Kommission in seinem Beitrag die Wichtigkeit des Themas und ermutigte die Beteiligten, ihr Wissen anderen zur Verfügung zu stellen, um die Partizipation Jugendlicher zu stärken, zu qualifizieren und weiterzuentwickeln. Er verwies auf das Europäische Jugendportal und den Strukturierten Dialog, bei denen in den nächsten Jahren mehr E-Partizipationselemente implementiert werden sollen. Tanya Basarab vom Partnership der EU-Kommission und des Europarates stellte die Ergebnisse des im September in Budapiest durchgeführten Symposiums on Youth Participation in a Digitalised World vor. Sie nahm Bezug auf die Wichtigkeit des Themas auf europäischer Ebene und stellte insbesondere Forschungslücken und die Erkenntnis heraus, dass Offline- und Onlinemethoden im Rahmen von Partizipationsprozessen verknüpft werden sollten.
 
Als aktuelles europäisches Projekt wurde „EUth – Tools and Tipps for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe” vorgestellt, an dem IJAB als Partner beteiligt ist. Daniel Poli gab neben einer einleitenden Keynote einen Workshop zum Thema Gelingensbedingungen von E-Partizipationsprozessen in Verwaltungsabläufen und hob die Chancen hervor, die für die Teilhabe junger Menschen eröffnet werden können. Sven Augusteyns von der belgischen NGO „Ringland“ berichtete von neuen Wegen der Ansprache und Moblisierung einer großen Anzahl junger Menschen für politische Belange am Beispiel der Autobahnring-Initiative Ringland in Antwerpen.

Im Rahmen eines Open-Space-Projektmarkts konnten gute Beispiele und Ansätze aus sieben Ländern vorgestellt und diskutiert werden. Es zeigte sich, dass alle vor gleichen Herausforderungen stehen und ähnliche Tools entwickeln und erproben. Koordinaatti - Development Centre of Youth Information and Counselling stellte das finnische E-Partizipationssystem www.nuortenideat.fi vor, dass gemeinsam vom Justiz- und Bildungsministeriums initiiert wurde. Es gibt allen Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Ideen in politische Entscheidungsprozesse auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene einfließen zu lassen. Ein weiteres finnisches Beispiele für digitale Beteiligungsprojekte wurden von der Stadt Helsinki und dem Dachverband der finnischen Jugendorganisationen Allianssi präsentiert: www.valtikka.fi. Aus Malta wurde das Jugendinformationsportal www.kellimni.com als gutes Beispiel herausgestellt. Hier werden zukünftig verstärkt E-Partizipationselemente implementiert und erprobt. Auch aus Österreich standen Projekte von JUGEND.INFO im Mittelpunkt. Vom Europäischen Netzwerk der Jugendinformation wurde der Trainingskurs „Digital YIntro“ vorgestellt, dessen Weiterentwicklung neue Ansätze der E-Partizipation enthalten soll. Daran könne auf Grundlage des Seminars im nächsten Jahr weitergearbeitet und ein konkretes Training entwickelt werden. Ein Vertreter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt stellte neue Wege vor, gemeinsam mit Jugendlichen ein „Minecraft“-Partizipationsprojekte zu entwickeln und spielerisch politische Bildung zu vermitteln. Auch das aus Berlin stammende Projekt www.kiez-veraendern.de zeigte kartenbasierte Initiativen junger Menschen, die sich mit Orten der Vielfalt beschäftigen. Aus Belgien wurde die neue E-Partizipationsplattform des flämischen Jugendrings (www.vlaamsejeugdraad.be) sowie das mit dem deutschen „abgeordnetenwatch.de“ verwandte, in 2015 gestarteten Projekt www.hallopolitici.be präsentiert. Hier können Bürgerinnen und Bürger in direkten Kontakt mit Abgeordneten treten und ihnen Fragen stellen. Darüber hinaus gab es zahlreiche weitere Projektideen, die gemeinsam weiterentwickelt wurden.

Abschließend waren sich alle Teilnehmenden einig, dass es ein Follow-Up geben und ein stetiger Austausch auf Europäischer Ebene etabliert werden müsse. Damit wurde der Grundstein für den Aufbau des #BePart-Netzwerks gelegt. Die Idee einern Follow-Up-Konferenz in Helsinki Ende 2016 soll in den nächsten Wochen konkretisiert werden. Der Bedarf an Austausch und Zusammenarbeit zu dem Thema ist groß und die Chancen für eine erfolgreiche europäische Kooperation ebenso.

Mehr Informationen: http://www.bepartevent.com/

#BePart from De Ambrassade on Vimeo.



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