Christian Herrmann

Y20 Youth Dialogue: Internationale Kooperation geht nicht mit „my country first“

Beim Y20 Youth Dialogue wird hart gearbeitet. Bis zum 7. Juni sollen die Positionspapiere, die sich mit den Themen des G20 Summit auseinandersetzen, fertiggestellt sein, um sie Bundeskanzlerin Angela Merkel zu übergeben. Wofür wollen sich die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer besonders engagieren? Wir haben uns umgehört.

eine junge Frau spricht in ein Mikrofon, andere hören zu
BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Eine intensive Arbeitsphase hat beim Y20 Youth Dialogue begonnen. In Kleingruppen wird an den Themen des G20 Summit gearbeitet: Frauenrechte, nachhaltige Entwicklung, Flucht und Migration, Weltwirtschaft und Welthandel, Beschäftigung, Klimaschutz und Energie, Digitalisierung, Kampf gegen Terrorismus und Korruption. Die Thesen aus den Arbeitsgruppen werden ins Plenum zurückgespiegelt und dort diskutiert. Am 7. Juni werden die Positionspapiere Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgestellt werden. Bis dahin bleibt noch viel zu tun. Welche Inhalte interessieren die 68 Teilnehmenden aus 31 Ländern besonders und welche Erwartungen haben sie an den Y20 Youth Dialogue und die Umsetzung ihrer Positionspapiere?

Agenda 2030 wird als wichtig angesehen

Für Patrick Ochiba aus Kenia ist die Agenda 2013 das wichtigste Thema. Das Kernstück dieser Agenda der Vereinten Nationen bildet ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Sie reichen von der Überwindung von Hunger und Armut bis zu Klimaschutz und hochwertiger Bildung. „Nahezu alle Themen, die wir hier diskutieren, sind in der Agenda 2030 enthalten“, sagt Patrick. Fahad Al-Thennayan aus Saudi-Arabien nimmt bei der Frage, welches Thema für ihn am wichtigsten sei, nicht Bezug auf die Agenda 2030, aber auch er sieht, wie alles miteinander verwoben ist. „Man kann beispielsweise keinen guten Welthandel haben, ohne die Korruption zu bekämpfen“, findet er. Ein Thema hebt Fahad aber dennoch hervor: die Bekämpfung des Terrorismus. „Mein Land hat viele schreckliche Anschläge erlebt. Terrorismus ist eine große Herausforderung für die moderne Welt, ich möchte gerne gemeinsam mit anderen Ideen für eine weltweite Lösung ausarbeiten.“

Internationale Lösungsansätze sind auch den deutschen Teilnehmenden Rupert Heindl, Lena Simosek, Johannes Wagner und Jasmin Burgermeister wichtig. „Bei Y20 gibt es ja so eine Metaebene Internationale Kooperation“, erklärt Rupert, „das geht eben nicht mit 'my country first'“. Dass das nicht immer einfach ist, diese Erfahrung hat Jasmin gemacht. „Bei uns wurde ganz schön kontrovers diskutiert“, berichtet sie, „es braucht wirklich großes diplomatisches Geschick damit umzugehen, wenn Interessen einfach durchgedrückt werden sollen“. „Das betrifft zum Beispiel freien Handel gegen fairen Handel“, weiß Lena. Auch für Lena ist die Agenda 2030 das wichtigste Thema, da sie alle anderen Themen beinhalte. Jasmin stimmt ihr zu. Es sei wichtig, Themen nicht aus der Sicht der reichen G20-Länder zu priorisieren.

Konkrete Vorschläge, keine Phrasen

Was kann Y20 bewegen? Patrick aus Kenia hofft auf konkrete Vorschläge, die die Interessen junger Menschen berücksichtigen. Dafür macht sich auch Carina Autengruber aus Österreich stark, die das Europäische Jugendforum vertritt. „Wir brauchen mehr strukturelle Zugänge, um die Interessen junger Menschen vor Ort, also auch auf dem G20-Gipfel einbringen zu können“, findet sie. „Junge Menschen werden oft als Teil des Problems gesehen – zum Beispiel dann, wenn sie arbeitslos sind –, wir möchten aber Teil der Lösung sein.“

Die vier deutschen Teilnehmenden schildern ihre Erwartungen ähnlich. Sie erhoffen sich Impulse von jungen Menschen für den G20-Gipfel, aber sie möchten das Format des Y20 Youth Dialogue auch weiterentwickelt sehen, hin zu verbindlicher Jugendbeteiligung.

„Ob die Staats- und Regierungschefs uns zuhören werden, das hängt auch von uns selbst ab“, findet Jasmin, „es kommt darauf an, ob wir nur Phrasen vorzuweisen haben oder fundierte Vorschläge“. Patrick ist zuversichtlich, dass die Positionspapiere des Y20 Youth Dialogue Gehör finden werden. „Das ist doch im Interesse der Staats- und Regierungschefs“, findet er, „sonst brauchen sie uns doch gar nicht einladen“. Auch Fahad ist optimistisch. „Die Jugend ist die Führung von morgen“, stellt er fest, „und die heutige Führung muss ein Interesse daran haben, die Welt sicher und friedlich an die nächste Generation zu übergeben“.

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