Datenreport Internationale Jugendarbeit

Zur Sichtbarmachung und Stärkung der Anerkennung nichtformaler Bildung im Bereich der Internationalen Jugendarbeit ist es erforderlich, die Datenlage über das Arbeitsfeld zu verbessern, nachvollziehbar und im gesellschaftspolitischen Raum transparenter zu machen. Das Projekt hat zum Ziel, im Diskurs mit wichtigen Förderern sowie durch Sondierungen und Recherchen Möglichkeiten der zukünftigen Realisierung eines Datenreports auszuloten, der auf Basis valider Daten regelmäßig die Leistungen in einer attraktiven Präsentationsform zusammenstellt.

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Im Rahmen eines Sondierungsworkshops am 28. Oktober 2015 stellten die Vertreterinnen und Vertreter der beiden Jugendwerke DFJW und DPJW, der binationalen Koordinierungsstellen Tandem und ConAct, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke, von JUGEND für Europa (Erasmus+ im Jugendbereich) sowie der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- & Jugendhilfestatistik ihre Datenerhebungs- und –auswertungsverfahren beispielhaft vor. Ergänzt wurden diese Präsentationen durch eine Vorstellung der jährlichen Statistiken über die Teilnehmenden an Freiwilligendiensten, die der Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee (AKLHÜ) in Absprache mit dem BMZ vornimmt. Breiten Raum nahm auch die Darstellung des zukünftigen Datenerhebungsverfahrens seitens der Dortmunder Arbeitsstelle ein.
Grundsätzlich besteht bei allen konsultierten Beteiligten Konsens, dass zukünftig ein aussagefähiger Datenreport herausgegeben werden sollte. Übereinstimmend waren die Teilnehmenden der Meinung, dass ein Datenreport durch empirische Daten angereichert werden sollte, die einen starken inhaltlichen Bezug haben. In erster Linie sind das die Daten des Projekts Evaluation internationaler Jugendbegegnungen, die zwar nicht repräsentativ sind, aber Trends und Zusammenhänge sehr gut darstellen können. Diese gehen weit über die üblichen Teilnehmendenstatistiken hinaus.

Dr. Dirk Hänisch

i-EVAL - innovatives Instrument zur Evaluation von internationalen Jugendbegegnungen erlebt in Dortmund eine Online-Premiere

Auf dem bundesweiten Fachkongress Kinder- und Jugendarbeit 2016, der vom 26.-28. September an der TU Dortmund stattfand, präsentierten Dr. Wolfgang Ilg und Judith Dubiski Forschungsergebnisse zur Evaluation von internationalen Jugendbegegnungen und Freizeiten und unterzogen die neue interaktive Online-Plattform i-EVAL einem ersten Stresstest.

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Auf zwei gut besuchten Veranstaltungen stellten Dr. Wolfang Ilg und Judith Dubiski Forschungsergebnisse des Verfahrens der vernetzten Selbstevaluation für pädagogisch orientierte Freizeiten und internationale Begegnungen vor und demonstrierten anschaulich seine Anwendung anhand der Online-Plattform i-EVAL. Das Evaluationsverfahren birgt eine ganze Reihe von Erkenntnismöglichkeiten für Veranstalter von Jugendreisen und internationalen Begegnungen und dürfte andererseits langfristig einen deutlich erkennbaren positiven Beitrag zur weiteren Professionalisierung der Internationalen Jugendarbeit sowie der Pädagogik von Jugendreisen leisten.

Entwickelt wurde das kostenfreie Verfahren vor mehreren Jahren durch das Forschungsprojekt Freizeitenevaluation unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Wolfgang Ilg. Mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und des Deutsch-Polnischen Jugendwerks wurde es auch für internationale Jugendbegegnungen eingesetzt und fortentwickelt. Die neue Online-Plattform i-EVAL soll die eigenständige Evaluation erleichtern und eine gut handhabbare, mobile, zugleich zuverlässige und aussagekräftige Möglichkeit der selbständigen Evaluation bieten. I-EVAL wird vom Bundesjugendministerium gefördert und von den oben genannten Partnern sowie von IJAB unterstützt.

Vernetzte Selbstevaluation bietet Chancen für neue Erkenntnisse

Die vernetzte Selbstevaluation, die auf Freiwilligkeit und Anonymität der befragten Teilnehmenden basiert, ermöglicht den daran beteiligten Trägern und Veranstaltern neue Erkenntnisse bei gleichzeitig geringem Zeit- und Arbeitsaufwand. So kann die Wirksamkeit und der Erfolg von einer oder vielen Maßnahme(n) durch standardisierte Fragebögen für die Teilnehmenden gemessen und sogar mit anderen Ergebnissen (anonym) verglichen werden. Das reicht von der Qualitätseinschätzung des Essens und der Unterkunft bis hin zur Messung der Erreichung verschiedenster pädagogischer Ziele. Vor allem der Vergleich zwischen Teilnehmendenresonanz und pädagogischen Zielsetzungen des Teams dürfte ein nicht unwesentliches Motiv sein, dieses Instrument in der Praxis von Jugendbegegnungen einzusetzen.

Wissenschaftlich fundiertes Verfahren

Dazu stellen die beiden Forscher wissenschaftlich entwickelte Items zu den verschiedensten Aspekten von Begegnungen und Freizeitenmaßnahmen zur Verfügung. Eigene Fragestellungen können selbstverständlich zusätzlich in den Erhebungsteil eingefügt und ergänzt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Je intensiver dieses Instrument benutzt wird, desto mehr (anonyme!) Daten stehen zur Auswertung und zum Längsschnittvergleich zur Verfügung. Für die Internationale Jugendarbeit und die Freizeitenveranstalter dürften die Auswertungen neue Erkenntnisse und Einsichten liefern. Wenn die Daten auch keine repräsentativen Aussagen zulassen können, so bilden sie aber insbesondere im Längsschnittvergleich Trends und Tendenzen ab. Judith Dubiski referierte einige der zahlreichen Ergebnisse aus den bisherigen teils langjährigen Auswertungen und stellte insbesondere den Betreuungsschlüssel als einen sehr wichtigen Indikator für Qualität heraus.

Mittlerweile beträgt der Datenbestand bereits mehr als 25.000 ausgefüllte Fragebögen bei stetigem Zuwachs – vermutlich der auf der Welt einzigartige und größte Datenbestand zu Jugendbegegnungen und -freizeiten. Geplant ist in Zukunft, neue Ergebnisse und herauszuhebende Erkenntnisse in den zukünftigen Datenreport zur Internationalen Jugendarbeit, der von IJAB herausgegeben wird, einfließen zu lassen.

Eine Weltpremiere: i-EVAL auf dem Smartphone

Der Präsentation der Forschungsergebnisse und –erkenntnisse schloss sich eine Weltpremiere an: Der erstmalige und gleichzeitig mehrfache Einsatz auf dem Smartphone, sozusagen eine Art Stresstest für i-EVAL. Denn neben den klassischen Papier-Fragebögen und deren einfacher Erfassung in i-EVAL ist nun auch eine komplett digitale Online-Befragung möglich.

Dazu zückten auf der Veranstaltung etwa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Smartphones und füllten testweise die Fragebögen aus. Tatsächlich verlief diese Premiere fehler- und absturzfrei. Nachdem Judith Dubiski die Befragungsphase beendete, präsentierten beide Forscher das Gruppenergebnis in Form von Tabellen und Grafiken – eine Präsentationsform, die sicherlich wegen ihrer Anschaulichkeit positive Eindrücke bei den Fördergeldgebern hinterlassen dürfte. Viel wichtiger aber: Für die Träger und Veranstalter geben diese verständlichen Vergleiche und Präsentationen wichtige Aufschlüsse und Erkenntnisse über „ihre“ Begegnungen.

Mehrsprachig einsetzbar

Die Fragebögen liegen in deutscher, englischer, französischer und polnischer Übersetzung vor. Auf der Webseite www.i-eval.eu können Träger und Veranstalter von internationalen Jugendbegegnungen das Online-Tool testen . Der offizielle Launch des Angebots ist für November 2016 geplant.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell CC BY-NC 3.0


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