No youth left behind – a bridge for inclusion

Eine strategische Partnerschaft zwischen einem anatolischen Gymnasium in der Türkei, einem erlebnispädagogisch ausgerichteten Freizeitzentrum in Mittelfinnland, der Lubliner Dependance eines außerschulischen polnischen Bildungsträgers (OHP) und der Stadtjugendpflege der Stadt Lauenburg in Schleswig-Holstein.

Gruppe von Teilnehmenden
Expert Training in Tokat im Mai 2019 BildImage: Friederike Betge

Der Beginn der internationalen Jugendarbeit im Rahmen von „Kommune goes international“ für Lauenburg bestand inhaltlich zunächst in deutsch-türkischen Austauschkontakten und einer internationalen Partnerschaft mit Organisationen in Finnland, Norwegen und Polen.
Über die Zeit merkten die Partner, dass die Arbeit mit dem Augenmerk auf Jugendliche mit weniger Möglichkeiten zu internationaler Mobilität sie verband und zu einem guten Team zusammenschweißte, das man weiter ausbauen und festigen wollte. 2015 – 2017 fand diese Arbeit zunächst im Rahmen eines Vernetzungsprojektes mit Lenkungsgruppentreffen, Fachkräftetraining und Austauschen statt.

Entstehung einer strategischen Partnerschaft

Alle Partner (leider mit Ausnahme der norwegischen Organisation) hatten Interesse an einer Verfestigung und größeren Verbindlichkeit der Kooperation. Der deutsche Partner, die Stadtjugendpflege Lauenburg/Elbe, erklärte sich bereit, die Förderung im Rahmen einer strategischen Partnerschaft bei der deutschen Nationalagentur Jugend für Europa zu beantragen. Die Europäische Union hat der Stadtjugendpflege Lauenburg/Elbe für eine strategische Partnerschaft mit Partnern in Polen, Finnland und der Türkei Mittel zur Verfügung gestellt.
Unter dem Titel „No youth left behind – a bridge for inclusion“ werden im Zeitraum vom 1.09.2017 – 31.08.2020 folgende Ziele verfolgt:

  • Benachteiligten Jugendlichen soll der Zugang zu internationaler Mobilität ermöglicht werden. Dabei sollen zumindest einige von ihnen über einen längeren Zeitraum von Beginn des Projektes an in den Aufbau, die Evaluation und die Qualitätsentwicklung der strategischen Partnerschaft mit einbezogen werden.
  • Die Jugendlichen sollen in diesem Projekt sowohl als „Langzeitteilnehmende“ wie auch als Teilnehmende an den einzelnen Jugendaustauschen ihre sozialen Kompetenzen, aber auch ihre Fähigkeiten in ELearning-Prozessen (blended mobility) sowie in Fremdsprachen erweitern.
  • Das Projekt soll zudem die Forschung über die Möglichkeiten von internationaler Jugendarbeit und ihren Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen bereichern.
  • Ergebnisse des Projektes werden in unterschiedlicher Form festgehalten und zur Verfügung gestellt: über Artikel und Forschungsberichte in einschlägigen Publikationen und auf Websites, über Videos/Filme, die teilweise von den Jugendlichen selbst hergestellt werden, über E-Plattformen und Projekt-Websites.
  • Nicht zuletzt soll die Partnerschaft zwischen den Organisationen aus den genannten Ländern (OHP aus Polen, Metsäkartano Jugendzentrum aus Finnland sowie Gazi-Osman-Pasa Lisesi aus der Türkei) gefestigt und weiterentwickelt werden.

Entwicklung und Ausgestaltung der Zusammenarbeit

Die Aktivitäten zu dieser strategischen Partnerschaft bestanden aus einem ersten Vorbereitungstreffen im Herbst 2017 in Berlin mit dem Kernteam des partnerschaftlichen Netzwerkes. Es folgten dann fünf weitere Organisationstreffen, an dreien davon wurden Jugendliche beteiligt. Die Treffen fanden rundum in den beteiligten Ländern statt und die Verantwortlichkeiten hierfür wurden verteilt.

Zwei internationale Jugendbegegnungen, in denen es um Beteiligungs- und Kennlernmethoden, zentral jedoch um den Einsatz von webbasierten Plattformen zum Austausch und zur Koordination für internationale Jugendpartnerschaften geht, fanden in Polen und Finnland statt. In zwei Trainingskursen sollten die Fachkräfte aus den Teilnehmerländern ihre Methodenkenntnisse in partizipativen Methoden internationaler Jugendarbeit sowie in ELearning-Prozessen erweitern und festigen.

Zum Abschluss wird es im Mai 2020 eine Multiplikatoren-Veranstaltung in Deutschland geben, auf der die Ergebnisse des Projektes bekannt gegeben werden. Hier soll auch dafür gesorgt werden, dass weitere Organisationen von den Ergebnissen profitieren können. Über das Netzwerk „Kommune goes international“ besteht dafür zumindest deutschlandweit eine gute Möglichkeit. Die Stadtjugendpflege arbeitet für dieses Projekt mit der Trainerin und Beraterin Julia Motta aus Berlin zusammen.

Ergebnisse aus drei Jahren strategischer Partnerschaft

Im Sommer 2019 befindet sich das Projekt nach 2 stattgefundenen Jugendbegegnungen auf dem Weg zu seinem Abschluss; es heißt, über erste Ergebnisse zu reflektieren:

  1. Dass eine Benachteiligung bei internationalen Mobilitätserfahrungen für Jugendliche, auch aus ihrem nationalen Kontext heraus, ganz unterschiedlicher Natur sein kann, macht unser internationales Projekt besonders deutlich. Zugespitzt formuliert: Benachteiligungen liegen in einem Land eher in infrastrukturellen Gegebenheiten, im anderen in den Auslandsreisemöglichkeiten an sich, im dritten in der finanziellen Ausstattung der Familie, im vierten eher in der Bildungsaffinität der Herkunftsfamilie. So ist bei den Jugendbegegnungen trotzdem eine große Unterschiedlichkeit, was Erfahrungen, Erwartungen, Haltungen, Sprachkenntnisse und auch Ängste angeht festzustellen. Am Ende jedoch sind die Jungen und Mädchen auf Jugendliche mit denselben Ängsten, Träumen und auch gleichen Interessen gestoßen; nur ist bei einigen die Gewinnspanne nach einem Austausch ungleich größer, weil es noch nie die Gelegenheit gab, auf junge Menschen in und aus anderen Ländern zu treffen.
  2. Partizipation wird von allen als großer Gewinn gesehen, die Prozesse sind natürlich nicht immer einfach und konfliktfrei. Am Ende jedoch hinterlässt die Gewissheit, von Anfang an beteiligt gewesen zu sein, bei der Ausgestaltung eines Austausches eine starke Befriedigung. Aufgabe der Betreuer ist es wahrzunehmen, inwieweit Partizipation mit den (nicht „der“) Zielgruppen jeweils so gestaltet wird, dass alle mitgenommen werden. Partizipation braucht ein breites Spektrum an Methoden. Und Partizipation braucht Zeit. Das ist auch bei der Tagesplanung in Austauschen zu berücksichtigen.
  3. Die strategische Partnerschaft mit ihren unterschiedlichen Modulen gibt auch den Fachkräften Zeit, einander besser kennenzulernen. Dies ermöglicht zum einen tieferen Einblick in die Arbeitsfelder der Teilnehmenden aus den unterschiedlichen Nationen. Zum anderen sinkt die Hemmung, sich nicht nur gegenseitig zu bestätigen, sondern auch einmal konstruktiv-kritisch zu hinterfragen und so zu einem wirklichen Austausch mit befruchtender Wirkung zu gelangen.
  4. Die Stadtjugendpflege Lauenburg hat sich auch dem europäischen Freiwilligendienst (seit 2018: Europäisches Solidaritätskorps [ESK]) für benachteiligte Jugendliche, die aus den Partnerorganisationen übermittelt werden, geöffnet und ist so auf dem Weg, ihre Angebotspalette für internationale Mobilitätserfahrungen zu erweitern.


Ganz unerwartet groß ist der Gewinn durch die Möglichkeit, Jugendliche über einen längeren Zeitraum hinweg auch grenzübergreifend „im Blick“ zu haben. Diese grenzüberschreitende Beziehungsarbeit, die so nur im Rahmen eines langfristigen Projektes möglich ist, ermutigt auch besonders benachteiligte Jugendliche zu großen und mutigen Schritten - oder kann es für die Jugendarbeit ein größeres Lob geben, als wenn scheue und unter mancherlei starken sozialen und physischen Benachteiligungen leidende Jugendliche „plötzlich“ ein Jahr lang einjährigen sozialen Dienst bei der Partnerorganisation machen möchten und dann die Arbeit mit Jugendlichen zum Beruf machen wollen?

Durch kontinuierliche und umfassende Befragungen der Teilnehmenden an allen Modulen der strategischen Partnerschaft hoffen wir auf aussagekräftige Ergebnisse, die wir beim abschließenden Multiplier Event im Frühjahr 2020 gern der fachlichen Öffentlichkeit vorstellen möchten.

Zeit, Ausdauer und Verständnis füreinander sind besonders wichtig

Was wir aus unserer bisherigen Erfahrung als koordinierende Organisation einer strategischen Partnerschaft zu bedenken geben möchten:
Die Koordination erfordert Zeit und personelle Ressourcen. Der Part, zu mahnen und zu erinnern, ist anstrengend. Verständnis für die unterschiedlichen Arbeitsweisen, - möglichkeiten und –methoden und eine gehörige Portion Beharrlichkeit und Langmut sind unabdingbar. Ebenso wichtig ist eine transparente und kontinuierliche Kommunikation mit allen Partnern, um das Gleichgewicht zu halten und die strategische Partnerschaft zum Erfolg zu führen.


Friederike Betge
Stadtjugendpflegerin der Stadt Lauenburg/Elbe



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