Kommune goes International

Netzwerktreffen 2019

Kommunen treffen sich in Bonn

In diesem Jahr war das Netzwerk Kommune goes International für sein jährliches Treffen am 13. November 2019 bei der Stadt Bonn zu Gast. Im Haus der Geschichte kamen Vertreter/-innen aus 13 Kommunen und 5 Bundesländern zusammen, um sich intensiv über den Stand der Dinge in Sachen Internationale Jugendarbeit in ihren Kommunen auszutauschen, sich Inspiration zu holen, von Erfolgen zu berichten, aber auch um Probleme zu thematisieren und gemeinsam Lösungswege zu finden.

25.11.2019 / Cathrin Piesche

Die besondere Atmosphäre, die sich bei jedem KGI-Netzwerktreffen einstellt, war auch in Bonn gleich wieder zu spüren. Das Netzwerk wächst stetig weiter, doch begegnen sich in diesem Rahmen auch immer bekannte Gesichter, die mit ihren Kommunen schon lange dabei sind. Entsprechend schnell kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander ins Gespräch. Austausch, der ein Jahr lang vor allem virtuell standfand, kann persönlich fortgesetzt werden. Haben doch alle dasselbe Ziel vor Augen: Internationale Jugendarbeit in ihrer Kommune voran zu bringen. Hier im Netzwerk sind sie keine „engagierten Einzelkämpfer“ wie oft auf lokaler Ebene, sondern Teil einer Gemeinschaft. 

Vielfalt ist bereichernd, nicht belastend

Die Begrüßung in Bonn übernahm mit Udo Stein der Leiter des Jugendamtes der Stadt und erklärte, warum Bonn sich dem Netzwerk Kommune goes International angeschlossen hat: Als ehemalige Bundeshauptstadt, aktueller Sitz vieler UN-Organisationen und internationaler Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort verfüge Bonn bereits über ein internationales, vielfältiges Klima. So prägten Menschen aus 164 Nationen heute die Stadtgesellschaft in Bonn. Der Umgang mit dieser Vielfalt der Kulturen im Stadtleben müsse allerdings gelernt werden, so Stein. Und dies nicht erst im Erwachsenenalter, sondern möglichst früh im Leben – für eine weltoffene, tolerante Gesellschaft, die Vielfalt als bereichernd und nicht belastend wahrnimmt. Aus diesem Grund freue er sich, mit Hilfe von IJAB und dem KGI-Netzwerk die Internationale Jugendarbeit in Bonn auf feste Füße zu stellen und das Bonner Entwicklungskonzept für Internationale Jugendarbeit, das bereits politisch beschlossen wurde, weiterentwickeln zu können.

Albert Klein-Reinhardt, Referent für europäische und internationale Jugendpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, betonte anschließend, dass ein gutes Zusammenspiel von Kommunen, Ländern und dem Bund immens wichtig sei, um alle jungen Menschen von den Angeboten der Internationalen Jugendarbeit profitieren zu lassen. Ein Zusammenspiel, das im KGI-Netzwerk bereits gut funktioniere, seien hier doch an diesem Tag alle drei Ebenen versammelt.

Peter Bröxkes, Abteilungsleiter für Jugendförderung im Jugendamt Bonn, schloss sich dieser Meinung an. Als Stadt mit großer gymnasialer Dichte, sei der schulische Austausch in Bonn sehr gut aufgestellt. Auch viele Anbieter individueller Austauschformate hätten hier ihren Sitz. Umso wichtiger sei es für die Stadt, durch Gruppenangebote im außerschulischen Bereich eine Chance auf internationale Austauscherfahrungen für alle jene zu schaffen, die von den schulischen oder kommerziellen Angeboten nicht profitieren könnten. Mit ihrem Entwicklungskonzept für Internationale Jugendarbeit versuche die Stadt nun, mehr Transparenz herzustellen, also die Wirkungen und Formate Internationaler Jugendarbeit bekannter zu machen. Gleichzeitig solle diese fest in der Angebotspalette der lokalen Jugendarbeit verankert werden. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen besser erreicht werden, damit sie ein kritisches Verständnis ihrer eigenen politischen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeit entwickeln können. Zudem soll der Anteil der internationalen Jugendbegegnungen mit den Mitgliedsstaaten der EU gestärkt werden. Der Entwurf des Entwicklungskonzepts, so Bröxkes, wurde in Bonn – und dies sei eine Besonderheit – gemeinsam vom Jugendhilfe-Ausschuss und dem Ausschuss für Internationales und Wissenschaft beraten und politisch beschlossen.

Freie Sessions – Themen die auf den Nägeln brennen

Vorab angemeldete oder auch spontan formulierte Themen definierten die sich anschließenden freien Sessions, zu denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Kleingruppen zusammenfanden. Die Methode der Sprachanimation in internationalen Begegnungen beispielsweise wurde Interessierten in einem kurzen Workshop mit Bettina Wissing von IJAB nähergebracht. Michelle Diederichs, ebenfalls IJAB, stellte die für 2020 geplante Jugendkampagne für den internationalen Jugendaustausch vor und tat sich hierfür mit Claudia Gerbaud von transfer e.V. zusammen. Gerbaud stellte nochmals die Zugangsstudie zum Internationalen Jugendaustausch vor, auf deren Ergebnisse die Jugendkampagne fußt. 

Spontanes Sessionthema war der „Jugendaustausch mit der Türkei“, das Peter Bröxkes initiierte, wurde in Bonn doch gerade eine für September geplante Jugendbegegnung mit Mersin 1,5 Wochen vorher durch das türkische Jugendministerium abgesagt. Gibt es ähnliche Erfahrungen in anderen Kommunen? Weitere Themen waren „Wie kann ich Städtepartnerschaften für internationale Jugendarbeit nutzen?“, „Ausgestaltung kommunaler Förderrichtlinien“ (Was fördert der Bund, was die Kommune? Wie passen europäische Förderprogramme hierein?) und „Arbeitszeiten bei Jugendbegegnungen.“

Bei der sich anschließenden kurzen Auswertungsrunde wurden besonders die Arbeitszeiten während Jugendbegegnungen diskutiert – gestaltet sich das Problem doch überall gleich, der Umgang damit allerdings höchst individuell. Eine Situation, die unangenehm sowohl für Arbeitnehmer/-innen als auch Personalabteilungen sein kann – ist man doch an die gesetzlichen Vorschriften gebunden, möchte aber gleichzeitig den Arbeitseinsatz der engagierten Jugendarbeiter/-innen würdigen. Aus dem Plenum formulierte sich hier ein konkreter Arbeitsauftrag an IJAB als Fachstelle für Internationale Jugendarbeit, das Thema weiter zu verfolgen. So könnten durch eine Befragung des Umgangs mit dieser Problematik bei den IJAB-Mitgliedern, zu denen beispielsweise auch die kommunalen Spitzenverbände gehören, Beispiele guter Praxis gefunden und weitergegeben werden. 

Workshops am Nachmittag

Nach der Mittagspause informierten sich die Netzwerker/-innen weiter über aktuelle Entwicklungen in ihrem Arbeitsfeld. Ulla Bolder-Jansen von SCI und Nicole Thönnes, ijgd, stellen in ihrem Workshop das Format Internationale Workcamps vor: Was für einen Mehrwert können internationale Workcamps für lokale Projekte und das kommunale Umfeld haben? Welche Chancen bieten sie für junge Menschen? Ihre Begeisterung für Workcamps, „ihr Workcamp-Fieber“, brachten beide Referentinnen voll rüber und wünschten sich, dass sich in Zukunft mehr Kommunen an dieses besondere Format der Internationalen Jugendarbeit herantrauen werden. Christoph Bruners, IJAB, präsentierte im zweiten Workshop ein „jugendgerechtes Beratungssystem“, welches im Rahmen der Innovationsfondprojekte des Bundes 2017-2019 zum Schwerpunkt „Mehr Austausch und Begegnung - Jugend gestaltet Information und Beratung“ mithilfe eines Planspiels entwickelt wurde. Im Workshop wurde diskutiert, ob und wie sich dieses System übertragen und für andere nutzbar machen lässt. Im Zuge des Planspiels wurde mehrere Prototypen der Beratung entwickelt, die im Frühjahr 2020 auch Thema eines eigenen Fachtags sein werden.

Ausblick

In der Abschlussrunde wurde nochmals der Mehrwert eines tatsächlichen „Realtreffens“ der Netzwerkmitglieder betont. Viele Lösungen und Ideen erhält man doch im direkten Austausch.  Themen für das nächste Netzwerktreffen dürfen gerne ab sofort bei IJAB gemeldet werden. Andrea Bruns (IJAB) kündigte auch schon eine Schulung zum Thema Qualität in Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit an, die 2020 stattfinden wird.

Eine Dokumentation des Netzwerktreffens wird zeitnah erscheinen. Hier finden Interessierte dann eine genaue Auflistung der unterschiedlichen Prototypen der Beratung aus den Innovationfondprojekten, die wichtigsten Informationen zu Workcamps als auch Ansprechpartner für Informationen zu den neuen Fördermöglichkeiten für Kommunen im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps. Bei Interesse schreiben Sie bitte an bruns(at)ijab.de.

Über das Netzwerk Kommune goes International

Das Netzwerk Kommune goes international (KGI) ist die Anlaufstelle für Kommunen, die gezielt Angebote Internationaler Jugendarbeit lokal aus- und aufbauen möchten. Erfahren sie mehr darüber!

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Ansprechpartnerinnen
Andrea Bruns
Referentin für Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-102
Elena Neu
Referentin für Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-105
Irena Shuka
Sachbearbeitung
Tel.: 0228 9506-132