Eine Gruppe junger Menschen posiert lachend vor der Kamera. Eine Gruppe junger Menschen posiert lachend vor der Kamera.
Über uns

Was ist Internationale Jugendarbeit?

Unser Arbeitsfeld

Wenn sich Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene über Ländergrenzen hinweg, freiwillig und selbstbestimmt begegnen, dabei etwas lernen und pädagogisch begleitet werden, sprechen wir von Internationaler Jugendarbeit.

Jedes Jahr gehen Zehntausende junger Menschen ins Ausland, um fremde Menschen und deren Alltag kennenzulernen, etwas gemeinsam zu unternehmen oder mit anderen in gemeinnützigen Projekten zu arbeiten. Etwa ebenso viele kommen im Gegenzug mit demselben Ziel aus dem Ausland nach Deutschland. Sie tun dies freiwillig, unentgeltlich, in ihrer Freizeit und zumeist außerhalb von Schule oder Berufsausbildung. In unterschiedlichen Formaten, wie Jugendbegegnungen, Work-Camps oder Freiwilligendiensten erwerben sie wichtige Kompetenzen, entwickeln Persönlichkeit und Selbstvertrauen, üben Toleranz und engagieren sich für andere. Verantwortungsbewusstsein und gesellschaftliche Teilhabe werden gefördert und helfen jungen Menschen ihre durch globale Einflüsse geprägte Lebenswirklichkeit zu gestalten.

Das Spektrum solcher Auslandsaufenthalte ist groß. Jugendliche und junge Erwachsene können entweder allein als Einzelperson oder in einer Gruppe teilnehmen. Bei einer Jugendbegegnungen in Polen lernen sie verstehen, wie unsere Nachbarn leben; bei einem Freiwilligendienst in Brasilien helfen sie vielleicht im Altenheim oder in einem Naturschutzprojekt und spüren, wie sie sich während des Aufenthalts selbst verändern; beim gemeinsamen Arbeiten an einem Baudenkmal lernen sie etwas über Geschichte und leisten einen Beitrag zum Erhalt des gemeinsamen Kulturerbes.

Anbieter solcher Auslandserfahrungen können Jugendorganisationen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, spezialisierte Organisationen, Kirchen oder Städte und Gemeinden sein. Finanziert werden die Angebote von der Europäischen Union, Bund, Ländern, Kommunen, bilateralen Jugendwerken und Koordinierungsstellen, Stiftungen und durch Teilnehmerbeiträge und Spenden.

Rechtliche Verankerung

Internationale Jugendarbeit gehört zur Kinder- und Jugendhilfe und ist im Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) der Bundesrepublik Deutschland gesetzlich verankert. Internationale Jugendarbeit arbeitet daher auch nach den Grundsätzen der Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist ein eigenes Feld, in dem haupt- und ehrenamtlich Engagierte Angebote für alle Jugendlichen machen – unabhängig von deren sozialem oder Bildungshintergrund. Die Angebote Internationaler Jugendarbeit orientieren sich an den Interessen und Bedürfnissen junger Menschen.

Pädagogische Begleitung

Die Angebote werden pädagogisch gestaltet und begleitet. Sie fördern die Entwicklung der Persönlichkeit, die Teilhabe an der Gesellschaft und das bürgerschaftliche Engagement. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gestalten die Aktivitäten selbstbestimmt mit, sie bringen ihre Interessen und Stärken ein, sie lernen, mit  neuen Situationen umzugehen und Verantwortung zu übernehmen.

Jugendaustausch als friedensstiftendes Moment

Aus der Konsequenz zweier Weltkriege entstand die Idee, dass internationaler Austausch und Begegnung von Jugendlichen der Aussöhnung, der Verständigung und einem positiven Bild des Nachkriegsdeutschlands dienen. Internationale Jugendarbeit will daher den Respekt vor anderen Kulturen, Einblicke in die unterschiedlichen Lebensweisen in und außerhalb Europas und die Annährung mit Menschen in Ländern, deren Bevölkerung im 2. Weltkrieg Schreckliches angetan wurde, befördern.

Diese Zielsetzungen lassen sich auch deutlich an Förderstrukturen und Organisationen ablesen. Verschiedene bilaterale Kulturabkommen legen den Jugendaustausch als ein wichtiges Instrument der Außenpolitik fest. Daneben wurden ein Deutsch-Französisches, ein Deutsch-Polnisches und ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk sowie bilaterale Koordinierungsstellen für den Jugendaustausch mit Israel, Tschechien und Russland gegründet. Diese Organisationen sollen die Begegnungen zwischen deutschen Jugendlichen und Jugendlichen aus Ländern ehemaliger Kriegsgegner fördern. Die deutsch-israelischen Koordinierungsstelle ConAct unterstützt die Kontakte zwischen jungen Deutschen und Israelis.

Wichtig ist das Prinzip der Gegenseitigkeit: Ein Jugendaustausch besteht immer aus einer Begegnung im Ausland und einer Rückbegegnung in Deutschland. Internationale Jugendarbeit ist dabei aber nicht auf den Austausch nur zweier Länder begrenzt. Es gibt auch multilaterale Angebote, bei denen Jugendliche oder Fachkräfte aus drei oder mehr Ländern zusammenkommen.

Innerhalb der Europäischen Union wird der Jugendaustausch seit Ende der 1980er Jahre besonders gefördert. 1988 beschloss der damalige Rat der Europäischen Gemeinschaft erstmals das Aktionsprogramm „Jugend für Europa“. Dessen Bedeutung nahm mit den nachfolgenden Programmgenerationen seit den 1990er Jahren zu. Heute können durch die Europäischen Programme Erasmus+ JUGEND IN AKTION und das Europäische Solidaritätskorps jährlich über 250 000 Fachkräfte und Jugendliche innerhalb der Europäischen Union an einem geförderten Projekt teilnehmen.

Die Welt besser verstehen lernen

Darüber hinaus stehen in der Internationalen Jugendarbeit das interkulturelle Lernen und der Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt im Mittelpunkt. Durch die zunehmende Globalisierung, Einwanderung und die politische und lebensweltliche Bedeutung der Europäischen Union wird es immer wichtiger, dass junge Menschen als Bürgerinnen und Bürger eines gemeinsamen Europas und einer kleiner werdenden Welt lernen, diese mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen Vorurteile hinterfragen, andere Gesellschaftsmodelle, Kulturen und Religionen verstehen und ein kritisches Verständnis der eigenen politischen, kulturellen und religiösen Wurzeln entwickeln können. Dabei lernen sie auch etwas über globale Zusammenhänge – beispielsweise über das Verhältnis der reichen und armen Länder zueinander, über nachhaltiges Wirtschaften oder über die Herkunft und Produktionsbedingungen wichtiger Rohstoffe und Lebensmittel. Junge Menschen sollen sich in einer durch Vielfalt und Internationalität geprägten Gesellschaft zurechtfinden. Sie benötigen internationale Kompetenzen für ihre persönliche Entwicklung, ihre gesellschaftliche Teilhabe und ihre beruflichen Perspektiven.

Themen, die Jugendliche bewegen

Die Themen, die in internationalen Austausch- und Begegnungsprogrammen bearbeitet werden, können sehr unterschiedlich sein und setzen an der Lebenswelt und an den Interessen junger Menschen an: Wie können Konflikte friedlich gelöst werden? Wie funktioniert die Politik in der EU oder in anderen Ländern? Welche kulturellen Vorlieben und Ausdrucksmittel haben andere Menschen? Warum sieht mein Nachbar die Geschichte anders als ich und wie können wir an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten? Theater, Sport, Musik, Tanz, Videos, Fotografie, Politik, Geschichte, Umwelt und Beteiligung geben Anlässe für Diskussionen, Planspiele, gemeinsame Projekte, kulturelle Aktivitäten oder Medienarbeit. Egal, was es ist, es darf und soll Spaß machen und bietet immer Stoff für gemeinsame und individuelle Erfahrungen.

An wen richtet sich Internationale Jugendarbeit?

Die meisten Angebote der Internationalen Jugendarbeit richten sich an Jugendliche im Alter von 12 bis 30 Jahren, da die entsprechenden Förderprogramme auf sie zugeschnitten sind. Es werden aber auch Angebote für Kinder immer beliebter, vor allem im grenznahen Austausch. Internationale Jugendarbeit richtet sich grundsätzlich an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Bildung.

Daneben gibt es den Fachaustausch für den gesamten Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Dabei treffen sich Fachkräfte aus einem Arbeitsbereich, um sich über Bedingungen, Konzepte und Methoden ihrer Arbeit auszutauschen  So können sich deutsche Streetworker mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Finnland austauschen oder Mitarbeiter einer Kindertagesstätte teilen ihre Erfahrungen mit Kolleginnen aus Frankreich. Die internationale Öffnung von Stadtverwaltungen, Vereinen und Verbänden zählt zur Organisationsentwicklung, die von vielen in einem zusammenwachsenden Europa und in einer globalisierten Welt als Bereicherung wahrgenommen wird.

Mäuse, Knete und Moneten: Die Finanzierung

Internationale Jugendarbeit kostet Geld. Zum Glück sind auch Politikerinnen und Politiker von der Wichtigkeit Internationaler Jugendarbeit überzeugt. Deswegen gibt es viele „Fördertöpfe“, aus denen internationale Maßnahmen gefördert werden.

Die Förderung in Deutschland und Europa lässt sich in drei Bereiche unterteilen. Unter „der öffentlichen Hand“ versteht man öffentliche Förderprogramme oder finanzielle Zuschüsse durch die Europäische Union, die Bundesregierung, die Regierungen der Bundesländer, durch die Kommunen und die Jugendwerke. Hinzu kommen öffentlich-rechtliche Stiftungen. „Die private Hand“ beschreibt die Förderung durch private Stiftungen, Spender und Sponsoren. „Die eigene Hand“ meint das Aufbringen von Finanzmitteln durch Aktivitäten der Projektträger, z.B. Teilnehmerbeiträge oder andere Einnahmen.

Die größten auf Dauer angelegten Förderprogramme für Internationale Jugendarbeit sind der Kinder- und Jugendplan des Bundes und das EU-Programm Erasmus+ JUGEND in Aktion.

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