Dorothea Wünsch

Bilaterale Fachgespräche mit China ergeben neue Themenschwerpunkte

Vom 4. bis zum 7. März 2013 fanden die diesjährigen Deutsch-Chinesischen Fachgespräche zwischen dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Allchinesischen Jugendverband (ACYF) in Leipzig statt.

Projektbesuch in der Produktionsschule „SCHAUPLATZ“
Deutsch-chinesische Fachgespräche in Leipzig: Projektbesuch in der Produktionsschule „SCHAUPLATZ“ BildImage: Dorothea Wünsch

In offener Gesprächsatmosphäre entwickelte sich sowohl ein informativer Austausch über aktuelle Schwerpunkte und Entwicklungen in der Jugendpolitik als auch eine konstruktive Diskussion über zukünftige Aktivitäten in der Zusammenarbeit zur weiteren Unterstützung und Verstetigung von Trägeraktivitäten statt. Die chinesische Seite betonte das große Interesse an der bilateralen jugendpolitischen Zusammenarbeit mit Deutschland und an einem intensiven fachlichen Austausch. Die Ergebnisse der bilateralen Gespräche wurden in einem Protokoll festgehalten.

IJAB wird auf Basis der Protokollvereinbarung 2013 zwei themenorientierte Fachkräfteprogramme durchführen:

  • im September 2013 in Deutschland zum Thema „Kooperation der schulischen und außerschulischen Jugendbildung“,
  • im Oktober 2013 in China zum Thema „Soziale Integration benachteiligter Jugendlicher“.

Für 2014 wurde eine Partnerkonferenz in China vereinbart.

Die gewählten Themen haben vor dem Hintergrund der Entwicklung der chinesischen Gesellschaft eine besondere Bedeutung. Seit 2011 ist die Urbanisierung und Integration von Kindern und Jugendlichen aus ländlichen Gebieten in die städtische Gesellschaft ein Schwerpunktthema in der Arbeit des Allchinesischen Jugendverbandes (ACYF). Während zunächst insbesondere die Bemühungen um die Sicherstellung des Zugangs zu Bildung und Sozialleistungen in den städtischen Strukturen im Vordergrund standen, liegt der Schwerpunkt nun zunehmend im Bereich des Ausbaus des Kultur- und Freizeitangebots für junge Menschen sowie auf der sozialen Seite der Bildung. Bislang wurde in China wenig Wert auf außerschulische Aktivitäten gelegt. Für Freizeitaktivitäten gibt es festgelegte Zeiten. Viele Schulen sind aber überlastet. Der Ausbau des außerschulischen Angebots steht daher zunehmend im Fokus u.a. auch um junge Menschen zu motivieren, Verantwortung zu übernehmen. Viele Jugendliche wissen nicht, welchen Beitrag sie in der Gesellschaft leisten können.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt in der Arbeit des ACYF ist das Thema „Jugend und Beschäftigung“. Jugendliche und junge Erwachsene unter 35 Jahre sind besonders betroffen von Arbeitslosigkeit. Die chinesische Regierung will bis 2015 45 Mio. neue Jobs in den Städten und 40 Mio. auf dem Land schaffen, insbesondere um der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken.

Die Hälfte aller Schüler/-innen bekommen einen Studienplatz an einer Universität oder Fachhochschule. Aber mehr als ein Drittel der rund 6,5 Mio. Universitätsabsolvent(inn)en fanden 2012 keinen Arbeitsplatz. Arbeitslosigkeit ist also nicht nur ein Problem von schlechter qualifizierten Jugendlichen, sondern zunehmend auch von Hochschulabsolvent(inn)en. Aufgrund der dramatischen Situation für Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt ist der Bereich „Jugend und Beschäftigung“ von besonderem Interesse. Dabei stehen die Förderung von Jungunternehmertum durch Kompetenztraining und Bereitstellung von Gründungskapital sowie die Einrichtungen von Praktikumsstellen ebenso auf der Agenda wie Qualifizierung von Jugendlichen in ländlichen Regionen.

Aufgrund der aktuellen Relevanz der Thematik wurde zum Abschluss des Aufenthaltes der chinesischen Gäste in Zusammenarbeit mit den Ansprechpartnern der Initiative „Kommune Goes International“ im Jugendamt der Stadt Leipzig ein Fachgespräche mit anschließendem Projektbesuch in der Produktionsschule „SCHAUPLATZ“ organisiert.

Nach dem offiziellen Empfang im Rathaus durch Prof. Fabian, dem Bürgermeister und Beigeordneten für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule der Stadt Leipzig und einem einführenden Vortrag zur Jugendhilfe in Leipzig, hatten die Teilnehmenden der bilateralen Fachgespräche Gelegenheit sich vor Ort mit Pädagog(inn)en und Jugendlichen über Chancen der Produktionsschule zur Förderung der beruflichen Integration von jungen Menschen zu diskutieren. Die Produktionsschule „SCHAUPLATZ“ bietet Jugendlichen im Alter von 18 bis 25 Jahren die Möglichkeit, sich eine neue Perspektive zu erarbeiten. Ziel ist es, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Leipzig zu senken und die Jugendlichen in der maximalen Verweildauer von einem Jahr auf die Aufnahme einer Ausbildung oder Arbeit vorzubereiten.

Ein weiteres Programmelement während der bilateralen Fachgespräche war auf Wunsch der chinesischen Seite das Thema der Evaluation und Wirkung von Maßnahmen des internationalen Jugendaustausches. Aus diesem Anlass hat Dr. Wolfgang Ilg, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Tübingen, die Ergebnisse seiner Studie „Begegnung schafft Perspektiven - Empirische Einblicke in internationale Jugendbegegnungen“ vorgestellt und mit den chinesischen Gästen diskutiert. Die chinesische Seite zeigte sich interessiert an den empirischen Methoden. Derartige wissenschaftliche Forschung ist in China noch nicht etabliert.



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