Dorothea Wünsch

Die Kooperation von schulischer und außerschulischer Jugendbildung stand im Fokus des deutsch-chinesischen Fachaustausches

Vom 9. bis zum 12. September besuchten sechs chinesische Repräsentant(inn)en von Jugendverbänden und Jugendeinrichtungen Deutschland, um mit deutschen Kolleg(inn)en über die Gestaltung der Zusammenarbeit von außerschulischen Akteuren mit Schule in den Austausch zu treten.

Deutsch-chinesischer Workshop in der Jugendkunstschule Pankow
Deutsch-chinesischer Workshop in der Jugendkunstschule Pankow BildImage: Dorothea Wünsch

Die Durchführung des Fachprogramms wurde im Rahmen der bilateralen Fachgespräche zwischen dem Allchinesischen Jugendverband (ACYF) und dem Bundesjugendministerium vereinbart. Durch die Begegnung von Fachkräften und die spezifische Behandlung aktueller Schwerpunkt soll die noch verhältnismäßig junge jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China weiter vertieft und verstetigt werden.

Das Thema Kooperation zwischen schulischer und außerschulischer Jugendbildungv ist in beiden Ländern von besonderer Relevanz. In China wird der Alltag von Kindern und Jugendlichen durch den Besuch von Ganztagsschulen strukturiert und bietet wenig Zeit für außerschulische Angebote. Viele Schulen bieten am Nachmittag und an den freien Tagen ein breites Spektrum an außerunterrichtliche Aktivitäten an, bei denen u. a. auch ehrenamtlich engagierte Studierende eingebunden werden. Die Schulen sind jedoch teilweise überlastet. Die Kooperation mit außerschulischen Bildungsangeboten wird daher in China zunehmend zu einem Schwerpunktthema. So sind in den Jahren 2012 und 2013 die Themen „Kultur und Freizeitangebote für junge Menschen“ sowie „Soziale Bildung“ in den Fokus der Arbeit des ACYF gerückt.

Insbesondere die Jugendpaläste spielen aktuell eine wichtige Rolle bei der Organisation von außerschulischen Aktivitäten im Bereich Kunst, Musik, Literatur und Sport, vor allem an den Wochenenden und in den Ferien. Zu den vom ACYF betriebenen Einrichtungen gehören etwa 6.000 Jugendpaläste, 1.800 städtische und 4.000 kommunale Jugendzentren, die Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten und gleichzeitig mit ihren Angeboten die Entwicklung gesellschaftlicher Werte, die Erziehung und die kulturelle Bildung fördern. In den Städten entstehen riesige und moderne Komplexe. Ebenso bieten auch kommerzielle Organisationen in den Ferien bzw. an den Wochenenden Sommer- und Winter-Camps sowie Nachhilfekurse und Hausaufgabenbetreuung an.

Mit großem Interesse haben die chinesischen Gäste die aktuellen Entwicklungen in Deutschland wahrgenommen. Zum Programmauftakt in Kiel stand die Zusammenarbeit im Kontext von Schule im Fokus. Am Beispiel der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg und der Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendhaus Schönberg wurde die Kooperation von schulischer und außerschulischer Jugendbildung in Anwesenheit der relevanten Akteure von Schule, Schulamt, Jugendhaus und Jugendamt vor Ort vorgestellt und diskutiert. Programmpartner in Kiel war das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein.

Im zweiten Programmteil in Berlin standen die Kooperationen der vielfältigen Akteure auf kommunaler Ebene im Vordergrund. Zum Auftakt besuchten die chinesischen Gäste das FEZ - Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Berlin. Den Abschluss des Aufenthaltes bildete ein deutsch-chinesischer Workshop, der sich intensiv mit dem Programmthema „Kooperation der schulischen und außerschulischen Jugendbildung“ befasste. Auf dem Programm standen u. a. Beiträge von Kolleg(inn)en der Sportjugend Berlin aus der verbandlichen Perspektive, der Jugendkunstschule Pankow als Einrichtung der kulturellen Jugendbildung sowie vom Jugendamt in Steglitz-Zehlendorf mit der Koordinationsstelle Schule-Jugendhilfe für den Bezirk.

Auch wenn sich die Rahmenbedingungen und Strukturen sehr unterscheiden, so ist das Thema „Kooperation der schulischen und außerschulischen Jugendbildung“ sowohl in China als auch in Deutschland von großer Bedeutung, was den Austausch so bedeutsam macht. Die chinesischen Fachkräfte waren beeindruckt, welch wichtige Rolle Kinder und Jugendliche in allen Teilen der Gesellschaft spielen. Der Bereich der

Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, so die chinesischen Gäste, ist gekennzeichnet durch eine hohe Professionalität und Fachlichkeit sowie durch eine klare Aufgabenverteilung zwischen Bund, Land und Kommunen. Die Jugendarbeit in Deutschland ist ihrer Meinung nach nicht nur auf hohem fachlichem Niveau, sondern auch sehr kreativ und zeigt viel Wertschätzung für das Individuum. Mit ihrer Vielfalt an Angeboten und Trägern fördert die Jugendarbeit in Deutschland ganz besonders die Initiative und Kreativität der Kinder. Die chinesischen Gäste haben die Zusammenarbeit zwischen schulischer und außerschulischer Jugendbildung in Deutschland als sehr transparent und ausgereift mit (gesetzlich) verankerten Mechanismen zur Kooperation wahrgenommen.

Der deutsch-chinesische Workshop zum Abschluss des Aufenthaltes in Berlin bot eine gute Gelegenheit, die Diskussionen zwischen deutschen und chinesischen Akteuren der Jugendarbeit weiter zu vertiefen und über den fachlichen Austausch neue Kontakte zu ermöglichen. Durch die Einladung der interessierten Fachöffentlichkeit und Öffnung des Workshops wurde auch sichtbar gemacht, was in der jugendpolitischen Zusammenarbeit mit China passiert. Sowohl für die deutsche als auch für die chinesische Seite haben sich interessante Impulse und Anknüpfungspunkte für zukünftige Aktivitäten im eigenen Arbeitskontext und für den internationalen Austausch ergeben. Die für 2014 geplante 3. Deutsch-Chinesische Partnerkonferenz bietet eine gute Möglichkeit die deutsch-chinesischen Kontakte weiter zu vertiefen.



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