Daniel Poli

Jugendpartizipation in der digitalisierten Welt – ihre Herausforderungen und Auswirkungen. Ergebnisse eines europäischen Symposiums

Vom 14.-16. September 2015 veranstaltete die „Jugendpartnerschaft zwischen der Europäischen Kommission und dem Europarat“ das „Symposium on youth participation in the digitalised world“ in Budapest.

Diskutiert wurden vor dem Hintergrund einer voranschreitenden Digitalisierung unserer Lebenswelt die Herausforderungen für die Bildung, Ökonomie und Arbeitswelt sowie ihre Auswirkungen auf Demokratie und politische Partizipation. Im Kontext wachsender politischer und sozialer Extreme in Europa reflektierte das Symposium gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Politik und Praxis Jugendpartizipation im Kontext der bestehenden demokratischen Systeme. Es wurden die Chancen und Risiken der digitalen Entwicklungen unter die Lupe genommen, Bedürfnisse und Ansprüche junger Menschen identifiziert und neue Tendenzen aufgezeigt, die durch Praxisbeispiele und aktuelle Forschungsergebnisse untermauert wurden.

Zentraler Stellenwert von Jugendpartizipation

Die Generaldirektorin für Demokratie des Europarates, Snežana Samardžić-Marković eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, und László Szabó, Staatssekretär und Vizeminister im ungarischen Amt für Äußeres und Außenhandel. Dabei wurde der zentrale Stellenwert von Jugendpartizipation für die Fortentwicklung von Demokratie in Europa herausgestellt. Samardžić-Marković betonte in ihrer Begrüßungsrede, dass es für den Europarat wichtig sei, für alle jungen Menschen ein würdiges und sicheres Leben in Europa zu garantieren und das Recht auf Mitbestimmung zu stärken. Dabei nahm sie auch diejenigen jungen Menschen in den Blick, die vor Krieg und Katastrophe nach Europa flüchten mussten: „Jedem Menschen, der auf das Hoheitsgebiet der 47 Mitgliedsstaaten des Europarates gelangt, stehen die in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerten Grundrechte zu; davon darf nicht abgewichen werden“. Die Veranstaltung steht in der Nachfolge des „World Forum for Democracy“, die Erfahrungen aus “No Hate Speech Campaign” des Europarates sowie die Ergebnisse der Studie “Youth Participation in Democratic Life” der Europäischen Kommission aufnimmt und weiterentwickelt.

Kernaussagen und Empfehlungen zur Jugendpartizipation

In Form von sogenannten Labs wurden die verschiedenen Dimensionen des Themenspektrums diskutiert und zum Ende als Kernaussagen und Empfehlungen zusammengefasst. Diese sollen, so Karin Lopatta-Loibl von der Europäischen Kommission in ihrem Abschlussstatement, jungen Menschen im Rahmen des Europäischen Jugendportals zur Diskussion gestellt werden:

  • Alle Formen der Partizipation von Jugendlichen, on- und offline, konventionelle und unkonventionelle, neue und alte Formen sollen in allen in allen Lebensbereichen gestärkt werden um Demokratie und aktive Bürgerschaft zu fördern.

  • Es sollten Blended-Learning-Konzepte entwickelt werden, die sowohl formale als auch nicht -formale und informelle Methoden aufnehmen sowie mit einer Vielzahl von digitalen und traditionellen Werkzeugen die ganzheitliche Bildung Jugendlicher in den Blick nehmen.

  • Alle jungen Menschen einschließlich marginalisierte und schwer zu erreichende Jugendliche sollen angesprochen werden, um Solidarität, Nichtdiskriminierung, sozialen Zusammenhalt und Integration zu stärken.

  • Gegenseitige Achtung, Verständnis und das Lernen der Jugendlichen miteinander soll junge Menschen unterstützen, das Internet proaktiv zu nutzen und für einen kritischen Verbraucherschutz zu sensibilisieren.  

  • Demokratische Strukturen sollen gestärkt werden, indem flache Hierarchien in Bildung, Ausbildung, Arbeitsleben als auch im politischen Gemeinwesen den Dialog zwischen jungen Menschen und Entscheidungsträger(inne)n gewährleisten.

  • Jugendarbeit wird mehr und mehr die Rolle zukommen, junge Menschen dabei zu unterstützen, die Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu meistern. Dafür müssen Wissenslücken identifiziert und erforscht und entsprechende systematische und kohärente jugendpolitische Ansätze entwickelt werden.

Beitrag von IJAB und JUGEND für Europa

Einen zentralen inhaltlichen Beitrag zum Symposium leisteten Jochen Butt-Posnik (JUGEND für Europa) und Daniel Poli (IJAB), die zum Thema "Thinking Online- & Offline-Participation together" einen gemeinsamen Workshop anboten, basierend auf den Erkenntnissen aus den vergangenen Mulilateralen Kooperationsprojekten "youthpart" und "Partizipation junger Menschen". Darüber hinaus wurde das von IJAB mitgetragene Projekt „EUth Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe” vorgestellt und vor allem die Softwaremöglichkeiten für politische Partizipation in den Mittelpunkt gestellt.

Neben den vor Ort stattgefundenen Diskussionen gab es auch eine breite digitale Beteiligung an der Tagung, die hier zusammengefasst wurde: https://storify.com/hanganuandreea/symposium-for-youth-participation-in-a-digitalized

Abschlusspodium

Zusammenfassend gab es beim Abschlusspodium, an dem Karin Lopatta-Loibl von der Europäischen Kommission, Antje Rothemund vom Europarat, Marine Manucharyan vom Advisory Council of Youth, Jan Vanhee, Vertreter der Youth Working Party aus Belgien, Ida Birkvad als Vertreterin des Europäischen Jugendforums und Manfred Zentner aus dem Pool der Europäischen Jugendforscher gemeinsam mit Hanjo Schild vom EU-CoE youth partnership teilnahmen, die Zustimmung zur These, dass Jugendpartizipation im digitalen Zeitalter ein integraler Bestandteil von good governance im 21. Jahrhundert sei.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


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