Natali Petala-Weber

Die Arbeitsgruppe Sprachanimation im deutsch-griechischen Jugendaustausch

Sebastian Maass vom interkulturellen netzwerk e.V. leitet gemeinsam mit Elżbieta Kosek von der Kreisau-Initiative e.V. die Arbeitsgruppe Sprachanimation im deutsch-griechischen Jugendaustausch. In einem Interview berichtet Sebastian Maass über die Ziele, Möglichkeiten und Herausforderungen einer Sprachanimation für den deutsch-griechischen Jugendaustausch.

Handgezeichnete Portraits hängen an einer Wand.
BildImage: IJAB


Sebastian Maas, Bild: privat

Sebastian Maass arbeitet als Geschäftsführer und Pädagogischer Mitarbeiter DFJW für das Interkulturelle Netzwerk e.V. in Neuruppin. Er ist verantwortlich für die Durchführung interkultureller Aus- und Fortbildungsmaßnahmen im Bereich der Interkulturellen Pädagogik und Sprachanimation. Zudem leitet er eine Zentralstelle und berät Träger bei der Konzeption, Durchführung und Abrechnung von internationalen Begegnungen.

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Natali Petala-Weber: Herr Maass, im September 2017 haben Sie bereits am Fachprogramm Sprachanimation im deutsch-griechischen Jugendaustausch  gemeinsam mit anderen Vertreter(inne)n der Zivilgesellschaft in Deutschland und Griechenland und der beiden Regierungen teilgenommen. Welche Impulse haben Sie aus diesem Fachprogramm mitgenommen?

Sebastian Maass: Im Rahmen des Deutsch-Französischen Jugendwerkes arbeiten wir seit vielen Jahren mit der Methode der Sprachanimation. Sie ist inzwischen Standard bei vielen bi- und trinationalen Jugendbegegnungen und Fortbildungsprogrammen die die Partnervereine anbieten. Besonders spannend fand ich die Herangehensweise des Fachprogramms sich die verschiedenen Ansätze und Konzepte zur Sprachanimation auch von Tandem und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk anzusehen um danach gemeinsam eine Strategie auch für das Deutsch-Griechische Jugendwerk zu diskutieren. Ich war beindruckt von der hohen Motivation der Anwesenden diese Methode als Beitrag zur Qualitätsentwicklung voranzutreiben.

Natali Petala-Weber: Die Ergebnisse des Fachprogramms im September 2017 sind in die AG Sprachanimation im deutsch-griechischen Jugendaustausch eingeflossen, die Sie gemeinsam mit Elżbieta Kosek von der Kreisau-Initiative e.V. geleitet haben. Was hat sich im Rahmen dieser AG entwickelt?

Sebastian Maass: Zunächst mussten wir uns auf eine gemeinsame Vorgehensweise zum Umgang mit Sprache einigen. Sprachanimation ist nicht nur eine Sammlung von Methoden sondern eine Haltung der Anleitenden zum Umgang mit Sprache im interkulturellen Bereich. Wir gehen davon aus, dass alle Anwesenden einer deutsch-griechischen Begegnung grundsätzlich gleichwertig sind und immer die Möglichkeit haben müssen sich in ihrer Muttersprache ausdrücken zu können. Dafür müssen Seminaranbieter für hochwertige Übersetzung sorgen, gleichzeitig müssen wir aber auch die Teilnehmenden befähigen miteinander zu kommunizieren. Dies zu unterstützen ist die Aufgabe der Sprachanimation. Denn über die Sprache verstehen wir auch ein Stück der anderen Kultur.

Natali Petala-Weber: Gibt es Besonderheiten im deutsch-griechischen Kontext, die es bezüglich Sprachanimation zu beachten gilt? Wie werden diese in der AG aufgegriffen?

Sebastian Maass: Leider können wir im Unterschied etwa zum deutsch-französischen Kontext kaum Sprachkenntnisse von Jugendlichen in der Partnersprache voraussetzen bzw. die griechischen Jugendlichen lernen nicht selten Deutsch in der Schule, während es andersrum nicht so ist. Auch das Schriftbild unterscheidet sich. Aus diesem Grund haben wir im ersten Teil der AG Sprachanimation nicht nur Grundlagen der Methode in den Bereichen Abbau von Hemmungen, Spracherwerb und Systematisierung vermittelt sondern auch neue Übungen entworfen, die auf diese Spezifika eingehen. Ziel des Konzepts ist es, den Teilnehmenden ihre Sprachangst zu nehmen und die Kommunikationsfähigkeiten zu fördern.

Natali Petala-Weber: Als pädagogischer Mitarbeiter des Deutsch-Französischen Jugendwerks sind Sie unter anderem aktiv in der Ausbildung und Weiterentwicklung der Sprachanimation für den deutsch-französischen Austausch. Mit diesem Erfahrungsschatz: Was würden Sie sich für die Weiterentwicklung der Sprachanimation im deutsch-griechischen Kontext wünschen?

Sebastian Maass: Ich würde es begrüßen, wenn wir darauf hinarbeiten, mittelfristig auch im deutsch-griechischen Jugendaustausch eine tägliche Sprachanimation als festen Bestandteil der Programmplanung vorauszusetzen. Ich kann mir vorstellen, dass wir in der nächsten Zeit in der AG Sprachanimation ein Handbuch entwickeln, in dem wir die Ergebnisse der gemeinsamen Methodenentwicklung beschreiben. Auch wird es nötig sein, die Akteure der Maßnahmen, also die Jugendarbeiter/-innen und Lehrer/-innen in deutsch-griechischen Begegnungssituationen fortzubilden. Sprachanimation ist kein schwieriges Konzept und viele bekannte pädagogische Ansätze lassen sich relativ einfach um die Sprachkomponente erweitern.

Natali Petala-Weber: Das interkulturelle netzwerk e.V. bietet nun auch diesen Sommer eine trilaterale Ausbildung Sprachanimation deutsch-griechisch-französisch an. Was ist der Mehrwert von trilateralen Maßnahmen in diesem Kontext?

Sebastian Maass: Im Rahmen des Deutsch-Französischen Jugendwerkes können wir trinationale Programme anbieten, auch in diesen Kontexten führen wir immer tägliche Sprachanimationsübungen durch. In unseren Maßnahmen nehmen heute Jugendliche mit sehr unterschiedlichen muttersprachlichen Voraussetzungen und fremdsprachlichen Kompetenzen teil. Wir arbeiten nicht mehr Deutsch-Französisch oder Deutsch-Griechisch sondern wir bewegen uns in plurilingualen Situationen, in denen wir Mittel finden wollen die Sprachen aller Anwesenden wertzuschätzen. Dies ist Teil unserer Lebensrealität und besonders spannend in pädagogisch betreuten Begegnungen zu erlernen.  Gerade in einem trinationalen Kontext werden die Teilnehmenden besonders für diese Situation geschult.

Natali Petala-Weber: Gibt es bald einen Pool von Sprachanimateur(inn)en für den deutsch-griechischen Jugendaustausch?

Sebastian Maass: Ich hoffe es! Wir haben in der AG Sprachanimation sehr kompetente und engagierte Multiplikator(inn)en fortgebildet die in diesem Sommer Sprachanimation in deutsch-griechischen Begegnungen in der Praxis ausprobieren werden. Im November wollen wir die Erfahrungen auswerten und auf dieser Basis weitere Methoden entwickeln und verschriftlichen. Wenn möglich werden wir 2019 einen weiteren Ausbildungszyklus starten, um noch mehr kompetente Personen zu erreichen. Es wäre wünschenswert mittelfristig einen Pool von erfahrenen Menschen bilden zu können, die die Methode weiterentwickeln und multiplizieren.

Natali Petala-Weber: Das interkulturelle netzwerk e.V. ist im Jugendaustausch mit Griechenland auch über die Sprachanimation hinaus aktiv. Welche Aktivitäten haben Sie durchgeführt? Was planen Sie für die Zukunft?

Sebastian Maass: Wir sind seit vielen Jahren mit Partnern von der Insel Samothraki verbunden, mit denen wir Fortbildungsseminare und Workcamps durchführen. Auch mit Arpeggio aus Thessaloniki verbindet uns eine lange Partnerschaft, wir veranstalten beispielsweise in diesem Jahr mit dem französischen Träger Gwennili aus der Bretagne gemeinsam einen Fachkräfteaustausch auf Lesbos und setzen uns mit Konzepten der Arbeit mit geflüchteten Menschen in den drei Ländern auseinander.

Griechenland ist für uns ein wichtiges Partnerland und wir wollen uns in Zukunft auch mit den Themen Geschichte und Politische Bildung auseinandersetzen. Vom deutsch-französischen Vorbild können wir lernen, dass es grundlegend ist, die Vergangenheit zu bearbeiten, um eine gemeinsame europäische Perspektive zu entwickeln. Ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk kann helfen Teamerinnen und Teamer auszubilden die Methoden der interkulturellen Pädagogik und der Friedensarbeit in unsere Gesellschaften verbreiten und um gegen populistische Tendenzen zu kämpfen. Ohne einen direkten ehrlichen Kontakt auf Augenhöhe kann Verständigung nicht funktionieren.

Natali Petala-Weber: Vielen Dank!



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