Maria Birkmeir

Efcharistó, Griechenland

Von Krisenstimmung ist hier nichts zu bemerken: Im deutsch-griechischen Austausch arbeiten Schulen engagiert an gemeinsamen Projekten, wie der Beitrag des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz zeigt.

Sieben junge Menschen schauen in die Kamera
Warum ist der Himmel tagsüber blau? Das fragte sich kulturweit-Freiwillige Natalie Föth mit ihrer Projektgruppe BildImage: PAD


Bild: KMK/PAD

Maria Birkmeir arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit im Referat VA2 Öffentlichkeitsarbeit / eTwinning des PAD.

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Pythagoras an der Ostsee

Der junge Maler Dimitri stürzt sich ins Meer, wild entschlossen, nach Kreta zu schwimmen, um dort den berühmten Pythagoras zu treffen, von dem er sich die Lösung für eine kniffelige geometrische Aufgabe erhofft. Der leidvolle Gesichtsausdruck des jungen Mannes im weißen Gewand, der in dem Video durch die Wellen watet, verrät allerdings, dass es sich gar nicht um das warme Mittelmeer handelt. Und tatsächlich: Gedreht wurde der Clip an der Ostsee, von Schülern und Schülerinnen der 11. Klasse der Jungmannschule Eckernförde (Schleswig-Holstein). Zusammen mit ihrer Mathematiklehrerin Kerstin Mrotz haben sie eine Übungseinheit zum Satz des Pythagoras für ihre griechische Partnerklasse vorbereitet. Der kurze Film dient als humorvoller Einstieg.
Entstanden ist der Clip im Rahmen des eTwinning-Projekts »Learn2Teach – Teach2Learn«, das die Eckernförder mit der Alikianos High School auf Kreta durchgeführt haben. Stylianos Stavgiannoudakis, der dort Physik unterrichtet, ist einer von über 20.000 griechischen Lehrkräften, die sich auf der Onlineplattform mit Kolleginnen und Kollegen aus Europa vernetzen. »Stylianos und ich haben uns auf einer Erasmus+ Fortbildung in Helsinki kennengelernt und dort gemeinsam die Projektidee entwickelt«, erzählt Kerstin Mrotz. Von Anfang an sei ihnen klar gewesen, dass eTwinning dafür die richtige Plattform ist. »Durch die Fortbildung hatten wir außerdem viel über Apps und Programme gelernt, was wir unseren Schülerinnen und Schülern zeigen konnten. Das war sehr motivierend«, sagt sie. Da während der Vorbereitung aufs Abitur jede Woche nur eine Stunde Zeit für Projektarbeit im Unterricht blieb, gestalteten die Jugendlichen zahlreiche Lehrmaterialien für ihre Partnerklasse selbstständig. Kerstin Mrotz sieht darin keinen Nachteil: »Meine Schülerinnen und Schüler fanden es toll, dass sie so viel Freiheiten hatten. Sie waren begeistert bei der Sache.«

Berufschancen in Europa entdecken

»Was erwartet mich auf dem Arbeitsmarkt«, fragen sich viele junge Menschen in Europa. Antworten darauf sollten Schülerinnen und Schüler der Realschule am Goldberg in Sindelfingen (Baden-Württemberg) in dem Erasmus+ Projekt »Unsere Chancen in Europa« mit Partnern in Norwegen, Italien, Litauen und Griechenland erhalten. Zu den Initiatorinnen gehörte die Lehrerin Gabriele Vorreiter. Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen und Schnupper-Tage in Unternehmen haben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in den europäischen Ländern organisiert. Zehn ihrer Schülerinnen konnten im April 2017 zum Abschluss des produktiven dreijährigen Austauschs die Moraitis-Schule in Athen besuchen. Für die Jugendlichen sei das Projekt eine große Chance gewesen, erzählt Gabriele Vorreiter: »Wir haben hier in Sindelfingen die Automobilindustrie, viele unserer Schüler werden später vielleicht ohnehin mal ins Ausland geschickt. Im Rahmen des Erasmus+ Projekts können wir sie jetzt schon darauf vorbereiten. Die Jugendlichen bemerken dabei auch, dass es gar nicht so schwer ist, sich auf Englisch zu verständigen. Das ist für viele eine wichtige Erfahrung.« Beeindruckt waren die Sindelfinger zudem von den Sprachkenntnissen der griechischen Schülerinnen und Schüler: »Die sind richtig gut in Deutsch und sprechen auch super Englisch«. Auch wenn das Erasmus+ Projekt im vorerst beendet ist, so wollen die Lehrkräfte untereinander auf jeden Fall in Kontakt bleiben.

Weitere Informationen www.erasmusplus-unsere-chancen-in-europa.eu

Warum ist der Himmel blau?

Der Austausch zwischen deutschen und griechischen Schulen verdankt sich allerdings nicht nur engagierten Lehrkräften, sondern auch jungen Freiwilligen des Programms »kulturweit«. Eine davon ist Natalie Föth aus dem Marburg-Biedenkopf-Kreis (Hessen). Gleich nach dem Abitur ging die 19-Jährige wieder in die Schule ‒ diesmal in Pallini, einem Vorort von Athen. Von September 2016 an unterstützte sie die Deutschlehrkräfte an der Schule. Ein Jahr lang half sie an der Ellinogermaniki Agogi Schule im Deutschunterricht mit und stellte zusammen mit sechs Schülerinnen und Schülern der 10.Klasse ein Projekt auf die Beine: Auf der Internetseite der Initiative »Schulen: Partner der Zukunft« (PASCH) stieß sie auf die Ausschreibung zu einem Wettbewerb. Die Aufgabe bestand darin, ein Video über ein alltägliches Phänomen zu drehen, hinter welchem eine biologische, mathematische, chemische oder physikalische Erklärung steckt. »Das Videoprojekt war mein erstes eigenes Projekt an der Schule und es hat großen Spaß gemacht, weil ich auch in meiner Freizeit in Deutschland gerne mit Jugendgruppen zusammenarbeite«, erinnert sie sich. »Es kamen viele Ideen zusammen und am Ende entschieden wir uns dafür, mit einem Stopp-Motion-Video der Frage nachzugehen, warum der Himmel blau ist«. Dafür trafen sich Natalie und ihre Projektgruppe außerhalb des Unterrichts in den Pausen. »Einige Schülerinnen und Schüler kümmerten sich bei diesen Treffen um die Bastelarbeit und die anderen darum, dass der Text für das Video aufgenommen wurde. Als die Figuren und Requisiten soweit fertig waren, setzten wir die Szenen zusammen und schossen ein Foto davon. Für die Aufnahmen und die Fotos benutzen wir keine professionelle Kamera oder Mikrofone, wir brauchten lediglich ein Smartphone.« Und weil die griechischen Schülerinnen und Schüler das physikalische Phänomen auf Deutsch erklären sollten, lernten sie so gleichzeitig viele neue Wörter, etwa »Spektralfarben« oder »Moleküle«.
Am Ende wurden Natalie und ihre Gruppe für das Engagement belohnt: Unter mehr als hundert eingereichten Videos aus ganz Europa schaffte es ihr Projekt auf den dritten Platz. Eine tolle Erfahrung für die 19-Jährige: »Die Motivation der Schülerinnen und Schüler hat mich während des Projekts immer wieder beeindruckt, und alle waren sehr an Technik, Forschung und Naturwissenschaften interessiert.« In diesem Sinne: Efcharistó, Griechenland!

Über die Programme

Erasmus+ ist das Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union, das bis 2020 die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Kinder- und Jugendhilfe voranbringen will. Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz ist Nationale Agentur für EU-Programme im Schulbereich. eTwinning vernetzt Schulen in Europa über das Internet. Projekte mit Partnerschulen im geschützten virtuellen Klassenraum, kollegialer Austausch in Europa und Fortbildung. kulturweit ist der internationale Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission. Der Freiwilligendienst ermöglicht jungen Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren sich für sechs oder zwölf Monate im Bereich der Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren. Der PAD und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) sind gemeinsam Partner von kulturweit und vermitteln Freiwillige an von der ZfA betreute Schulen vorwiegend in Staaten Mittel- und Osteuropas. Weitere Einsatzstellen befinden sich in Lateinamerika, Asien und Afrika.

In Zahlen: Der deutsch-griechische Austausch im Schulbereich

Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz ist als einzige staatliche Einrichtung im Auftrag der deutschen Länder für den internationalen Austausch im Schulbereich tätig. Der PAD führt eine Reihe von Austauschprogrammen mit Beteiligung Griechenlands durch. Genauere Informationen zu den einzelnen Programmen sind der Website des PAD www.kmk-pad.org zu entnehmen. Schulpartnerschaften und andere Austauschmaßnahmen, die nicht vom PAD gefördert werden, sind nicht erfasst.



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