georg pirker

Fachtag Politische Bildung im deutsch-griechischen Jugendaustausch: Active Citizenship und soziale Solidarität entwickeln

Im Rahmen des Fachtags Politische Bildung im deutsch-griechischen Jugendaustausch begleitete Georg Pirker, Referent für internationale Aufgaben beim Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V., den Workshop zu den Themen Active Citizenship und soziale Solidarität. Hier fasst er die Ergebnisse des Workshops zusammen – und beleuchtet die Bedeutung, die ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk für die Ausrichtung deutsch-griechischer Projekte erreichen kann.

Georg Pirker
Georg Pirker beim Fachtag Politische Bildung im deutsch-griechischen Jugendaustausch BildImage: Christian Herrmann

Der Politologe und Historiker Georg Pirker ist Referent für internationale Bildungsarbeit im Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten. Arbeitsschwerpunkte sind Bildung zu Menschen- und Kinderrechten, Vielfalt, Teilhabe und Anti-Diskriminierung im internationalen Kontext.

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Zentrales Anliegen politischer Jugendbildung ist es, junge Menschen zu befähigen von ihren Rechten zu gesellschaftspolitischer Teilhabe aktiv Gebrauch zu machen. Trotz einer fundamental divergierenden wirtschaftlichen und sozialen Grundkonstellation lässt sich konstatieren, dass Jugend und Erwachsenwerden in Deutschland und in Griechenland als Bewältigungsaufgabe verstanden werden können: Junge Menschen stehen in beiden Ländern vor der Herausforderung, sich in der Gesellschaft zu etablieren; die aktuelle wirtschaftliche Situation lässt dabei sehr unterschiedliche Möglichkeiten zu (in punkto finanzielle und politische Selbstständigkeit und auch bzgl. der Möglichkeit zur Verwirklichung etc.).

Jugendpolitisch könnte es zielführend sein, sich am Leitbild der Europäischen Jugendstrategie  wie an der Jugendpolitik/Kinderrechtspolitik im Kontext des Europarats zu orientieren, da in beiden Ländern politische Verantwortung zur Umsetzung und Ausgestaltung besteht.

Was ist der besondere Mehrwert von deutsch-griechischen Jugendaustauschen zu Themen politischer Bildung?

Generell sollten wir im Austauschkontext davon ausgehen,  die jeweils  eigene Motivation der Partner, politische Bildungsprojekte anzugehen, zu respektieren: In der Kooperation kann man sich nur befruchten und gemeinsam arbeiten, wenn man die im deutsch-griechischen Kontext bestehenden Differenzen und Gefälle (Macht, Wirtschaft, hist. Deutungshoheit…) offenlegt.

Politische Bildung legt den Fokus auf die Mikroebene, auf die Arbeit und die Begegnung mit und von Individuen – das ist eine Stärke politischer Jugendbildung in der Internationalen Jugendarbeit allgemein, die für deutsch-griechische Jugendarbeit insbesondere genutzt werden kann. Für deutsch-griechische Begegnungsarbeit sahen die Teilnehmer/-innen am Workshop drei wichtige thematische Felder, an denen sich Begegnungsarbeit orientieren sollte.

Als inhaltliche Bezugspunkte kristallisierte sich für die Teilnehmenden sicherlich das Anliegen eines (1) gemeinsamen Umgangs mit der deutsch-griechischen Geschichte, insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus heraus: Die griechischen Opferdörfer und das Thema Emigration im Bürgerkrieg bilden elementare Bezugspunkte für Begegnungsarbeit, zu denen bei vielen Akteur(inn)en in beiden Ländern langjährige Erfahrung besteht und an die angeknüpft werden kann.

Unter dem Fokus (2) Migration bieten sich zum einen die vielfältigen Verflechtungen über Gastarbeit/Arbeitsmigration an, wie aktuell auch die Situation von und der Umgang mit Geflüchteten und die Thematisierung von Flucht in beiden Gesellschaften.

Extrem wichtig erscheint es auch, (3) die Frage von Jugend, Arbeit, Arbeitswelt und Demokratie zu bearbeiten. Hier geht es vor allem darum , ausgehend von der fundamental unterschiedlichen Lage junger Menschen in Bezug auf Erwerbsarbeit, Lebensperspektiven und ihren daraus resultierenden Fragen und Bedürfnissen an Gesellschaftspolitik (Engagement, Zugänge, Macht, Solidarität)  – auch unter dem Stichwort Utopiefähigkeit – zu arbeiten. Stichworte und Aufgaben sind u.a.: Fragen vom Politikverständnis Jugendlicher, von   Politikverdrossenheit in beiden Ländern, von Populismus zu bearbeiten. Partner berichten unisono von guten Voraussetzungen für  Kooperationen, die politische Jugendbildung mit künstlerischen Methoden /Ästhetischen Konzepten bzw. kulturelle und politische Bildung verbinden: Kunst kann nie unpolitisch sein.

Welches sind die Gelingensbedingungen für diese Projekte? Wie können Grundlagen für ihre erfolgreiche Umsetzung geschaffen werden?

Die Teilnehmenden am Workshop verfügten über recht unterschiedliche Erfahrungen im Jugendaustausch – insbesondere in Bezug auf politische Jugendbildung.
Jugendorganisationen in Griechenland, die keiner Partei zuzuordnen sind, haben es schwer, Förderung zu erhalten; in diesem Sinne ist die Etablierung eines unabhängigen Jugendwerks auch eine Hoffnung für den Aufbau unabhängiger Strukturen und unabhängiger Zugänge in der Jugendarbeit, die natürlich Grundlage zur Umsetzung von Austausch sind. Die Einrichtung eines bilateralen Jugendwerks verstehen die Teilnehmenden auch als Chance, da es keine vergleichbare Institution gibt, die eine intensive Kooperation mit den Ländern Südeuropas unterstützt.

Dennoch: Das  Jugendwerk sollte nicht überschätzt werden. Es ist als solches kein Instrument der Demokratiebildung. Um Demokratie und Teilhabe junger Menschen im Land zu sichern, benötigt es auch eine funktionierende Volkswirtschaft, eine Koheränz von  Außen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik in beiden Ländern. Das Deutsch-Griechische Jugendwerk als solches kann auch nicht Jugendarbeitslosigkeit verändern. Austausche können aber Jugendliche aus beiden Ländern befähigen, gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.

Begegnung und Austausch zu fördern bedeutet Kontakt auf Augenhöhe entwickeln – bei ungleicher Finanzierung? Dieser Herausforderung muss sich deutsch-griechische Jugendarbeit – insbesondere auch manifestiert als Jugendwerk – stellen.

Bildungs- und Jugendpolitik sind in Griechenland in einem Ministerium verbunden. Dies bietet eine Chance zur Umsetzung europäischer Jugend- und Menschenrechtspolitik.

Protokoll: Pressenetzwerk für Jugendthemen ergänzt durch Workshopleitung



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