Florence Gabbe

Fachtag Politische Bildung im deutsch-griechischen Jugendaustausch: Integration, Migration und Flucht im Jugendaustausch

Wie können junge geflüchtete Menschen in Jugendbegegnungen integriert werden? Wie können Vorurteile im Umfeld der jungen Geflüchteten abgebaut werden? Wie gelingt der Jugendaustausch zum Thema Flucht und Migration? Auf diese und weitere Fragen entwickelte der Workshop "Integration, Migration, Flucht im Jugendaustausch" interessante Ergebnisse und Empfehlungen.

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Florence Gabbe, Bild: agorayouth.com

Florence Gabbe ist im Deutsch-Französischen Jugendwerk für trinlaterale Programme zuständig.

Mehr zum Deutsch-Französischen Jugendwerk: www.dfjw.org

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Weltweit waren im Sommer 2016 mehr als 60 Mio. Menschen auf der Flucht. Die Mehrheit unter ihnen suchte nicht zwingend in Europa, sondern auch in Nachbarstaaten ihrer Herkunftsländer Zu-flucht. Deutschland selbst verzeichnete im Jahr 2016 einen Rückgang der Flüchtlingszahlen, der unter anderem auf die Sperrung der Balkanroute, die Abschiebung von Geflüchteten durch griechische Behörden, bei fehlendem Nachweis auf Verfolgung, und das stärkere Vorgehen der Türkei gegen Schleuser zurückzuführen ist. 2014 wurden Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien, 2015 Albanien, Montenegro und das Kosovo als herkunftssichere Länder eingestuft, weshalb auch die Zahl der Geflüchteten aus dem Westbalkan stark sank. Mit den nordafrikanischen Staaten sollte 2016 ähnlich verfahren werden, ein Gesetzesentwurf hierzu scheiterte März dieses Jahres.

Die östliche Mittelmeerroute bleibt nach wie vor einer der wichtigsten Wege nach Europa, sodass ein Großteil der Geflüchteten in Griechenland aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kommt. In Deutschland ist die Zahl dieser Flüchtlingsgruppe ebenfalls gestiegen. Während Deutschland sich mehr oder weniger freiwillig bereit erklärte, Geflüchtete aufzunehmen, sind Staaten wie Griechen-land nach der Dubliner Verordnung verpflichtet, weitergereiste Geflüchtete wieder bei sich aufzunehmen. Frankreich hat zwischen 2011 und 2015 von 5. Mio. syrischen Geflohenen 10.000 aufgenommen. Insgesamt zählte das Land 2015 27% mehr Geflüchtete als in den Vorjahren.

Trilaterale deutsch-französisch-griechische Jugendbegegnungen sind besonders geeignet für das Thema Flucht und Migration

Trotz dieser nur vergröberten Darstellung der Situation der letzten zwei Jahre, ist es naheliegend, dass sich insbesondere deutsch-griechische und deutsch-französisch-griechische Jugendbegegnungen anbieten, um sich mit jungen Menschen über die aktuelle Situation in ihren Ländern sowie die jeweiligen rechtlichen, politischen und sozialen Bedingungen vor Ort auszutauschen. Dabei sollte eine Vielzahl von Fragen aufgegriffen werden, um Missverständnissen und einer fehlerhaften Wahrnehmung in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken. Wer gilt nach internationalem Recht als Flüchtling und warum fliehen Menschen aus ihren Heimatländern? Was beinhaltet ein Asylverfahren und was bedeutet Bleiberecht? Mangelndes Wissen und Unsicherheiten über einfache Begriffe wie "Flüchtling", "Asylbewerber", "Immigrant", "Integration" oder "Assimilation" sollten behoben werden und ein einheitliches Verständnis über die allgemeinen Geschehnisse, europäische Abkommen oder Gesetzgebungen vermittelt werden.

Unsere Partnerorganisation und das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) selbst haben von Beginn an großes Interesse und Initiative gezeigt, um auf die Geflüchteten in ihren Begegnungen einzugehen. Hochschul- und Schulaustauschprogramme, in deren Rahmen rechtliche, politische oder historische Aspekte der Migration aufgearbeitet wurden, können hier beispielhaft angeführt werden, aber auch Fortbildungen für Fachkräfte und Personen aus dem Ehrenamt. Jugendliche diskutierten über die Ursachen von Migration und nehmen weiterhin aktiv an Freiwilligenprogrammen zur Betreuung und Unterstützung geflohener Menschen teil. Trilaterale, deutsch-französisch-griechische Programme, sind hier besonders geeignet, da sie verschiedene Blickwinkel auf die drei Länder eröffnen und Möglichkeit zum Austausch von Best Practice Beispielen, Blockaden oder unterschiedlichen Herangehens- und Arbeitsweisen geben.

Neben der theoretischen Aufarbeitung und der Erläuterung aktueller Gegebenheiten, stellt sich immer mehr die Frage, wie geflüchtete Minderjährige und junge Erwachsene in Jugendaustauschprogramme integriert und an deren Planung beteiligt werden können. Für Fachkräfte der internationalen Jugendarbeit bedeutet dies, im Rahmen des in den Ländern geltenden Rechts Handlungsmöglichkeiten festzulegen oder Methodenvorschläge auszuarbeiten.

Empfehlungen für Jugendaustauschbegegnungen mit geflüchteten Jugendlichen

Folgende Ergebnisse konnten aus den Gesprächen und Diskussionen mit den Teilnehmenden des Workshops „Integration, Migration, Flucht im Jugendaustausch“ festgehalten werden:

Bereits in der Planungsphase ist zu überlegen, welche Art von Jugendbegegnungen und welche darin behandelte Thematik sich besonders gut für die Einbeziehung dieser eventuell erstmals angesprochenen Zielgruppe eignen und welche Ziele realistisch umzusetzen sind. Von klassischen Themen zur Migration bis hin zur beruflichen Bildung sind hier viele Varianten möglich. Wie immer heißt es zum einen, auf individuelle, landes- und kulturspezifische Besonderheiten zu achten und Wege zu suchen, alle Anwesenden einzubeziehen. Die Arbeit mit Geflüchteten kann auch verlangen, auf Friedenspädagogik, Mediation und Konfliktmanagement sowie die Bewältigung von Traumata eingehen zu können.

Weiter ist zu überlegen, wie geflüchtete Jugendliche, denen politische Bildung und Jugendaustausche unbekannt sein können, erreicht werden und weshalb sie sich trotz ihrer akuten Herausforderungen auf eine Begegnung einlassen sollten. Es kann nicht immer von ein und demselben Verständnis für Zivilgesellschaft, freie Meinungsäußerung, politische Mitbestimmung oder Wissen zur Europäischen Idee ausgegangen werden. Eine Jugendbegegnung hat somit auch gewisse Voraussetzungen zu erfüllen, damit diese Zielgruppe bestmöglich beteiligt werden kann.

Die Jugendlichen selbst müssen über den rechtlichen Status verfügen, damit sie an Auslandsreisen teilnehmen dürfen. Sollten Interessenten nicht zu Auslandreisen ermächtigt sein, ist z.B. zu über-legen, ob sie nur an einer Begegnungsphase teilnehmen oder wie sie mit Hilfe zum Beispiel digitaler Medien in die Begegnung einbezogen werden können. (DFJW: Mobilität für Menschen mit Flüchtlingsstatus/Asylberechtigung in Deutschland).

Weiterhin sind benötigte Sprachkenntnisse festzulegen oder über andere eventuelle Kriterien und Eignungen zur Teilnahme nachzudenken. Geschulte Teamerinnen und Teamer, möglichst auch in ausreichender Zahl im Verhältnis zu den Teilnehmenden, können mit Hilfe von Sprachmittlung, interkultureller Kompetenz oder Kompetenzen in Mediation und Psychologie eine wichtige Hilfe sein. (Das DFJW bietet pädagogische Materialien und Schulungen zur Sprachmittlung, zum Flüsterdolmetschen, zum interkulturellen Lernen und zur interkulturellen Mediation an: https://www.dfjw.org/paedagogische-materialien/, https://www.dfjw.org/fortbildungen-fuer-jugendleiter).

Sollte die Gruppe nicht ausschließlich aus Geflüchteten bestehen, ist nicht nur ausreichende Kommunikationsarbeit bei deren Anlaufstellen zu leisten, auch Eltern, Schulen, Jugend- und Sportvereine etc. sind umfassend zu informieren, um möglichen Ängsten und Vorurteilen der Jugendlichen und ihres Umfeldes entgegenzuwirken. Gerade solche Personen, die Vorurteilen stark ausgesetzt sind, sollten jedoch in die Programme einbezogen werden, um diese Vorurteile überwinden zu können.

Während des Projekts selbst ist besonderer Wert auf eine Vermischung der Gruppen und die Beteiligung der Teilnehmenden zu legen. Auch hier heißt es weiterhin zu Erklären, Ängste und Vorurteile abzubauen und auf Problematiken sofort zu reagieren. Hier kann es zum Beispiel von Interesse sein, sich über unterschiedliche Vorgehensweisen auszutauschen und Besonderheiten zu erklären. Gerade in diesen Momenten können Beiträge von den Jugendlichen selbst erbracht werden und auch außenstehende Personen im Rahmen von Vorträgen und Konzert-, Koch- oder z.B. Theaterabenden eingeladen werden.

Die gesammelten Erfahrungen eines solchen Austausches sind anschließend unbedingt auszuwer-ten (siehe hierzu die Evaluationsmethoden des DFJW) und kön-nen auch mit den spezifischen Anlaufstellen der Jugendlichen geteilt werden. Genauso wie eine Vorbereitung aller Jugendlichen auf den Austausch notwendig ist, so ist eine Unterstützung bei der Verarbeitung der gesammelten Erfahrungen nach dem Austausch wichtig. Dies erlaubt ihnen, Erfahrenes und Erlerntes einzuordnen und zu festigen, Kontakte zu hegen, begonnene Projekte weiterzuführen oder an neuen Initiativen zu arbeiten. Über die gesamte Dauer eines solchen Aus-tauschs sollte stets daran gedacht werden, wie die Potentiale, Erfahrungen und Kenntnisse eines Einzelnen, also auch der geflohenen Jugendlichen, eingebracht und auf unterschiedlichste Weise anerkannt werden können.

Für weitere Fragen zu Jugendaustauschbegegnungen zum Thema Migration und Integration sowie zu Programmen mit geflüchteten Jugendlichen wenden Sie sich bitte an diederichs@DontReadMedfjw.org oder gabbe@DontReadMedfjw.org.



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