Christian Herrmann

Griechenland-Special 2016

Zwischen den zivilgesellschaftlichen Kräften Griechenlands und Deutschlands gibt es eine Vielzahl gemeinsamer Interessen und Projekte – dies gilt auch und gerade für den Jugendaustausch. Im Griechenland-Special 2016 hat IJAB ein Bündel aus praktischen Informationen, Diskussionsbeiträgen und Best-Practice-Beispielen geschnürt, das Mut machen möchte, eigene deutsch-griechische Jugendprojekte zu starten.

eine Gruppe von Jugendlichen hat sich mit Farben bunt bemalt
BildImage: Petros Evangelinos

Griechenland-Special 2016

Fakten, Förderung, Kontakte

Inklusion

Flucht und Migration

Kulturelle Bildung

Sport

Zivilgesellschaft und Jugendarbeit

Politische Bildung

Erinnerungsarbeit

Essay

Griechenland kommt nicht aus den Schlagzeilen. Es sind die Bilder verzweifelter Menschen, die sich bis vor Kurzem an den Grenzzäunen im Norden des Landes drängten, es sind die Bilder der lebensgefährlichen Flucht über die Ägäis, die wir in den Medien fast täglich zu sehen bekommen. Daneben gibt es andere Bilder, die uns auch erreichen: die der vielen, unermüdlichen, freiwilligen Helfer/-innen, die die Geflüchteten mit Kleidung, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe versorgen. Es ist ein besonderes humanitäres und zivilgesellschaftliches Engagement, das hier zum Ausdruck kommt. Auch aus Deutschland kennt man das: Freiwillige, die an Bahnhöfen ankommende Geflüchtete mit dem Nötigsten versorgten, Menschen, die ehrenamtlich Deutschkurse geben, Jugendzentren, die Freizeitangebote für junge Geflüchtete entwickeln. Haben Deutsche und Griech(inn)en also doch mehr in einem Europa, in dem kein Land Herausforderungen allein bewältigen kann, miteinander gemeinsam? Als IJAB im vergangenen Jahr auf seinen Plattformen ijab.de und dija.de ein erstes Griechenland-Special veröffentlichte, klangen in den Ohren der Autor(inn)en und Interviewpartner/-innen noch die Stimmen derjenigen wieder, die Griechenland aus dem Euroraum werfen und sich selbst überlassen wollten ebenso wie die derjenigen, die ihre Wahlkämpfe mit anti-deutschen Stereotypen führten. Es ist das Verdienst der Zivilgesellschaften beider Länder, einige verzerrte Bilder geradegerückt zu haben – und es gibt daher gute Gründe auch in diesem Griechenland-Special wieder einen besonderen Blick auf die Zivilgesellschaften beider Länder und auf die aus ihnen erwachsenden gemeinsamen Projekte im Jugendaustausch zu werfen.

Inhalte des Griechenland-Specials 2016

„Wir sind  Europa“, so hat Andromachi Papaioannou ihren Artikel über die Jugend-NGO Generation 2.0 Red überschrieben. Sie schildert, wie und warum sie sich gemeinsam mit anderen für Geflüchtete engagiert und was sie sich vom Jugendaustausch mit Deutschland erhofft. Diesen Austausch gibt es schon: Trilaterale Jugendbegegnungen zwischen Griechenland, Frankreich und Deutschland widmen sich dem Thema Flucht und Migration und leisten dabei Pionierarbeit.

Wenn man über Geflüchtete und ihre Zukunft in den jeweiligen Aufnahmeländern spricht, dann ist häufig von Integration die Rede. In anderen Ländern – und auch in der Terminologie der EU – ist hingegen von Inklusion die Rede. Der Begriff versteht sich in Abgrenzung zu einseitigen Anpassungsleistungen. Was Inklusion für junge Menschen mit Behinderungen in Bezug auf die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit im Bereich der non-formalen Bildung bedeuten kann, haben wir anhand von zwei Best-Practice-Projekten untersucht.

Neben den klassischen Förderinstrumenten – dem Kinder- und Jugendplan des Bundes und seinem Sonderprogramm für den deutsch-griechischen Austausch sowie dem europäischen Programm Erasmus+ JUGEND in Aktion – gibt es  immer mehr Engagement von Stiftungen für den Austausch und die Begegnung junger Menschen aus beiden Ländern. Wir haben mit Mitarbeitern der Robert Bosch Stiftung und der Kreuzberger Kinderstiftung gesprochen.

Das Erinnern an die von Deutschen während der Besatzung im 2. Weltkrieg an Zivilisten begangenen Verbrechen und ihre Aufarbeitung in der Jugendarbeit ist ein Kernthema im deutsch-griechischen, zivilgesellschaftlichen Engagement – so wie Erinnern und Versöhnen grundlegende Motive für Internationale Jugendarbeit sind. Dieses Thema ist nicht erst virulent seit es im Zuge der Schuldenkrise mit einer Verzögerung von Jahrzehnten auch ein deutsches Publikum erreicht hat. Brigitte Spuller hat bereits in den 80er-Jahren Jugendaustausche zwischen Nürnberg und Distomo organisiert. Wir haben mit ihr über ihre langjährigen Erfahrungen gesprochen. Allen, die sich in gemeinsamen Jugendprojekten mit dem Thema erinnern auseinandersetzen möchten, stellen wir die Workshop-Protokolle des Fachtags Erinnerungsarbeit zur Verfügung, der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Gedenkstätte Ravensbrück und IJAB veranstaltet wurde. Best-Practice-Beispiele runden diesen Themenbereich ab.

Beiträge aus Griechenland zum lokalen Engagement griechischer Jugend-NGOs, zur Rolle politischer Bildung bei der Präventionsarbeit gegen Radikalisierung sowie grundlegende Informationen zu jugendpolitischen Strukturen, Akteuren im Jugendaustausch  in beiden Ländern und Förderinformationen geben all denjenigen valide Informationen an die Hand, die selber deutsch-griechische Jugend- und Fachkräfteaustausche initiieren möchten. Ein Essay von Anja Hack gibt darüber hinaus Hinweise zum griechischen Seelenleben – nicht ohne ein Augenzwinkern, um Tupperware geht es – und gibt damit Hilfestellung bei der deutsch-griechischen Verständigung. Darüber hinaus bietet IJAB auch weiterhin individuelle Beratung an.

Die Zukunft ist noch nicht geschrieben

Ob der Jugend- und Fachkräfteaustausch künftig durch eine gemeinsame Kooperations- und Förderstruktur unterstützt werden wird, ist noch offen. Am 19. Mai hat die stellvertretende griechische Ministerin für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten, Athanasia Anagnostopoulou, das zuständige Fachreferat ihres Ministeriums damit beauftragt, feste Ansprechpartner für die deutsche Seite zu benennen, weitere Gespräche vorzubereiten und ein zweites Deutsch-Griechisches Jugendforum – diesmal in Griechenland – in Angriff zu nehmen. Die griechische Seite möchte in die kommenden Gespräche eigene Vorstellungen einbringen. Damit wird die bilaterale Diskussion um das im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD festgeschriebene Deutsch-Griechische Jugendwerk nicht mehr asymmetrisch, einseitig von der deutschen Seite her forciert. Wozu künftige Gespräche auch immer führen mögen: In den letzten Monaten sind so viele persönliche und institutionelle Kontakte entstanden, dass man zuversichtlich in die Zukunft blicken kann.

Wir wünschen inspirierende Lektüre!

Sie erreichen alle Einzelbeiträge über die Navigation am linken Seitenrand, können das gesamte Special als PDF herunterladen oder komfortabel als E-Paper lesen.

Die Redaktion dankt allen Autorinnen und Autoren sowie Interviewpartner(inne)n für ihr Engagement und wünscht allen Leserinnen und Lesern eine inspirierende Lektüre – inspirierend für mehr und tieferen Jugendaustausch zwischen Griechenland und Deutschland.

Ihr Redaktionsteam
Natali Petala-Weber, Christiane Reinholz-Asolli, Katrin Schauer, Christian Herrmann

Mut zu deutsch-griechischer Begegnung, Download der deutschen Version (PDF, 1,36 MB)

Ναι στις ελληνογερμανικές συναντήσεις, Download of the Greek version (PDF, 1,53 MB)

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


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