Christian Herrmann

Griechenland-Special 2018: deutsch-griechischer Jugendaustausch im Jahr der Weichenstellungen

Inklusion, Sprachanimation, berufliche Orientierung, interreligöser Dialog, Geschichtsaufarbeitung – die Themen im deutsch-griechischen Jugend- und Fachkräfteaustausch sind erfrischend vielfältig. Das Griechenland-Special 2018 spiegelt mit zahlreichen Gastbeiträgen diese Vielfalt und macht deutlich, warum dieser Austausch gebraucht wird.

Fünf junge Menschen posieren vor der Akropolis.
Freiwillige von ElanDe vor der Akropolis BildImage: Nadine Müller

Griechenland-Special 2018

Fakten, Förderung, Kontakte

Inklusion

Berufliche Bildung und Orientierung

Flucht und Migration

Sprachanimation

Erinnerungsarbeit

Kirchliche Jugendarbeit

Schule

Wir sind keine Freunde von Klischees, wenn es um die Illustration von Artikeln geht. Was Griechenland betrifft, so ist es oft die Akropolis, die als Motiv herhalten muss, wenn über Griechenland berichtet wird. Dennoch haben auch wir uns diesmal für ein Foto mit Akropolis entschieden. Wir haben es von Nadine Müller bekommen, die einen Langzeitfreiwilligendienst – ein diakonisches Jahr – in Athen geleistet hat. Das Bild zeigt Nadine mit anderen Freiwilligen, die nach Griechenland gekommen sind, um etwas für andere Menschen und das Land zu tun. „18 bin ich auf der Akropolis geworden“, schreibt sie dazu. Nadines Foto steht in scharfem Kontrast zu einem anderen Akropolis-Bild, das wir als Illustration für das neue Zeitzeugenportal „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ verwendet haben. Es zeigt deutsche Soldaten auf der Akropolis im Frühjahr 1941 – kurz nachdem die Wehrmacht Griechenland überfallen und besetzt hatte. Zusammengenommen erzählen beide Bilder davon, was die Aktiven im deutsch-griechischen Austausch antreibt: Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber wir können etwas dafür tun, dass sich junge Deutsche und junge Griechinnen und Griechen begegnen und verstehen lernen – und dass sie ihre Zukunft in einem friedlichen Europa gemeinsamen gestalten können.

Förderung ist wichtige Grundvoraussetzung

Dass solche Begegnungen möglich sind, liegt zu einem erheblichen Teil am Sonderprogram des Bundesjugendministeriums zur Förderung des deutsch-griechischen Jugendaustauschs. Hunderte von Begegnungen zwischen jungen Menschen und Fachkräften der Jugendarbeit konnten mit seiner Hilfe in den letzten Jahren gefördert werden. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Gründung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks, von dem alle Beteiligten hoffen, dass es noch in diesem Jahr Wirklichkeit werden soll. Für den Jugendaustausch zwischen beiden Ländern wäre das Jugendwerk sicher die wichtigste Weichenstellung. Aber auch andere Einflüsse werden sich bemerkbar machen: Sowohl die nationale wie die europäische Jugendstrategie werden aller Voraussicht nach eine Stärkung des Jugendaustauschs mit sich bringen. Darüber hinaus wird auch das neue Europäische Solidaritätskorps Akzente setzen.

Vielfalt der Aktivitäten

Dass der deutsch-griechische Austausch schon jetzt nicht arm an Akzenten ist, das spiegelt unser Griechenland-Special 2018 mit seinen Beiträgen. Zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 waren es gleich mehrere Tagungen und Fachtage, die bundesweite Impulse setzten und denen wir einen großen Teil der hier versammelten Beiträge verdanken. Im November 2017 fand der Fachtag Inklusion statt, der anhand von Good-Practice-Beispielen verdeutlichte, wie inklusiver Austausch zwischen Deutschland und Griechenland funktionieren kann und schon jetzt funktioniert. Im März 2018 wurde mit einem Fachtag zur beruflichen Orientierung und Bildung ein Thema aufgegriffen, das den griechischen Partnern angesichts der weiterhin hohen Jugendarbeitslosigkeit besonders auf den Nägeln brennt. Aber auch jungen Menschen aus Deutschland können sich – zum Beispiel mit einem Praktikum in Griechenland – neue Perspektiven erschließen. Die gute Nachricht für alle, die in diesem Feld aktiv werden möchten: die nötigen Fördermittel sind vorhanden.

Sprachanimation hat sich in den letzten Jahren als erfolgreiche Methode zur Überwindung von Kommunikationsbarrieren erwiesen. Die bilateralen Jugendwerke und Koordinierungsstellen haben hierfür Pionierarbeit geleistet. Wie diese Erfahrungen für den deutsch-griechischen Austausch adaptiert und nutzbargemacht werden können, war Gegenstand eines Fachprogramms im September 2017, aus dem eine Arbeitsgruppe hervorging, die das Thema weiterführen wird.

Eine breit angelegte historische Perspektive vermittelte die Tagung „Es war einmal. heute – Jugend im Fokus der deutsch-griechischen Beziehungen“. Das Spektrum der Beiträge reichte von der Antike bis zu Gegenwart. Das lässt sich auch über den kirchlichen Jugendaustausch sagen. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der Orthodoxen Akademie von Kreta, die dafür einen besonderen Rahmen bietet, und lassen uns darüber hinaus berichten, was man bei einem diakonischen Jahr erleben kann und welche Begegnungsaktivitäten der Bund der Deutschen Katholischen Jugend entwickelt hat.

Neue digitale Tools

2018 gingen zwei neue digitale Tools online. Mit dem Youth Work Translator unter der Webadresse http://translation.rocks steht erstmals ein Werkzeug zur Übersetzung und Erklärung von Fachbegriffen aus  Jugendhilfe und Jugendarbeit zur Verfügung, das besonders im Fachkräfteaustausch zwischen Deutschland und Griechenland hilfreich ist. Unter http://jugenderinnert.jetzt wurde eine interaktive Karte mit Erinnerungsorten in Griechenland angelegt, die auf Verbrechen an Zivilisten während der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg verweisen. Wer sich dieses Themas im Jugendaustausch annehmen möchte, findet hier wichtige Zugänge. Beide Tools wurden durch Förderung des Bundesjugendministeriums ermöglicht.

Für das Griechenland-Special 2018 haben wir aus allen genannten Quellen geschöpft und Referentinnen und Referenten um Gastbeiträge gebeten. Die Kolleginnen von dija.de haben darüber hinaus die harten Fakten zu Partnern in beiden Länder, Förderung und Jugendpolitik hinzugefügt. Das vielfältige Bild, das dabei entstanden ist, mag Inspiration für diejenigen sein, die jetzt schon im deutsch-griechischen Austausch aktiv sind oder es noch werden möchten. Vielleicht ist es auch Inspiration für diejenigen, die 2018 Entscheidungen über die Zukunft dieses Austauschs zu treffen haben.

Ihr Redaktionsteam des Griechenland-Specials
Natali Petala-Weber, Katrin Schauer und Christian Herrmann

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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