Melissa

JUMP - Grenzen überwinden und Brücken bauen

Ob 3,5 Millionen Einwohner oder 3500: Jugendaustausch funktioniert auch zwischen Jugendlichen, die in einer europäischen Metropole wohnen, und Jugendlichen, die aus einem kleinen griechischen Dorf in Nordgriechenland stammen. Im Projekt JUMP haben sich die Jugendlichen sicherlich viel zu erzählen und einiges zu erleben. Die Fachkräftebegegnung junger Basketball-Teamer/-innen in Servia bildete den Anfang einer langjährigen Freundschaft.

Eine Gruppe von Jugendlichen steht und sitzt in einer Sporthalle.
BildImage: Till Thaler


Melissa, Bild: privat

Melissa spielt seit 2011 bei Berlin Tiger Basketball. Schon vor ihrer - bald abgeschlossenen - Ausbildung zur Bankkauffrau hat sie ihre Leidenschaft zum Schreiben entdeckt. Wann immer sie kann, nutzt sie die Gelegenheit dazu, diese Leidenschaft auszuleben.

Griechenland-Special 2016

Fakten, Förderung, Kontakte

Inklusion

Flucht und Migration

Kulturelle Bildung

Sport

Zivilgesellschaft und Jugendarbeit

Politische Bildung

Erinnerungsarbeit

Essay

Im Jahr 2016 startet das Projekt JUMP. Es ist ein Jugendaustausch des deutschen Basketballvereins “Berlin Tiger – Basketball in Kreuzberg 2009 e.V.” und seinem griechischen Partner “Anagennisi Servion”(dt. Wiedergeburt von Servia). Der Austausch wird im Sommer 2016 erstmals in Griechenland und anschließend im Sommer 2017 in Deutschland stattfinden. Die Idee der Völkerverständigung durch einen Kulturaustausch war der Auslöser für dieses Projekt, in dem Vereinsmitglieder der 3500-Einwohner-Stadt Servia und Basketballer/innen aus der 3,5-Millionen-Metropole Berlin sich begegnen werden. Es soll eine Verbindung geschaffen werden, die es allen Teilnehmer/innen ermöglicht, beide Orte besser kennen und verstehen zu lernen. Wir möchten ein Verständnis für andere Lebensumstände entwickeln.

Entstanden ist das Vorhaben in einem Gespräch zwischen Babis Karpouchtsis und Sokratis Brousiovas. Die Idee einen internationalen Jugendaustausch mit einem deutschen Basketballverein zu organisieren war geboren. Babis C. Karpouchtsis ist Politikwissenschaftler und engagiert sichfür die deutsch-griechischen Beziehungen. Sokratis Brousiovas ist Präsident des Vereins Anagennisi Servion und Verantwortlicher des Projektes. Während eines deutsch-griechischen Projekts lernte Babis Till Thaler kennen, der im Vorstand eines Basketballvereins aus Berlin-Kreuzberg aktiv ist. Die Verknüpfung beider Vereine war schnell hergestellt. Mit der wertvollen Erfahrung im Bereich Jugendaustausch von Anja Hack und der Unterstützung der Deutschen Sportjugend ist das Projekt JUMP entstanden, das erfreulicherweise durch das KJP-Sonderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird.

Das Projekt ist primär ein Jugendaustausch im Sinne einer Begegnung. Des Weiteren dient ein solcher Austausch der Weiterentwicklung individueller Realitäten anhand der Möglichkeit neue Realitäten kennenzulernen. Hierzu wird der gegenseitige Besuch als wichtigster Gegenstand betrachtet. Gerade Jugendlichen sollten Chancen geboten und Perspektiven ermöglicht werden, etwas Neues zu erfahren.

Diesbezüglich sollen ein Gespräch mit einer Zeitzeugin des Zweiten Weltkriegs, ein Besuch in einer Flüchtlingsunterkunft, Besichtigungen von historischen und aktuellen Orten des Lebens und gemeinsame Gruppenprojekte stattfinden. Der sportliche Aspekt darf dabei nicht fehlen, deswegen sind neben kulturellen Aktivitäten, Begegnungen im gemeinsamen Erfahrungsraum Sporthalle vorgesehen.

Erste Begegnung in Servia

Die erste Begegnung der Vereine fand bei einer Fachkräftemaßnahme im April statt. Dafür sind im Zeitraum vom 22.04. bis zum 25.04.2016 vier Mitglieder bzw. ehemalige Mitglieder von Berlin Tiger nach Servia geflogen, um vor Ort den ersten Kontakt herzustellen und das Pilotprojekt JUMP zu organisieren. Darunter Till Thaler, stellvertretender Vorsitzender von Berlin Tiger und hauptverantwortlicher Organisator des Projektes, Kay Möpert, Zuständiger für soziale Interaktionen und außersportliche Aktivitäten, Moritz Haase, Beauftragter für die visuelle Dokumentation des Austauschs und Melissa Bünger, Verantwortliche für die schriftliche Dokumentation.

In Griechenland konnten wir zahlreiche Erfahrungen sammeln und viele aufgeschlossene, verbindliche und herzliche Menschen kennenlernen. Als wir in Servia ankamen, gab es das erste Treffen zum Kennenlernen des griechischen Vereins Anagennisi in den Büroräumen der Sporthalle. Die Kommunikation verlief vollständig in englischer Sprache. Wir konnten einiges über den Verein erfahren. Der bereits in den 1980er-Jahren bestehende Verein war einige Jahre inaktiv, bis zwölf Freunde sich dazu entschlossen, den Verein wieder ins Leben zu rufen. Mehrere Nächte pro Woche trainierten sie in ihrer Freizeit mit Kindern in verschiedenen Sporthallen der Umgebung bzw. unter freiem Himmel. Unter ihnen auch Sokratis, einer der Gründer des Vereins. Der Verein besteht aktuell aus ca. 200 Mitgliedern, die größtenteils Bewohner Servias sind. Das sportliche Angebot fängt bereits bei einer Spielgruppe für Kinder unter fünf Jahren an. Die Teams sind aufgeteilt in den Altersklassen unter zehn Jahre, unter zwölf Jahre und unter 16 Jahre. Für die Jungen gibt es anschließend das Herrenteam. Die Philosophie des Vereins ist es, in alle Lagen des Lebens füreinander da zu sein. Anagennisi ist eine Familie, die in ihrer Sporthalle einen Ort der Zusammenkunft für die Bewohner Servias geworden ist. Um dies erreichen zu können, bewegten sie die Stadt zum Weiterbau der lange im Rohbau stagnierten Sporthalle, die nun zwar noch nicht fertig, zumindest jedoch nutzbar ist.

In der Besprechung stellten sich uns mehrere Gründer und Mitglieder des Vereins vor. Petros, der Kassenwart, der uns zuvor auch vom Flughafen abgeholt hatte, seine Ehefrau Rita, Zuständige für die Verwaltung und für Umarmungen, Nikos, Trainer der Basketballteams im Verein, Ria, eine der Gründerinnen des Vereins, und Sokratis. Zu einem späteren Zeitpunkt lernten wir auch Elias kennen, den Ehrenpräsidenten des Vereins.

Wir haben ein Basketballspiel der jugendlichen Vereinsmitglieder in gemischt-geschlechtlichen Teams gesehen und haben so einen ersten Eindruck erlangt über den respektvollen und familiären Umgang innerhalb des Vereins. Zum Abschluss des ersten Tages wurden wir zu einem gemütlichen und köstlichen Abendessen eingeladen und haben die weitere Vorgehensweise besprochen.

In den zweiten Tag mit griechischem Kaffee

Der zweite Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück und anschließendem Treffen  begleitet von Stamatia, Sokratis Verlobte. Sie erzählte uns bei einem griechischen Kaffee etwas über das Leben in der Kleinstadt Servia. Wir haben erfahren, dass der Großteil der Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region in der Landwirtschaft und im Zusammenhang mit den nicht weit entfernten Kohlekraftwerken liegt. Um die Mittagszeit herum ist in der Stadt nicht viel los, also haben wir uns ein Spiel der u16-Mädchen angesehen. In der Zeit wurde Till von einem lokalen Journalisten interviewt.

Im Rathaus wurden wir von Xrisanthi, der Leiterin des Kulturvereins von Servia, empfangen. Sie konnte uns interessante Fakten zur Geschichte Servias geben. Nach historischen Videos von Zeitzeugen und Ehefrauen der griechischen Soldaten hörten wir einen Vortrag von der Zeitzeugin Sofia über ihre Erfahrungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Es waren bewegende Worte einer beeindruckenden Frau.

Zum Nachmittag hin sind wir auf den an Servia grenzenden Berg "Neraida" gefahren. Von dort hat man einen wunderschönen Blick über den Stausee Polifitou auf Servia und die benachbarten Dörfer. Wir aßen anschließend ein Mittagessen und gingen danach nebenan einen Kaffee trinken. Für den Abend fuhren wir nach Velvento, eines der zuvor aus der Ferne erblickten Nachbardörfer, und besuchten das Heimspiel des Basketballteams von Velvento, das gegen Kozani das Hinspiel um den Aufstieg spielte. Die Popularität des griechischen Nationalsports ist in diesem Dorf sehr deutlich geworden. Die Halle war so überfüllt, dass eine Menge von Zuschauern stehen mussten oder auf dem Hallenboden saßen. Ein Erlebnis, das nur mit einem Sieg des Heimteams noch beeindruckender hätte sein können. Zum Abschluss des Tages nahm Sokratis uns mit in eine Bar im Zentrum, in dem zu später Stunde deutlich mehr los war als noch zur Mittagszeit.

Der dritte Tag

Wir sind mit einem Frühstück am Rathausplatz in den dritten Tag gestartet. Die „Plateia“ ist ein großer Platz, der für Veranstaltungen aber auch als Treffpunkt nach dem Kirchenbesuch am Sonntag dient. Parallel zum Frühstück konnten wir vorösterliche Feierlichkeiten miterleben, die dort zelebriert wurden. Es gab neben Verkaufsständen, einen Stand mit Zeichnungen für Kinder und einen Schminkstand – alle von Freiwilligen betreut. Zudem haben wir den Lazarines zugesehen, die einen traditionellen Volkstanz vorführten. Im Anschluss sind wir auf den Titarion Berg zum Schloss "Castle of Oria" gelaufen. Auf dem Berg war die ursprüngliche Stadt Servia als eine Festung mit mehreren Festungsmauern angelegt. Die Ruinen der Stadt stehen derzeit verborgen im Wald. An manchen Stellen findet eine Ausgrabung statt, andere Teile wurden rekonstruiert und sind begehbar. Man erhält eine Idee davon, wie dort das Leben im Mittelalter aussah. Danach trafen wir unsere neuen Freunde von Anagennise in einem fantastischen Restaurant wieder. Es gab Essen von einer international ausgebildeten Chefköchin. Wohlgenährt gingen wir gemeinsam in die Vereinsräume in der Sporthalle, wo der offizielle Termin zur Organisation des Austauschs stattfand. Nachdem wir uns zwei Tage kennengelernt hatten, fiel es uns deutlich leichter, über die nun gemeinsame Idee zu sprechen und darüber zu beraten, wie wir diese Idee in ein konkretes Projekt umwandeln können. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieses Projekt das Potenzial hat, den Teilnehmer/innen eine wertvolle Erfahrung zu sein. Anschließend gingen wir in die Sporthalle und spielten gemeinsam mit einigen Jugendlichen in der Sporthalle Basketball.

Am Tag der Abreise haben wir den Wochenmarkt besucht, wo wir einige der Vereinsmitglieder wieder getroffen haben. In einem letzten Gespräch unter den Vereinsverantwortlichen wurde die gegenseitige Unterstützung bekräftigt und das Interesse an dem Jugendaustausch besiegelt. Danach wurden wir – wieder von Pedros – zum Flughafen gefahren. Zurück in Deutschland sind wir uns alle einig: Wir freuen uns sehr auf den Austausch der Jugendlichen im Sommer und sind zuversichtlich, dass es für alle Beteiligten eine erlebnisreiche Erfahrung wird.



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