Natali Petala-Weber

Kreuzberger Kinderstiftung: Wir unterstützen Projekte, in denen Jugendliche Verantwortung übernehmen

Die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen haben sich in Griechenland als Folge der Krise verschlechtert. Daran setzt die Kreuzberger Kinderstiftung an und fördert Projekte von und für Kinder in Griechenland. Davon könnten auch deutsch-griechische Projekte im Bereich der beruflichen Bildung profitieren.

BildImage: Christian Schwier - Fotolia.com


Felix Lorenzen, Bild: privat

Felix Lorenzen koordiniert bei der Kreuzberger Kinderstiftung gAG die Förderung von Projekten für Kinder und Jugendliche in Griechenland. Auch in anderen Programmbereichen setzt sich die Stiftung für Bildungsgerechtigkeit und jugendliches Engagement ein.
www.kreuzberger-kinderstiftung.de

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Die Kreuzberger Kinderstiftung fördert seit 2015 Projekte von und für Kinder und Jugendliche in Griechenland. Warum?

Felix Lorenzen: Im Sommer 2015 beunruhigte uns, insbesondere unseren Stifter Peter Ackermann, die immer hoffnungsloser werdende Situation von jungen Menschen in Griechenland zunehmend. Eigentlich haben wir keinen besonderen Griechenland-Bezug, aber wir sind überzeugte Europäerinnen und Europäer.

Als mittelgroße Stiftung kann man aber natürlich nicht überall handeln und an jedem Missstand auf diesem Kontinent ansetzen. Die Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent, die zunehmende Bildungsungerechtigkeit, die Situation der vielen unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten und andere Beobachtungen führten im Fall von Griechenland dann aber doch zu der Frage: Können wir etwas tun? Als Stiftung, die seit Jahren jugendliches Engagement und den Einsatz für Bildungsgerechtigkeit unterstützt, haben wir dann entschieden: Wir können und wollen dies auch in Griechenland tun. Damit soll ein Beitrag dazu geleistet werden, die Auswirkungen der wirtschaftlichen und sozialen Krisen auf die junge Bevölkerung abzumildern.

Was ist ausschlaggebend für die Auswahl eines Projekts?

Felix Lorenzen: Uns ist es wichtig, dass Jugendliche nicht nur als Zielgruppe eines Projektes angesehen werden. Wir unterstützen besonders gerne Projekte, in denen Jugendliche Verantwortung übernehmen. Außerdem ist uns wichtig, dass die Situation von Jugendlichen relativ direkt vor Ort positiv beeinflusst wird.  Förderfähig sind daher Projekte aus den Bereichen Bildung, Ausbildung, Jugendpartizipation und interkultureller Dialog. Für die Finanzierung von Konferenzen und Studien sind wir daher nicht die Richtigen.  

Werden auch deutsch-griechische Jugendbegegnungen und Jugendaustausche gefördert?

Felix Lorenzen: Wir wollen in erster Linie eine Verbesserung der Lebenssituation von jungen Menschen vor Ort erreichen. Wenn junge Menschen in Griechenland z.B. in Bezug auf ihre Berufsausbildung von Jugendbegegnungen profitieren, prüfen wir eine Förderung. Aber unser Schwerpunkt liegt nicht auf darauf – obwohl interkulturelle Lernerfahrungen in anderen Programmen unserer Stiftung zentral sind.

Eine Ausnahme sind die Reisestipendien, die wir vergeben: Mit unserer Unterstützung reisen in den kommenden Monaten acht Jugendliche aus Deutschland für selbstorganisierte Recherchen nach Griechenland. Die Jugendlichen sehen wir aber nicht nur als Geförderte an, sondern auch als Träger/-innen unseres Förderprogramms: Denn sie werden uns berichten, was ihre Gleichaltrigen in Griechenland gegen die Krisen tun. Und sie werden uns hoffentlich auf überzeugende Projekte hinweisen, die wir dann eventuell einladen, sich bei uns zu bewerben.

Sie haben selbst eine Studienreise nach Griechenland durchgeführt. Was haben Sie mitgenommen aus der Landschaft der Jugendlichen und der Jugendorganisationen?

Felix Lorenzen: Ich habe Organisationen kennengelernt, die am Rande ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Insbesondere diejenigen, die mit jungen Geflüchteten arbeiten, waren und sind natürlich doppelt herausgefordert. Eine wirkliche Studienreise war mein Kurzbesuch in Athen allerdings nicht – im Gegensatz zu den anstehenden Reisen unserer Stipendiat(inn)en.

Was steht nun an?

Felix Lorenzen: Die sieben von uns ausgewählten Projekte haben mit ihrer Arbeit begonnen. Nun geht es für uns darum, diese Projekte zu beobachten und in einem partnerschaftlichen Dialog mit den Trägern zu diskutieren, was erfolgreich läuft – und was nicht. Anschließend werden wir diskutieren, wie unsere Förderung fortgesetzt wird. Dabei werden auch die Berichte unserer Reisestipendiat(inn)en zentral sein. Gemeinsam mit der Schwarzkopf-Stiftung werden wir übrigens im Herbst neue Reisestipendien ausschreiben.

Außerdem suchen wir in einen Dialog mit anderen Akteur/-innen, die sich ebenfalls für Kinder und Jugendliche in Griechenland engagieren wollen oder dies bereits tun.

Welche Ergebnisse in der deutsch-griechischen Zusammenarbeit würden Sie gerne am Ende festhalten können?

Felix Lorenzen: Wir wollen konkrete Verbesserungen vor Ort erreichen. Daher ist es uns in erster Linie wichtig, dass wir am Ende unseres Förderprogramms auf viele wirkungsvolle Projekte zurückblicken können. Ein paar Beispiele aus unseren Projekten: Wir wollen ermöglichen, dass Jugendliche aus Lesbos sich dort für minderjährige Flüchtlinge engagieren, sie kennenlernen und ihnen durch selbstorganisierte Freizeitangebote das Kindsein erlauben. Wir wollen, dass junge Menschen in Regionen, in denen es keine Strukturen für Jugendliche – und noch weniger Perspektiven – gibt, sich in Jugendräten engagieren können. Wir wollen junge Menschen in Griechenland dabei unterstützen, sich für Europa zu engagieren. Wir wollen, dass Kinder von Migrant(inn)en dank der Hilfe von jungen Freiwilligen eine Chance in der Schule erhalten.

Unser Beitrag besteht dabei vor allem durch die in der Bereitstellung von Finanzen. Ohne das Engagement von jungen Menschen in Griechenland gäbe es die Projekte nicht.



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