Christian Herrmann

Griechenland-Special: Perspektiven für den deutsch-griechischen Austausch

Für alle, die mit internationaler Jugendarbeit einen Beitrag zum deutsch-griechischen Austausch leisten möchten, hat IJAB Stimmen aus dem Jugendbereich zur politischen, kulturellen und beruflichen Bildung sowie zur Erinnerungsarbeit aus beiden Ländern eingefangen und Informationen zur Landeskunde, Jugendpolitik, Förderprogrammen, Jugendforschung und Jugendorganisationen zusammengestellt. Herausgekommen ist ein Special von der Zivilgesellschaft für die Zivilgesellschaft.

eine griechische und eine deutsche Fahne
BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

Griechenland-Special

eine deutsche und eine griechische Fahne

Fakten, Förderung, Kontakte

Berufliche Bildung und Jugendarbeitslosigkeit

Erinnerungsarbeit

Kulturelle Bildung

Politische Bildung

Zivilgesellschaft und Jugendarbeit

Jugendforschung

2015 war eine Zerreißprobe für die deutsch-griechischen Beziehungen. Die griechische Schuldenkrise und ihre Folgen haben Politik, Medien und Bürger/-innen in beiden Ländern über Monate beschäftigt. Wenn es auch auf beiden Seiten nicht an besonnenen Stimmen mangelte, verschafften sich in der teils hitzigen Debatte doch immer wieder auch diejenigen Gehör, die meinten, längst überwunden geglaubte Stereotypen wiederbeleben zu müssen. Dass dies – trotz langer gemeinsamer Partnerschaft in Europa – bei Teilen der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden fiel, zeugt vor allem von einem: Deutsche und Griechen wissen noch immer zu wenig voneinander.

An diesem fehlenden Wissen und am Nichtverstehen setzt Internationale Jugendarbeit an. Der Bau von Brücken des Verständnisses zwischen den Völkern ist Teil der Geschichte und Konzeption dieses in die Zukunft gerichteten Feldes der Jugendarbeit. Die Überwindung der Wunden zweier Weltkriege, kultureller, sozialer und nationaler Widersprüche sowie der Aufbau eines gemeinsamen Europas gehören zur guten Tradition dieses zivilgesellschaftlichen Engagements. Bei der Erstellung des Griechenland-Specials hat das Redaktionsteam daher sein Augenmerk auf die Zivilgesellschaften beider Länder gerichtet.

Mit Gastbeiträgen, Interviews und Projektbeispielen kommen diejenigen zivilgesellschaftlichen Akteure zu Wort, die bereits seit langem im deutsch-griechischen Jugend- und Fachkräfteaustausch aktiv sind oder ihn mit frischen Ideen gerade für sich entdecken: Mitgliedsorganisationen der Deutsch-Griechischen Gesellschaften, Jugendorganisationen, Engagierte aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen, lokalen Initiativen und zentralen Fachorganisationen. Das Griechenland-Special ist ein Beitrag der Zivilgesellschaft für die Zivilgesellschaft. Diese Perspektive bewahrheitet sich auch mit Blick auf staatliche Initiativen, wie die im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD festgeschriebene Schaffung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks. Dieser wichtige Impuls geht auf das Engagement der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften zurück, kommt also aus der Mitte der Zivilgesellschaft.

Wer sich auf den deutsch-griechischen Jugend- und Fachkräfteaustausch einlassen möchte, braucht gesicherte landeskundliche Informationen, Kenntnisse der jugendpolitischen Strukturen, Kontakte zu möglichen Partnern und Wissen über Förderprogramme. Diese „harten Fakten“ lassen sich auf dija.de nachlesen – dazu gehört auch eine Liste derjenigen Organisationen in Deutschland und Griechenland, die bereits jetzt im Austausch aktiv sind. Ein besonderes Augenmerk hat die Redaktion darüber hinaus auf die Szene der griechischen Jugendorganisationen gerichtet, denn diese Form der Selbstorganisation junger Menschen ist traditionell einer der wichtigen Säulen des Jugendaustauschs.

Internationale Jugendarbeit kann keine Staatsfinanzen sanieren – weder ist dies ihr Auftrag noch hat sie die Mittel dazu –, aber sie kann einen Beitrag dazu leisten, Jugendlichen in einem Land mit einer der höchsten Jugendarbeitslosigkeitsquoten in Europa eine Perspektive zu eröffnen. Wer die wirtschaftliche Perspektive ignoriert, verkennt, was griechischen Jugendlichen derzeit am meisten auf den Nägeln brennt. Aspekte der beruflichen Bildung sind daher Teil dieses Specials.

Die Verbrechen von Wehrmacht und SS – die massenhafte Ermordung von Zivilisten im Partisanenkrieg und die Deportation und Vernichtung der griechischen Juden – sind immer noch eine offene Wunde im griechischen Bewusstsein – eine offene Wunde auch deshalb, weil eine Wahrnehmung über diesen Aspekt der gemeinsamen Geschichte in der deutschen Öffentlichkeit weitgehend nicht vorhanden ist. Internationale Jugendarbeit kann nicht entschädigen, aber sie kann Projekte ermöglichen, in denen die gemeinsame Geschichte aufgearbeitet wird. Ohne diese Aufarbeitung sind deutsch-griechische Beziehungen nicht glaubwürdig vorstellbar. Das Special greift daher Stimmen und Projektbeispiele zur Erinnerungsarbeit auf.

Kultur – Musik, Tanz, Theater, Literatur, Malerei – ist untrennbar mit griechischer Identität verbunden und weit über die Grenzen Griechenlands hinaus bekannt. Nicht nur bieten sich dadurch im deutsch-griechischen Austausch besondere Chancen für kulturelle Bildung – Kunst, Gesang, Tanz und Theater haben auch das Potential Sprachbarrieren zu überwinden und zum unmittelbaren Erleben des eigenen Selbst und des Gegenübers beizutragen. Davon zeugen einige deutsch-griechische Projekte der letzten Jahre, von denen wir einige Beispiele aus den Bereichen Inklusion und bildende Kunst im multilateralen Kontext vorstellen. Darüber hinaus wurden Stimmen eingeholt zu Themen, die seltener Beachtung finden, die aber wichtige Hintergrundinformationen für zukünftige Projektarbeit liefern: die Entwicklung der griechischen Zivilgesellschaft, politische Bildung im Jugendaustausch, Arbeit mit jungen Flüchtlingen. Der Überblick des Forschungsstandes zum Thema Jugend in Griechenland gibt unter anderem Anregungen zur weiteren Lektüre und Recherche.

Alle Beiträge, die nicht einer ständigen Aktuallisierung bedürfen, wurden in einem PDF zusammengefasst und stehen in einer deutschen und einer griechischen Version zum Download zur Verfügung. Die Download-Links finden sie am Ende dieser Einleitung.

Das Redaktionsteam dankt allen Gastautor(inn)en und Interviewpartner(inne)n für ihre Beiträge und wünscht eine inspirierende Lektüre!

Natali Petala-Weber, Christiane Reinholz-Asolli, Susanne Klinzing, Katrin Schauer, Christian Herrmann

Perspektiven für den deutsch-griechischen Austausch, Download der deutschen Version (PDF, 1,75 MB)

Προοπτικές για τις ελληνογερμανικές ανταλλαγές, Download of the Greek version (PDF, 1,75 MB)

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


Kommentare ( 0 )

Kommentare schreiben

Noch 1000 Zeichen

Begleiten Sie uns

RSS-Feed abonnieren IJAB auf Facebook IJAB-Alumni-Gruppe auf Facebook IJAB auf Twitter IJAB auf YouTube

Newsletter