Andrea Conrad

PHYSIS: Kulturelle Bildung in der Jugendbegegnung

PHYSIS ist ein europäisches Projekt für interdisziplinäre Kunst, prozessorientiertes und konzeptuelles Arbeiten der Initiative „Internationale Jugend- und Herbstakademie Assisi“ im Partnerbündnis zahlreicher Institutionen und Einrichtungen aus Deutschland, Griechenland und Italien.

Weiße Stühle in einem leeren Raum mit Blick über das Meer
Mit weißen Stühlen in diametraler Anordnung und dem Blick auf die Gewässer der Ägäis, eröffnet die Kuratorin des europäischen Projekts PHYSIS, Andrea Conrad, im Oktober 2015 im Art Space Pythagorio die Ausstellung PHYSIS BildImage: Andrea Conrad


Andrea Conrad, Bild: privat

Andrea Conrad ist eine deutsche Künstlerin, sie lebt und arbeitet in Berlin und Initiatorin der Internationalen Jugend-und Herbstakademie Assisi (im Aufbau), künstlerische Leiterin und Kuratorin des europäischen Projekts PHYSIS, dass sie gemeinsam im Januar 2012 mit italienischen und deutschen Künstlern für 5 Jahre Projektarbeit in Griechenland, Italien und Deutschland konzipierte.

Griechenland-Special

eine deutsche und eine griechische Fahne

Fakten, Förderung, Kontakte

Berufliche Bildung und Jugendarbeitslosigkeit

Erinnerungsarbeit

Kulturelle Bildung

Politische Bildung

Zivilgesellschaft und Jugendarbeit

Jugendforschung

Das Konzept, 2011 in Assisi erarbeitet, dient einer nachhaltigen Entwicklung gestalterischen Denkens und Handelns junger Menschen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft unter Nutzung aller Kunstformen, insbesondere der Einbeziehung junger Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, die in Deutschland, Griechenland und Italien und anderen  Ländern der Europäischen Union leben und arbeiten. Das Projekt ist ein konstruktiver Beitrag zur Förderung des internationalen Dialogs und des demokratischen Handelns im Sinne einer Weiterentwicklung der europäischen Wertegemeinschaft.

Die Vereinigung für genreverbindende Kunstprojekte e.V. ist ein gemeinnütziger Kunstverein in Berlin, der seit 2005 regionale, nationale und internationale Kunstprojekte auch unter Einbeziehung von Jugendlichen in Griechenland, Italien, Polen, Litauen, Russland, Belgien und Deutschland realisiert. Ein besonderer Schwerpunkt der kulturellen und künstlerischen Aktivitäten mit Jugendlichen liegt in der aktiven Einbeziehung in Kunstprojekte der Hochkultur mit dem Ziel, die Befähigung Jugendlicher zu fördern, eigene Ansätze für kreatives Handeln zu entwickeln und in zivilgesellschaftlichem Engagement wirksam werden zu lassen.

Ein erfolgreiches Projekt des Berliner Kunstvereins ist das Projekt PHYSIS, das seit 2011 auf 18 internationale Ausstellungen interdisziplinärer Kunst, 4 konzertante Uraufführungen von Oper und Orchesterwerken in einem umfangreichen deutsch-griechisch-italienischem Partnerbündnis verweisen kann. Seit 2011 nahmen an diesem Projekt 214 Akteure und Akteurinnen der Kunst, Jungen Kunst und Kinder aus 15 unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen an herausragenden Schauplätzen europäischer Geschichte, die zum Weltkulturerbe zählen, teil. Der Bezug zur Tradition der Kultur des Abendlandes in ihrem Spannungsfeld zur globalen Entwicklung, als auch der Hintergrund europäischer Geschichte unter Einbeziehung von Philosophie und Wissenschaft zählen zu den wesentlichen Aspekten des europäischen Projekts PHYSIS.

Vom 20.09.2015 bis zum 16.10.2015 war das Projekt PHYSIS mit Studenten/-innen der Bildendenden Künste und Kulturwissenschaften aus Berlin und Thessaloniki für eine 3-wöchige Arbeitsphase zu Gast bei der Schwarz Foundation in Pythagorio auf der Insel Samos. Die konsequent thematische Fortführung der prozessorientierten, konzeptuellen und interdisziplinären Arbeit aus den Projektenphasen PHYSIS 2012, 2013, 2014 im Kontext von Ökologie und Umweltschutz sowie Wissenschaft und Kunst im Globalisierungsprozess richtete sich 2015 auf Samos an Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis zum 27. Lebensjahr.

Die antike Stadt Pythagorio, nach dem Mathematiker und Philosophen Pythagoras benannt, sowie das Heraion in der umliegenden Region wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Zu den bedeutendsten Bauwerken der Antike zählt der Tunnel des Eupalinus in unmittelbarer Umgebung von Pythagorio. Die Projektteilnehmer/innen hatten die Möglichkeit, sich drei Wochen interdisziplinär mit diesem einzigartigen Tunnelbau für Wasserversorgung in der Antike und mit Pythagoras thematisch auseinanderzusetzen. Ziel war es, eigene Werke zu entwickeln, die sich in konkreter Weise auf das Element und die Ressource Wasser beziehen.

Im gegenseitigen Austausch diskutierten deutsch-griechische Teilnehmer/innen in Pythagorio über ihre Möglichkeiten und Erfahrungswerte bei der aktiven Mitgestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft, in der Umweltschutz und moderne Technologien zum Wohle von Mensch und Natur oberste Priorität haben. Durch intensive Gesprächsrunden wurde den Teilnehmern/innen sehr bewusst, dass der Raubbau aller Ressourcen weltweit sowie die Folgen des rasanten Klimawandels und des Treibhauseffekts ein enormes Konfliktpotential der Zukunft darstellen können. Aktuell wurden Themen wie das Auseinanderdriften der Gesellschaften, die Zerstörung der Umwelt, globale Machtansprüche, Wirtschaftsinteressen und Religionskonflikte sehr intensiv diskutiert. Die deutsche Gruppe unterbreitete Vorschläge in den Gesprächsrunden, wie durch den Einzelnen oder in kleinen Gruppen Veränderungen möglich werden und somit in demokratischer Weise auch Willensbildung aus der Gesellschaft heraus befördert werden kann.

Im Partnerbündnis mit Italien und Griechenland setzt sich die Kuratorin und künstlerische Leiterin des europäischen Projekts PHYSIS, Andrea Conrad, seit 2012 für Residenzaufenthalte an bedeutenden Orten europäischer Geschichte ein, arbeitet mit kulturellen Einrichtungen und Institutionen der Länder zusammen und erarbeitet gemeinsam mit den Partnern Fördermodelle für unterschiedliche Begegnungsformen mit abschließenden Ausstellungen. In Zeiten finanzieller und wirtschaftlicher Krisen vieler europäischer Länder ist das Projekt keine Selbstverständlichkeit und kann nur durch Vertrauen und gute kulturpolitische Zusammenarbeit zahlreicher Partner gewährleistet werden. Das umfangreiche europäische Projekt gibt allen Kulturen, allen Generationen und Sparten der Künste Raum für Gestaltung und somit neue Perspektiven im Prozess einer sozial, ökologisch und politisch engagierten Kunst.

Gleich zwei Ausgaben von PHYSIS wurden in kurzer Abfolge im Sommer und Herbst 2015 mit anschließenden Ausstellungen realisiert. Vom 24.08.2015 bis 15.09.2015, eine Woche vor Beginn der Arbeitsphase auf Samos, endete das Arbeitsprogramm im Naturareal von Syrakus auf der Insel Sizilien zum Archimedischen Punkt „ Gib mir einen festen Punkt und ich hebe die Welt aus den Angeln“. Archimedes, griechischer Mathematiker, Physiker und Ingenieur  der Antike, lebte und arbeitete in Syrakus. So unterschiedlich die Themen, Zeiten und Meisterleistungen von Eupalinus, Pythagoras und Archimedes an entfernten Orten auch waren, die Infragestellung aktueller Entwicklungen vereinte beide Arbeitsgruppen 2015 gleichsam. In gestalterischer Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der Natur vor Ort wurden komplexe Zusammenhänge mit aktueller gesellschaftlicher Relevanz aufgegriffen und assoziativ umgesetzt.
Das Arbeiten mit und in der Natur, sowie das Herausarbeiten von Ansätzen für Erklärungs- und Überwindungsmodelle der Dichotomien Natur und Kultur, die sich in der antiken Hinterlassenschaft der großen Denker widerspiegeln, zählten auch 2015 zu den grundsätzlichen Schwerpunkten des Projekts.

Durch eine gute Ausstellungskoordination mit allen Partnern, Schirmherren und Förderern, war es nach Abschluss der Projektphasen möglich, vier Ausstellungen bis Mitte November 2015 in Syrakus, Palermo, Samos und Assisi der Öffentlichkeit zu zeigen. 37 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Griechenland, Italien, Kroatien, Japan, Russland, Österreich und Aserbaidschan präsentierten Malerei, Videokunst, Performance, Fotografie, Collage, Gesang, Dichtung, Zeichnungen und Installationen mit großer Resonanz.

PHYSIS Samos Projektphasephase II 2015 Deutschland / Griechenland

Kuratorin Andrea Conrad / künstlerische Leitung Gunnar Conrad, Andrea Conrad / Tutoren Ion Rudolf und Julia Lia Walter / gefördert durch das Sonderprogramm für deutsch-griechische Jugendbegegnungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und durch die Schwarz Foundation / unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Athen

Christos Koukogiannis (26 Jahre) Student der Aristoteles - Universität Thessaloniki / Fakultät der Bildenden Künste
„Das Physis-Programm ermöglicht eine Kooperation und einen Austausch der Ideen. Nach einer Präsentation der bisherigen künstlerischen Arbeit entwickeln die griechischen und deutschen Studenten eine Arbeit, alleine oder in Gruppen, mit Bezug auf Samos und den Eupalinus-Tunnel. Ich glaube, dass beide Seiten sehr viel durch den Kontakt gewinnen, da die Arbeitsweisen sehr unterschiedlich sind und jeder sich auf unterschiedliche Aspekte fokussiert, was neue Ideen ermöglicht. Ich denke, die Kombination aus Natur und Technik ist ein gutes Thema für dieses Programm, da es einen freien Umgang ermöglicht und auf eine enge Eingrenzung verzichtet.“

Mimi Dimitra Anastasiadou (20 Jahre)  Studentin der Aristoteles - Universität Thessaloniki / Fakultät der Bildenden Künste
„Von Natur aus versucht der Mensch die Welt, die ihn Umgibt, zu verstehen, und von ihr zu profitieren. Er observiert und untersucht Mikrokosmos und Makrokosmos und formuliert daraus Gesetze, die das Universum interpretieren. Inspiriert von diesen Denkrichtungen, von der griechischen Philosophie und den technologischen Errungenschaften des 6. Jh. v. Chr. zur Zeit des Eupalinus, benutzte ich die sich wiederholenden geometrischen Muster, um das Chaos zu interpretieren. Griechische Wörter und Buchstaben drehen sich in und um die perfekte Form: den Kreis. Lebenswichtige Organe, Pflanzen und Wolken sind miteinander verbunden und interagieren physisch oder mechanisch, so wie der Mensch seine Natur einschätzt.“

Maren Langer  (26 Jahre) Graduierte, Studium der Visuellen Kommunikation und Mode
„In Zeiten des Krieges und der sozialen Ungerechtigkeit begeben sich die Menschen auf eine Odyssee über das Meer, um ein neues Zuhause in der Welt zu finden. Massenvölkerwanderung bedeutet auch, dass Millionen von Menschen ihre Identität aufgeben um eine neue zu finden. Gesellschaften verschieben sich und nationale Grenzen werden irrelevant. Lasst uns Brücken über das Meer bauen, Tunnel durch die Berge graben und Hindernisse überwinden, um eine neue vereinte Gesellschaft zu formen. Die Arbeit ist ein Manifest in 24 Passagen, inspiriert von Homers Odyssee Epos. Die Aktualität des Werks wird sichtbar: Wir sind seit tausenden von Jahren mit den gleichen Problemen konfrontiert – das Aushandeln von Bedingungen und Grenzen ist ein fortlaufender Prozess.“



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