Elisabeth Lüdeking

Über Griechenland, Israel und Polen in die ganze Welt

So vielfältig wie seine Mitgliedsorganisationen sind, so vielfältig ist auch die internationale Arbeit, die im Bund der Deutschen Katholischen Jugend seit 70 Jahren geleistet wird. Die ersten Kontakte nach Griechenland reichen in die 1950er Jahren zurück.

Doppelseite einer alten Zeitschrift. Rechts ist das Wort Griechenland zu lesen und Säulen eines Tempels sichtbar, links ist ein Bild eines griechischen Inseldorfes.
In BDKJ-Verbandszeitschriften findet man bereits in den 1950er Jahren Spuren nach Griechenland. BildImage: Archiv BDKJ-Bundesstelle


Elisabeth Lüdeking, Bild: BDKJ-Bundesstelle

Seit Beginn des Jahres 2016 ist Elisabeth Lüdeking Referentin für internationale Jugendarbeit an der BDKJ-Bundesstelle. Während ihres Studiums der Slawistik und Politik in Leipzig und St. Petersburg engagierte sie sich insbesondere im Austausch zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Osteuropa. Zusammen mit der Förderabteilung des Jugendhauses Düsseldorf, der Bundeszentrale für katholische Jugendarbeit, steht Elisabeth Lüdeking als Ansprechpartnerin für Träger der internationalen Jugendarbeit zur Verfügung.

Griechenland-Special 2017

Fakten, Förderung, Kontakte

Deutsch-Griechisches Jugendforum

Fachtag Politische Bildung

Griechische Jugend

Kirchliche Jugendarbeit

Schulischer Austausch

"Katholisch. politisch. aktiv." Seit seiner Gründung 1947 sind das die drei Schlagworte, die die Arbeit des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) bestimmen. Als Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden, in denen rund 660.000 Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 28 Jahren organisiert sind, vertritt er die Interessen seiner Mitglieder in Politik, Kirche und Gesellschaft. Der BDKJ ist dabei gesellschaftliche Kraft in der Kirche und wirkt außerdem bei der Entwicklung von Gesellschaft, Staat und internationalen Beziehungen mit. Als junge Katholikinnen und Katholiken wissen wir, dass auch unsere Glaubensgemeinschaft nicht an der nächsten Staatsgrenze endet, sondern wir Teil einer weltumfassenden Gemeinschaft sind. Fachkräfteaustausche zwischen Gruppenleiter(inne)n, Internationale Weltjugendtage oder europäische Verbandstreffen, gemeinsames Eintreten für Gerechtigkeit und Solidarität, die Auseinandersetzung mit kritischem Konsum und weltweiten Mädchen- und Frauenrechten mit Christinnen und Christen aus Indien, Australien, Spanien und Lateinamerika sind Beispiele für unser internationales Profil. Gemeinsame Erfahrungen, gemeinsam gelebter Glaube, Projekterfolge und auch kritische Diskussionen über die unterschiedlichen (kirchen-)politischen Standpunkte prägen Menschen, die an solchen Maßnahmen teilgenommen haben, oft ein Leben lang.

Frühe Verbindungen nach Griechenland

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wird in diesem Jahr 70 Jahre alt und setzt sich seither gegen nationalistische und fremdenfeindliche Haltungen ein und leistet seit vielen Jahrzehnten einen Beitrag für den Umgang mit kultureller Vielfalt, Verständigung und Versöhnung. Insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren organisierte der BDKJ Jugendaustausche und freiwillige Hilfsdienste nach Israel und Gedenkstättenfahrten und Wallfahrten nach Auschwitz und Theresienstadt. Stöbert man durch das Verbandsarchiv findet man bereits in den 1950er Jahren erste Spuren der Verbindung nach Griechenland. So gab es etwa in Verbandszeitschriften von 1958 neben Berichten über Fachkräftereisen einen Spendenaufruf für den Bau eines Kinderheims in Nea Makri. Für das von griechisch-katholischen Schwestern gegründete Haus, das bis heute unter dem Namen Pammacaristos Stiftung existiert, kamen 1.000 DM zusammen, für die damalige Zeit eine stattliche Summe.

Vor allem aber der internationale Austausch ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des BDKJ. Der BDKJ unterstützt, fördert und berät seine Mitgliedsverbände rund um die internationale Begegnung. Als Dachverband steht er seinen Mitgliedern als Ansprechpartner zur Verfügung und setzt Impulse für die internationale Arbeit in seinen Strukturen. So organisiert der BDKJ Fachkräfteaustausche, unterstützt bei der Suche nach einem geeigneten Partner im Ausland und berät konkret bei Förderfragen und bei der inhaltlichen Organisation von Austauschen, die von den Mitgliedsorganisationen und ihren Gliederungen letztendlich umgesetzt werden.

Katholische Jugendorganisationen in Deutschland und weltweit

Die Jugendverbände im BDKJ sind selbstorganisiert, handeln eigenverantwortlich und demokratisch. Sie wählen ihre Leitungen selbst und entscheiden gemeinsam über die Gestaltung ihres Verbandes. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), die Katholische Landjugendbewegung (KLJB), die Katholische Studierendenjugend (KSJ) und die Christliche Arbeiterjugend (CAJ). Sie wollen junge Menschen zu kritischem Urteil und eigenständigem Handeln aus christlicher Verantwortung befähigen und anregen. Dazu gehört der Einsatz für eine gerechte und solidarische Welt. Die BDKJ-Mitgliedsverbände sind zugleich in ihren europäischen und internationalen Dachverbänden organisiert und vernetzen sich so mit katholischen Jugendorganisationen weltweit, gestalten gemeinsam Kirche und Gesellschaft und vertreten die Interessen ihrer jugendlichen Mitglieder über nationale Grenzen hinweg.

Interkulturelle Vorbereitung auf die Studienreise für deutsche Fachkräfte nach Griechenland, 1954

Gemeinsame Erfahrungen junger Menschen leisten einen Beitrag zum friedlichen Miteinander und der Versöhnung von Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Religionen. Bereits im Programm einer Studienreise für Fachkräfte des BDKJ nach Griechenland im Jahr 1954 erfolgte der Versuch, eine erste Brücke zum interkulturellen Verständnis zu schlagen. Es enthält Verhaltenstipps für Reisende (z. B. „Habt es nie eilig, oder zeigt es nicht, denn in Griechenland hat man Zeit.“), die Lesende heute vielleicht amüsiert zur Kenntnis nehmen, und doch ist es auch ein – wenn auch kleiner – Baustein zum interkulturellen Lernen. Erst durch die vertiefte Auseinandersetzung mit Menschen, die nicht nur in anderen kulturellen Zusammenhängen, sondern auch in anderen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen aufwachsen, erwächst das Verständnis füreinander.

Nicht zuletzt ermöglicht der Austausch für Katholikinnen und Katholiken, Weltkirche über die nationalen Grenzen hinaus zu erleben und in den interreligiösen Dialog zu treten. „Persönlich nehme ich aus dem Austausch die Erfahrungen mit, dass niemand, der eine (Pilger-)Reise tut, wie Thomas Morus schon sagte, ohne ein Vorurteil weniger und eine Idee mehr nach Hause zurückkehrt“, sagt Rebekka Biesenbach, geistliche Leitung bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) und dort für die internationale Zusammenarbeit zuständig. „Für uns als Christinnen und Christen ist es wichtig, internationale Jugendbegegnungen durchzuführen, weil es neue Perspektiven eröffnet, im kulturellen, politischen und religiösen Bereich. Genau dieses Wissen, der Austausch und der persönliche Kontakt helfen dabei, Vorurteile abzubauen, Partnerschaften zu entfachen, Austausch zu ermöglichen und gemeinsam an einer friedlichen und gerechten Welt zu arbeiten in der jeder Mensch seine Würde und Freiheit leben kann.“

So vielfältig wie seine Mitglieder sind, so vielfältig ist auch die internationale Arbeit, die im BDKJ geleistet wird. Die Partner gibt es weltweit, insbesondere im europäischen Ausland, aber auch in Südamerika und auf dem afrikanischen Kontinent. Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) im Erzbistum Paderborn steht beispielsweise bereits seit Anfang der 1990er Jahre im intensiven Austausch mit der sambischen Landjugend. Bei den Begegnungen setzen sich Jugendliche und Fachkräfte der Jugendarbeit aus Deutschland und Sambia gemeinsam mit Themen wie dem Klimawandel oder Berufsperspektiven für Jugendliche im ländlichen Raum auseinander.

Austausch mit Osteuropa

„Zwischenmenschliche Kontakte, freundschaftliche Beziehungen, also das Praktizieren der Nächstenliebe sollte für uns Christinnen und Christen einen besonders hohen Stellenwert haben. In unserem nächsten Umfeld gelingt es uns meist leicht, Freundschaften aufzubauen. Internationale Freundschaften hingegen entstehen nicht so einfach. Sie sind jedoch genauso wichtig. Deshalb möchten wir mit unseren internationalen Jugendbegegnungen einen kleinen Teil zum Aufbau grenzübergreifender Kontakte beitragen“, sagt Olivia Block. Sie ist politischer Vorstand bei der „Aktion West-Ost“ einer Mitgliedsorganisation des BDKJ, die traditionell einen engen Austausch mit Partnern in osteuropäischen Ländern pflegt.

Seit Ende der 1970er lebte der Austausch mit Ländern im Osten Europas auf. Es fanden Fahrten in die DDR, nach Polen und in die Tschechoslowakei statt. Auch heute noch spielt der Austausch mit den Nachbarn Osteuropas insbesondere in den Grenzregionen eine wichtige Rolle. Der Diözesanverband Görlitz steht beispielsweise im engen Kontakt zu Jugendlichen im benachbarten Polen. Ganz alltäglich wird dies in der Zusammenarbeit bei jährlich stattfindenden deutsch-polnischen Workshops zu Ökologie und  Weihnachtssingerwochen gelebt. Die letzte 72-Stunden-Aktion des BDKJ, bei der junge Menschen deutschlandweit drei Tage lang im Einsatz für das bürgerschaftliche Engagement im Land sind, wurde in deutsch-polnischer Zusammenarbeit absolviert. „Als Brückenbistum ist uns der Kontakt zu unseren Nachbarn in Polen sehr wichtig. Daher engagiert sich unser Verband in Projekten und Begegnungen dieser Art. Wir wollen den Jugendlichen aus Deutschland und Polen die Möglichkeit der Begegnung geben“, so der Jugendbildungsreferent des BDKJ Görlitz Arkadiusz Müller, der die Begegnungen in den vergangenen Jahren intensiv begleitet hat.

Internationaler Weltjugendtag

Anlass für die Begegnung gibt es immer auch am Rande des internationalen Weltjugendtags der römisch-katholischen Kirche, der seit den 1980er Jahren alle zwei bis drei Jahre stattfindet. Im Vorfeld finden jedes Mal die „Tage der Begegnung“ statt. Im letzten Jahr war Krakau Austragungsort des Weltjugendtags. Zu den „Tagen der Begegnung“ reisten rund 3.000 deutsche Jugendliche in die verschiedenen polnischen Bistümer, um dort mit Jugendlichen anderer Nationen Einblicke in die Kultur des Gastlandes zu erhalten und damit die europäische und internationale Solidarität zu stärken. Ein Forum für die Begegnung und Diskussion zwischen Jugendlichen aus der ganzen Welt bot auch das „International Youth Hearing“, das im Rahmen des Weltjugendtags stattfand. Zahlreiche junge Menschen diskutierten dabei über den Zusammenhang ihres Glaubens mit einem Engagement für eine gerechte Welt. Beim „International Youth Hearing“, welches der BDKJ und die polnische katholische Jugendorganisation Katolickie Stowarzyszenie Młodzieży (KSM) gemeinschaftlich organisiert haben, ging es ausgehend vom Leitwort „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ auch um die Frage der Bedürfnisse von geflüchteten Menschen in Europa und welchen Beitrag Kirche und Staaten für einen menschenfreundlichen Umgang leisten können.

"Katholisch, politisch, aktiv" – dieses Motto wird nicht nur in der nationalen, sondern auch in der internationalen Jugendarbeit des BDKJ und seiner Jugendverbände seit 70 Jahren gelebt. Und weil die großen Fragen und Herausforderungen nur europa- und weltweit gelöst werden können, wird der BDKJ auch weiterhin sein internationales Profil bewahren –  auf die nächsten 70 Jahre!



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