Maria Melina Laina

Vision Network Athens: „Die Zivilgesellschaft ist da und hat viel zu sagen“

Vision Network Athens hat im März 2017 erstmals am Deutsch-Griechischen Forum teilgenommen und hat gleich 4 Projektkonzepte in Zusammenarbeit mit deutschen Partnerorganisationen mitgenommen. Maria Melina Laina berichtet, was das Forum für ihre Organisation, die sich für den deutsch-griechischen Kulturaustausch einsetzt, bewirkt hat.

Zuhörer einer Veranstaltung sitzen hinter Glastüren.
Beim Deutsch-Griechischen Jugendforum in Thessaloniki BildImage: Till Holland


Maria Melina Laina, Bild: privat

Maria Melina Laina ist Deutschlehrerin im öffentlichen Dienst und promoviert zur Zeit an der Universität Athen. Sie ist Lizenzmediatorin des griechischen Ministeriums für Justiz, Transparenz und Menschenrechte und Vorsitzende des Vision Network Athens e.V..

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Der Schlüssel zur Völkerverständigung ist das Feuer bzw. das Entzünden des Feuers. Diese Erkenntnis hat meine Lebensperspektive verändert. In einer Zeit, in der sich Ideen mit Lichtgeschwindigkeit in alle Welt verbreiten lassen und sich in Millionen von Gehirnen festsetzen können, ist es ganz entscheidend zu wissen, wie wir sie auf den Weg bringen können. Das markiert die Wende für jede Art von Begegnungen, jede Art von Ideen. Was man neu erschaffen will, könnte eine Idee, eine besondere Betrachtungsweise, ein geistiges Konstrukt zum Mitnehmen bzw. zum Wertschätzen sein, was uns und unser Leben auf gewisse Weise verändert. Das war auch der Fall des 2. Deutsch-Griechischen Jugendforums 2017 in Thessaloniki.

Das Besondere am Jugendforum war nicht so sehr der Gedanke, dass sich Deutsche und Griech(inn)en in einem von Erasmus+ und Sonderprogramm geförderten Rahmen zusammenfinden. Das Besondere war vielmehr, dass es sich um einen Rahmen handelte, in dem sich Menschen sehr unterschiedlicher Disziplinen treffen und austauschen konnten. Diese gegenseitige Befruchtung konnte etwas in der Welt bewegen. Eine bilaterale vergleichende Betrachtung macht uns mit unterschiedlichen Wahrnehmungen und Abbildungen der geistigen und physischen Welt vertraut. Sie setzt voraus, dass wir Neugier auf das Fremde mitbringen, bereit sind, unsere Perspektive zu wechseln und evtl. auch unsere vorgefassten Ansichten zu transformieren. Auf dem Jugendforum wurde aufgezeigt, wie Vereine, Organisationen, Institute zu einer Image-Veränderung beitragen können. Dabei wurden neue Konzepte für deutsch-griechische Begegnungen im interkulturellen Sinne vorgestellt.

Wir sind daran gewöhnt, dass diese Image-Veränderung eher von oben gemacht wird, nicht aber, dass wir sie mitkonstruieren und mitbestimmen können. Der gemeinnützige Verein Vision Network Athens hat eine Vision: Die Zivilgesellschaft kann Kulturpolitik mitgestalten. Und genau darin besteht die Rolle des bürgerlichen Engagements. Vision Network Athens, deutsch-griechische Begegnungen, ist ein frischgegründeter gemeinnütziger Verein auf der Basis der griechisch-deutschsprachigen Beziehungen in den Bereichen Kultur, Bildung, Wissenschaften. Der Ausgangspunkt des Vereins ist die Einsicht, dass internationale Gesinnung, Völkerverständigung, soziale Integration und Toleranz von existentieller Bedeutung sein sollten. Auch die Entwicklung eines gemeinsamen Europäischen Bewusstseins ist von größter Bedeutung.

Und das klappte auf dem 2. Deutsch-Griechischen Jugendforum. Die Vision des Forums stiftete die Beteiligten an, zum Fenster hinaus in eine fremde Welt zu klettern, gab ihnen neue Brillen, mit denen das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen erkannt wurde und zwar das typisch Deutsche im Griechischen und das typisch Griechische im Deutschen. Das Forum gestaltete eine Art von Reise, die zur Entdeckung, zur Erklärungstour, zum Miteinandersein, zum Mitmachen führte. Die Beteiligten wurden an einen gemeinsamen Ort gebracht, wo sie freien Austausch genossen und den Ausgangspunkt zukünftiger deutsch-griechischer Zusammenarbeit entdecken konnten bzw. durften, was tragfähige Brücken zwischen den Völkern baut. So war es eine Art von stiller Revolution seitens der Beteiligten, die eine Welt nach den Bedürfnissen der Zivilgesellschaft im deutschsprachigen und griechischsprachigen Raum schaffen wollten. Ideenvermittlung, die darüber hinausgeht, die zu einem Geistesgut, zu einem Mehrwert umzuwandeln ist.

Was für Gedanken machen Sie sich zu diesem Punkt? Würden Sie die dargestellte Situation als entsetzlich oder interessant bezüglich der deutsch-griechischen Beziehungen bezeichnen? Machen Sie sich keine Sorgen! Sie brauchen nicht auf die Fragen zu antworten, denn auf dem Jugendforum setzte sich allem Anschein nach in vielen Gruppen eine bestimmte Form des gesellschaftlichen Austauschs durch: das Erzählen. Das Erzählen von Erfahrungen, Fehlfunktionen und zukünftigen Projektkonzepten. Das war also kein bloßer Zeitvertreib, wenn es um „Geschenke“ geht und zwar: Erkenntnisse, Lektionen, neue Perspektiven, Hintergründe oder auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und diese Reise quer durch das 2. Deutsch-Griechische Jugendforum, durch das vielfältige erlebnis- und bildungsreiche Haupt- und Rahmenprogramm und die Vernetzungspausen vermittelte eine überzeugende Lektion in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland: Die Zivilgesellschaft ist da und hat viel zu sagen. Jede Station auf dieser Reise war auf solche Weise entwickelt, dass die Beteiligten nicht nur neue Inhalte kennenlernten, sondern das Programm wie einen durchgehenden Prozess spürten. Neuer Mittelpunkt für dieses soziale Miteinander war das „Feuer“, in dem Sinne der Leidenschaft und der innerlichen Bedürfnisse, der aktiven Bürger, die im Schein und in der Wärme des Feuers gemeinsame Kommunikationsaxen als Schlüssel zur Völkerverständigung erkannten, von gemeinsamen Gehwegen träumten und Fehlfunktionen zu verbessern versuchten. In diesem Sinne hat das 2. Deutsch-Griechische Jugendforum 2017 in Thessaloniki die Perspektive der Beteiligten im Bezug auf die Zukunft und die Nachhaltigkeit in den deutsch-griechischen Beziehungen verändert.

Das Entscheidende ist, dass diese Art von Foren als Ort des Gedankenaustauschs erhalten bleiben sollten. Was wir alle festgestellt haben, war: „Wir, alle haben etwas zu sagen” und das bleibt auf jeden Fall erhalten. Sie geben die Möglichkeit etwas bewirken zu können nicht nur, indem sie Menschen erreichen, sondern indem sie Gespräche anstoßen und die Beteiligten ermutigen, ihre Komfortzonen zu verlassen, der Welt Fragen und Denkanstöße zu geben, was eigentlich zum Nachhaltigkeitsprinzip mitzählt. Kommen Sie! Lassen Sie uns etwas gemeinsam erschaffen!

Bis zum nächsten Jugendforum in Köln 2018!

Weitere Ideen, Vorschläge, Fragen?
E-Mail: visionnetworkathens@DontReadMegmail.com
Facebook: https://www.facebook.com/visionnetworkathens/



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