Dorothea Wünsch

40 Jahre deutsch-japanische Studienprogramme und 150 Jahre diplomatische Beziehungen

2011 steht im Zeichen der deutsch-japanischen Freundschaft, deren 150jähriges Jubiläum dieses Jahr begangen wird. Auch die internationale Jugendarbeit blickt auf eine enge, langjährige Zusammenarbeit mit Japan zurück. Das 40jährige Bestehen der jugendpolitischen Zusammenarbeit wird am 29. und 30. November 2011 in Berlin mit einer Fachtagung und einem Festakt gewürdigt.

Empfang beim Bürgermeister von Ohme in Japan 1969 BildImage: K.H.Zwenzner

Schon seit 150 Jahren bestehen diplomatische Beziehungen. Nach ersten Jugendbegegnungen in den 1960er Jahren entwickelte sich mit dem „Deutsch-Japanischen Studienprogramm“ seit 1971 eine intensive jugendpolitische Zusammenarbeit. Deren 40jähriges Bestehen wird mit einer Fachkonferenz und einem Festakt zum Abschluss des Jubiläumsjahres in Berlin gewürdigt.

Die Anfänge der Beziehungen liegen in einer Phase der außenpolitischen Öffnung des ostasiatischen Staates. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts hatte Japan in Folge der Politik der Abschließung kaum Kontakte zum Ausland. Das Jahr 1853 markiert einen Wendepunkt in der japanischen Geschichte. Ausländische Delegationen kamen nach Japan und suchten den Kontakt zu japanischen Partnern. Anlässlich des Besuches einer deutschen Delegation wurde am 24. Januar 1861 der erste Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem damaligen Preußen und Japan unterzeichnet. Dieser Vertrag bildet den Grundstein für die freundschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und Japan.

Kulturabkommen als Basis der jugendpolitischen Zusammenarbeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen Japan und Deutschland 1955 wieder diplomatische Beziehungen auf. Als Folge des schnellen Wirtschaftswachstums in beiden Staaten kam es seit Mitte der 60er Jahre zu einem rasanten Wachstum des bilateralen Handels und zu einer Wiederaufnahme des kulturellen und wissenschaftlichen Austauschs. 1957 wurde das Kulturabkommen zwischen Deutschland und Japan unterzeichnet, das die Grundlage der jugendpolitischen Zusammenarbeit bildet. Anlässlich der Olympischen Spiele in Tokyo 1964 wurde ein Begegnungsprogramm für deutsche Jugendliche in Japan organisiert. Aus der „Olympia-Fahrt der Deutschen Jugend“ wurde ein von beiden Regierungen gefördertes offizielles Jugendbegegnungsprogramm „Japanfahrt der deutschen Jugend“ bzw. „Deutschlandfahrt der japanischen Jugend“.

1971 kam als zentrales Element der jugendpolitischen Zusammenarbeit der Fachkräfteaustausch hinzu. Das „Deutsch-Japanische Studienprogramm“ wird von IJAB im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführt, bis 2004 in Kooperation mit der japanischen Partnerorganisation World Youth Visit Exchange Association (WYVEA). Seit 2005 mit etwas veränderter Programmstruktur auf deutscher Seite gemeinsam mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) und der japanische Partnerorganisation National Institution for Youth Education (NIYE). Während der zweimal jährlich stattfinden bilateralen Gespräche zwischen dem BMFSFJ und dem Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) werden die Themen und Inhalte der Zusammenarbeit besprochen. Sie beziehen sich auf Fragestellungen, die in beiden Ländern aktuell sind und für die im fachlichen Austausch Anregungen und Antworten gefunden werden können.
Das Studienprogramm hat in den vergangenen Jahrzehnten die jugendpolitische Zusammenarbeit mit Japan wesentlich geprägt und zu vielen weiteren Verbindungen geführt. Die gesellschaftlichen Veränderungen haben zum Teil gleichartige Problemstellungen in Japan und Deutschland zur Folge. Das macht den Austausch im jugendpolitischen Bereich wichtig und wertvoll. Im Fokus der IJAB-Aktivitäten der letzten Jahre standen die Themen „Jugendmedienschutz/Jugendmedienkompetenz“ und „Systeme und Methoden früher Förderung“, aus denen wichtige Impulse für die Jugendarbeit in Deutschland abgeleitet wurden.  Die sehr positiv bewertete Zusammenarbeit spiegelt sich auch in der wiederholten Einladung des BMFSFJ durch  das japanische Cabinett Office wider, sich am Multilateralen Austauschprogramm des Büros des Japanischen Ministerpräsidenten zu beteiligen. IJAB koordiniert und gestaltet diesen Austausch für das Bundesjugendministerium.

Festakt zum 40jährigen Bestehen

Das Jahr 2011 stand mit zahlreichen Veranstaltungen im Zeichen der deutsch-japanischen Freundschaft. Nach den dramatischen Ereignissen in Japan im März haben Deutsche und Japaner sich entschlossen, durch zusätzliche Maßnahmen in den am meisten betroffenen Gebieten der Tohoku-Region praktische Solidarität zu üben. Auch die jugendpolitischen Studienprogramme fanden statt. Höhepunkt der jugendpolitischen Zusammenarbeit im Jahr 2011 bildet nun die Deutsch-Japanische Fachkonferenz in Berlin. Unter dem Thema „Kinder und Jugendliche stärken: Der Beitrag des non-formalen Lernens zur Stärkung junger Menschen“ diskutieren japanische und deutsche Fachkräfte ihre Erfahrungen aus den diesjährigen Studienprogrammen. Auf deutscher Seite sind neben IJAB und dem JDZB auch die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V., das Deutsche Jugendherbergswerk und die Deutsche Sportjugend beteiligt. Die Fachkonferenz leistet einen sichtbaren Beitrag des themenorientierten deutsch-japanischen Austausches von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe zum 150jährigen Jubiläum der deutsch-japanischen Beziehungen. 

Das 40jährige Bestehen des Deutsch-Japanischen Studienprogramms findet Würdigung mit einem Festakt im Rahmen der Konferenz und einer Bilanz der fachlichen Zusammenarbeit in den letzten Jahren mit ihren wichtigen Impulsen für die jeweilige Jugendarbeit. Zum Festakt sprechen Staatssekretar Josef Hecken (BMFSFJ) und der japanische Botschafter Dr. Takahiro Shinyo.



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