Dorothea Wünsch

Deutsch-Japanischer Fachkräfteaustausch im Bereich Frühkindliche Bildung

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um eine familien- und kindgerechte Kleinkindbetreuung mit Bildungsanspruch ist in der Zusammenarbeit mit Japan in den Jahren von 2008 bis 2010 das Thema „Lebenskompetenz fördern – Systeme und Methoden früher (Kinder)Förderung“ bearbeitet worden.

BildImage: CENTERYE

Die Nachfrage nach frühkindlicher Betreuung ist in Deutschland bedingt durch einen Wandel der Gesellschaftsstrukturen in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Neben einer hohen Zahl von alleinerziehenden Elternteilen, die auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, sind es nun besonders besser ausgebildete Mütter, die Betreuungsplätze suchen, um Kinder und berufliche Karriere besser vereinbaren zu können. Neben Kindergarten- und Hortplätzen mit Bildungsanspruch werden zunehmend Plätze in Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren nachgefragt. Die Betreuungseinrichtungen werden nicht mehr nur als hilfreiche Ergänzung zur Familie betrachtet, sondern verstärkt als vorschulische Bildungseinrichtung gesehen. Zentrale Bildungsinhalte und Vermittlungsmethoden werden zunehmend entwickelt und bezüglich Qualität und Umsetzung in Bildungsplänen festgeschrieben. Die Diskussion um Aufwertung der Ausbildung und Qualifizierung der Fachkräfte geht damit einher.

Auch in Japan werden aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen, wie unter anderem nachlassende Funktionsfähigkeit intergenerationaler und nachbarschaftlicher Unterstützungssysteme, zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen, sinkende Geburtenraten, verschärfter Wettbewerb in Bezug auf Bildung und Arbeit, neue Herausforderungen sichtbar. Diese erfordern Anpassungen im Bereich der frühkindlichen Betreuung und Bildung.

Bislang existierten neben den vom japanischen Bildungsministerium (MEXT) beaufsichtigten Kindergärten für 3- bis 6-Jährige Kindertagesstätten im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsministeriums (MHLW) für 0- bis 6-Jährige Kinder. Gesetzliche Änderungen und politische Zielsetzungen in den letzten Jahren haben die Bedeutung des frühkindlichen Bildungs- und Erziehungssystems und die Unterstützung für die Eltern betont. Als neue Entwicklung wird dabei die Zusammenlegung von Kindergärten und Kindertagesstätten zur Verbesserung des Bildungsniveaus und zum Ausbau der Betreuungszeiten vorangetrieben. Der Fokus wird zudem auf eine stärkere Ausrichtung der Kindertageseinrichtungen hin zur Unterstützung der Eltern beziehungsweise Familien und des Wohnumfeldes in ihrer Erziehungskompetenz gelegt. Neben dem Leitbild der Förderung der Lebenskompetenz gewinnt das Leitbild der Kontinuität des Lernens an Bedeutung, das sich unter anderem auch in einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtung und Schule ausdrückt. Im Mittelpunkt des Austausches im Jahr 2010 stand daher auch die Übergangsphase Kindertagesstätte-Grundschule.

Die unterschiedlichen strukturellen Gegebenheiten und Ansätze boten vielfältige Möglichkeiten für Austausch und Diskussion zwischen deutschen und japanischen Fachkräften. Die deutschen Teilnehmenden hatten die Aufgabenstellung, die gewonnenen Facherfahrungen über ihren persönlichen Nutzen hinaus thematisch in einem Bericht so aufzubereiten, dass interessierte Fachkolleg(inn)en in Deutschland auch davon profitieren können und so die Nachhaltigkeit des Programms abgesichert werden kann. Die entsprechenden Dokumentationen stehen nachfolgend zum Download bereit: 2010, 2009, 2008.



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