Cathrin Piesche

Dokumentation der multilaterale Konferenz „Wirkungen von internationalem Jugendaustausch auf Demokratie und Zivilgesellschaft” veröffentlicht

Auf Einladung von IJAB erarbeiteten 40 Fachkräfte der Jugendarbeit aus Ägypten, Deutschland, Marokko und Tunesien auf dieser Konferenz, die vom 28. bis 30. November 2015 in Bonn stattfand, gemeinsame Empfehlungen für den künftigen internationalen Jugendaustausch im Rahmen der Transformationspartnerschaften zwischen Deutschland und Ägypten, Marokko sowie Tunesien. Die Dokumentation mit den wichtigsten Ergebnissen steht allen Interessierten nun zum Download zur Verfügung.

BildImage: Jörg Heupel

Mit dem Arabischen Frühling stiegen 2011 die Erwartungen an ein neues demokratisches Zeitalter in der arabischen Welt. Der Wandel in den arabischen Ländern wurde aus den Zivilgesellschaften heraus erkämpft und besonders von der Jugend getragen. Auch ohne Regimewechsel, wie z.B. in Marokko, haben die Proteste der jungen Menschen deutliche Auswirkungen auf die Herrschaftssysteme gezeigt. Vier Jahre später hingegen befindet sich die arabische Welt nicht in einem Prozess kollektiver Demokratisierung, sondern jedes Land durchlebt seinen eigenen Transformationsprozess.

Die Jugend in Nordafrika sieht sich mit zahlreichen Problemen und Herausforderungen konfrontiert, an denen sich auch durch die Umbrüche der letzten Jahre wenig geändert hat. Die jungen Menschen sind heute trotz ihrer entscheidenden Rolle in den Protestbewegungen des Arabischen Frühlings kaum oder gar nicht in den neuen politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen vertreten. Die geringe politische Repräsentanz für ihre Anliegen, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Missachtung von Menschenrechten und mangelnde persönliche Perspektiven hemmen die Entfaltungsmöglichkeiten von jungen Menschen und besonders jungen Frauen. Viele junge Menschen versuchen daher nach Europa zu entkommen oder schließen sich radikalen Gruppierungen an. Für die Zukunft Nordafrikas und die weitere Gestaltung der Transformationsprozesse werden berufliche Perspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe der jungen Generation entscheidend sein. Gerade für Letzteres bedarf es geeigneter Lernfelder und Modelle, die als Vorbilder dienen können. Junge Menschen müssen selbst erfahren, wie gelebte Demokratie funktionieren kann und welcher Instrumente und Strukturen es bedarf.

Das Auswärtige Amt in Deutschland unterstützt seit 2011 die Stärkung demokratischer Strukturen und die Achtung der Menschenrechte im Rahmen von Transformationspartnerschaften mit Ländern in Nordafrika. Wirtschaftliche Belebung und Schaffung eines auf politischem Konsens beruhenden rechtlichen und institutionellen Rahmens stellen die größten Herausforderungen für Transformationsländer dar. Hier setzt die Unterstützung Deutschlands an, die sich an folgenden Zielen orientiert:

  • Stärkung politischer Inklusion sowie demokratischer, rechtstaatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen
  • Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung
  • Förderung der Menschenrechte
  • Werben für europäische Werte und Heranführung an den europäischen Wirtschafts- und Rechtsraum
  • Verbesserte Koordinierung europäischer und internationaler Ressourcen

Aus den Mitteln der Transformationspartnerschaften stellt das Auswärtige Amt seit 2012 auch Gelder für den Jugendaustausch zur Verfügung. Der internationale Jugendaustausch ermöglicht ein voneinander Lernen und kann einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Zivilgesellschaft und Demokratie leisten. Die Teilhabe junger Menschen an der Gesellschaft ist ein wesentliches Ziel der internationalen Jugendarbeit. Ihre Methoden sind partizipativ und ressourcenorientiert. Die Begegnung und der Austausch auf Augenhöhe gehören zu ihrem Grundverständnis. Es geht um Verständigung, die Förderung von Toleranz und den Abbau von Vorurteilen. Diskriminierung, Rassismus und Extremismus soll damit entgegengewirkt werden.

Dabei haben nicht nur die nordafrikanischen Partner etwas zu lernen, sondern gleichermaßen auch Deutschland und Europa. Die Terroranschläge von Paris und Brüssel sowie die Herausforderung der Inklusion junger Geflüchteter auch aus Nordafrika machen deutlich, dass Probleme nicht nur von einer Seite des Mittelmeers her betrachtet werden können. Die bestehenden Herausforderungen sind das Ergebnis eines Interaktionsprozesses aller beteiligten Seiten und können folglich auch nur gemeinsam gelöst werden. Partnerschaftlichen, zivilgesellschaftlichen Projekten kommt daher eine besondere Rolle beim Aufzeigen von Lösungsansätzen zu.

Nachdem seit 2012 mit Mitteln des Auswärtigen Amtes zahlreiche Projekte von deutschen Trägern der Jugendarbeit mit Partnern in Ägypten, Marokko und Tunesien durchgeführt wurden, sollte nun im Rahmen einer multilateralen Konferenz Bilanz gezogen werden.

Die Konferenz, die vom 27.-30.11.2015 in Bonn stattfand, hatte zum Ziel, bisherige Entwicklungen zu beleuchten und Empfehlungen für die künftige Zusammenarbeit zu erarbeiten: Inwiefern hat sich die gesellschaftliche Teilhabe durch internationalen Jugendaustausch konkret verbessert? Wie steht es um das zivilgesellschaftliche Engagement in Tunesien, Marokko und Ägypten? Wie ist die konkrete Situation junger Menschen? Was kann der internationale Jugendaustausch zum Gelingen des Demokratisierungsprozesses beitragen? Diese und weitere Fragen waren Gegenstand der von IJAB durchgeführten Konferenz. Auf der Basis der gemachten Erfahrungen und des weiteren Bedarfs sollten Gelingensbedingungen und Perspektiven entwickelt werden, die für die Entwicklungen in den nordafrikanischen Ländern im Jugendbereich förderlich sind. Diese Aspekte sollen Eingang finden in künftige Jugendprojekte im Rahmen der Transformationspartnerschaften.

Eingeladen waren Träger von Austauschprojekten im Jugendbereich gemeinsam mit ihren ausländischen Partnern. Rund 40 Personen aus Ägypten, Marokko, Tunesien und Deutschland nahmen teil.

[Aus der Einleitung der Dokumentation]

Die Dokumentation der Konferenz kann nun kostenlos heruntergeladen werden:

>> Download Dokumentation „Wirkungen von internationalem Jugendaustausch auf Demokratie und Zivilgesellschaft” (PDF)

الوثائق
المؤتمر متعدد الأطراف
"تأثير التبادل الشبابي الدولي على الديمقراطية
والمجتمع المدني"



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