Christian Herrmann

25 Jahre Eurodesk-Mobilitätsberatung: Der Blick bleibt nach vorne gerichtet

Vor 25 Jahren wurde das europäische Mobilitätsberatungsnetzwerk Eurodesk in Edinburgh gegründet. Aus dem ehemaligen schottischen Regionalprojekt ist ein Netzwerk mit Koordinierungsstellen in 34 Ländern und über 1.200 Servicestellen vor Ort gewachsen. Beim Eurodesk-Summit in Brüssel war man in Feierlaune und machte sich zugleich über neue Herausforderungen Gedanken.

Bob Payne und Alekos Tsolakis
Bob Payne und Alekos Tsolakis: Die Eurodesk-Gründerväter beim Summit 2015 in Brüssel BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

„Vor 25 Jahren wurde ich in Schottland geboren, ich bin eigentlich Schotte“, so eröffnete Reinhard Schwalbach am 26. März vor etwa 60 Teilnehmer(inne)n den Eurodesk-Summit in Brüssel. Gemeint war natürlich nicht er selbst, sondern das Jugendberatungsnetzwerk, dem er als Präsident vorsteht. Seit 25 Jahren berät Eurodesk junge Leute zu Wegen ins Ausland – mit stetig wachsendem Erfolg und großer Resonanz.

Arbeitstreffen und nicht nur Feierstunde

Man hatte sich jedoch nicht nur zum Feiern getroffen. Ein Eurodesk-Summit ist vor allem ein Arbeitstreffen, das sich mit wechselnden Herausforderungen beschäftigen muss. Dazu gehören auch die Hindernisse bei grenzüberschreitenden Lernerfahrungen, über die Marianna Georgallis vom Europäischen Jugendforum – dem Zusammenschluss der europäischen Jugendverbände – berichtete. Georgallis definierte Jugendmobilität als das Recht und die Freiheit Grenzen zu überwinden. Dieses Recht habe nicht nur innerhalb der EU zu gelten, sondern auch für junge Menschen, die im Rahmen von Jugendaustausch, Praktika oder als Au-Pair nach Europa kommen möchten. Genau da aber tun sich die Probleme auf: Lange Wartezeiten, hohe Gebühren, zu viele Dokumente die beizubringen sind und unverständliche Ablehnungen bei der Visaerteilung. Das Europäische Jugendforum hatte mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament einen Dialog begonnen, der nun ins Stocken geraten ist.

Eine Schnittstelle von Eurodesk besteht in der Anbindung an die Jugendarbeit vor Ort – ein Arbeitsfeld, das in Europa sehr unterschiedlich aufgebaut ist. Von der Suche nach einem gemeinsamen europäischen Verständnis von Jugendarbeit berichtete Koen Lambert, dessen European Youth Work Convention Steering Group eine europaweite Konferenz vorbereitet, an deren Ende eine gemeinsame Erklärung zum europäischen Verständnis von Jugendarbeit stehen soll.

Einen Input zu Jugendinformation und Beschäftigungsfähigkeit lieferten Henric Sternquist und Pascale Woodruff vom Generaldirektorat für Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission. Das von ihnen entwickelte Portal DROP’PIN liefert erstmals eine Übersicht über Angebote zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit von Jugendlichen und vernetzt die Nutzer/-innen in einer Community.

Neue Herausforderungen nach den Terrorakten von Paris und Kopenhagen

Antonio Silva Mendes ist der designierte Leiter der Abteilung Jugend und Sport im Generaldirektorat Bildung und Kultur der Europäischen Kommission. Es spricht für den Stellenwert von Eurodesk, dass sich Mendes ausgiebig Zeit für die Eurodesk-Mitarbeiter/-innen nahm. „Ich gratuliere Ihnen zu 25 Jahren hervorragender Arbeit und zu dem leistungsfähigen Netzwerk, das Sie aufgebaut haben“, sagte Mendes. Dennoch dürfe man nicht nach hinten schauen, sondern nach vorne. „Wir stehen heute vor neuen Herausforderungen. Wir erleben junge Menschen, die die Schule abbrechen, wir sehen junge Menschen, die sich von der Gesellschaft abwenden. Wie können wir sie erreichen? Wir müssen einen Blick über den Tellerrand werfen, die Zusammenarbeit mit dem Sport und mit den Schulen suchen, Sektor übergreifende Projekte entwickeln.“ Bei Mendes Worten wurde auch eine thematische Verschiebung deutlich: „Bisher haben wir unser Augenmerk vor allem auf die Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen gerichtet. Nach den schrecklichen Geschehnissen von Paris und Kopenhagen müssen wir uns aber auch fragen, wie wir Radikalisierung verhindern und Inklusion fördern können. Am Ende wird das auch zur Beschäftigungsfähigkeit beitragen. Das ist die Herausforderung und dafür müssen wir mehr junge Menschen als jemals zuvor erreichen.“

Über die bisherige Reichweite – zumindest was das Europäische Jugendportal angeht – konnte Graeme Robertson Auskunft geben. Auf beachtliche 114.000 Likes bei Facebook hat man es inzwischen gebracht und das Portal selbst entwickelt sich analog erfolgreich und hat die Nutzer/-zahlen aus der Zeit vor dem Relaunch weit überflügelt.

Ein Lebenswerk

Und dann wurde es doch noch etwas feierlich. Sekt wurde gereicht und Präsident Reinhard Schwalbach ergriff das Wort. „Von einem kleinen Pflänzchen sind wir zu einem großen Netzwerk gewachsen, aus einem Projekt wurde eine Organisation.“ Dann stellte er zwei Menschen vor, die daran maßgeblich beteiligt waren: Bob Payne und Alekos Tsolakis.

Tsolakis begleitete Eurodesk von Anfang an vonseiten der Europäischen Kommission. „Was Eurodesk für mich bedeutet? Vielleicht, dass ich mich zum ersten Mal wirklich als Europäer gefühlt habe. Mein Chef sagte mir, schau dir mal was in Schottland an. Die machen da etwas mit Jugendinformation, das interessant ist. Also habe ich es mir angeschaut. Bob hat mich überzeugt und das lag nicht am guten Whisky. Seitdem haben wir das gemeinsam vertreten und das war nicht immer einfach. Aber die wichtigen Ideen kommen eben nicht immer aus London, Paris oder Berlin. Sie kommen manchmal aus anderen europäischen Regionen – aus Schottland zum Beispiel – und sind für alle in Europa nützlich.“

Bob Payne, der Günder und erste Direktor von Eurodesk, schloss sich an: „Wir haben etwas sehr Einfaches gemacht: In Schottland hat jeder Jugendarbeiter eine Qualifikation für Jugendinformation. Wer Jugendarbeit macht, betreibt gleichzeitig Jugendinformation. Und wir haben uns immer vor Augen gehalten, dass es nicht darauf ankommt, was andere denken, was junge Leute brauchen. Es kommt darauf an, was sie selbst glauben, zu brauchen. Das war der Grundgedanke.“

„Und daraus ist dann ein Lebenswerk geworden“, sagte Reinhard Schwalbach und nickte in Richtung Payne, „ich glaube das kann man so sagen, Bob“. Einen Moment lang war es still im Raum – ein Dank an jemanden, der etwas für die Jugend und Europa bewegt hat.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0


Eurodesk-Summit 2015 - 25 Jahre Eurodesk

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