Svenja Schumacher

Blick über den Tellerrand: Eurodesk Türkei zu Gast in Deutschland

Vom 3. bis 5. Juli informierten sich Netzwerkpartner von Eurodesk Türkei über die Jugendarbeit und ihre Rahmenbedingungen in Deutschland. Im Vordergrund standen der Erfahrungsaustausch im Bereich Jugendinformation sowie das Teilen von Best-Practice-Beispielen aus der Mobilitätsberatung. Auch Besuche lokaler Eurodesk-Servicestellen standen auf dem Programm – um die Multiplikator(inn)en auf europäischer Ebene zu vernetzen und die Vielfalt der Einrichtungen zu erkunden.

„Wir möchten mehr über die lokalen Bedingungen der Jugendinformation erfahren und sie mit den türkischen vergleichen”, formulierte Serkut Kizanlikli das Ansinnen seines Besuchs. Anfang Juli besuchte der Leiter der türkischen Eurodesk-Koordinierungsstelle gemeinsam mit sechs Netzwerkpartnern im Rahmen eines Studienaufenthalts Eurodesk Deutschland in der IJAB-Geschäftsstelle in Bonn. Das dreitägige Programm erlaubte den Gästen, die Strukturen der Jugendarbeit in Deutschland kennenzulernen und sich über Arbeitsmethoden auszutauschen. „Wie erreicht ihr eure Multiplikatoren?“ „Wie gewinnt ihr neue Partner?“ waren nur zwei der zahlreichen Fragen, die die Türken ihren deutschen Kolleg(inn)en stellten – und umgekehrt.

Am vergangenen Mittwoch lernten die Besucher/-innen IJAB kennen. Eurodesk Deutschland gab den türkischen Kolleg(inn)en einen Einblick in ihre Arbeit: Wie qualifiziert Eurodesk seine Partner? Welche Qualitätskriterien entwickelt das deutsche Netzwerk? Welche Veranstaltungen und Partneraktivitäten finden statt? Darüber hinaus stellte das Team die deutschen Informationsangebote vor: vom Informationsportal www.rausvonzuhaus.de mit seinen Embedding-Funktionalitäten über Eurodesk.tv bis hin zum Online-Auslandsberater, Social-Media-Aktivitäten und den diversen Print-Publikationen.

Am Nachmittag widmete sich Nadine Karbach, IJAB, dem Thema ePartizipation und präsentierte das multilaterale Kooperationsprojekt "youthpart". Besonderes Interesse fand die Möglichkeit, Etherpad als Kollaborationsinstrument zu nutzen. Dass auch bei türkischen Jugendlichen Bedarf besteht, sie für einen reflektierten Umgang mit Daten im Internet zu sensibilisieren, war ein Ergebnis der Diskussion, nachdem Svenja Schumacher das Projekt “watch your web” vorstellte. Um die Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren im Feld der Kinder- und Jugendhilfe ging es dann am Donnerstagvormittag. Bettina Wissing gab den Gästen Einblicke in die Ziele der Initiative „JiVE. Jugendarbeit international – Vielfalt erleben“ und stellte ihnen die Maßnahmen zur Integration benachteiligter junger Menschen unterschiedlicher Herkunft vor.

Gleiche Themen – unterschiedliche Rahmenbedingungen

Wie Jugendinformation ganz praktisch aussieht, machte ein Besuch in der Landeshauptstadt erfahrbar: Marina Stenert und Benedikt Haumer von Eurodesk Düsseldorf empfingen die türkischen Gäste im Jugendinformationszentrum zeTT. Dass sich Aufgaben und Themen der türkischen und deutschen „Jugendarbeiter/-innen“ sehr ähnlich sind, stellten die Gäste ebenso fest, wie die Tatsache, dass sich die Strukturen der Jugendarbeit unterscheiden. So wurden die Rahmenbedingungen der Arbeit bei nichtstaatlichen Trägern sowie dem Jugendministerium der türkischen Regierung in zahlreichen Gesprächen thematisiert. Şenol Karabaltaoglu, beschäftigt im EU Gouverneursamt in Kastamonu und Referent des Verbands „Genç Yaşamın Sesleri Derneği“ („Voices of Young Life“), stellte fest: “Jugendinformation ist in der Türkei institutionell nicht offiziell verankert. Ich finde es sehr spannend, wie die Einrichtungen hier Information und Beratung organisieren.“

Dass die Einrichtungen der deutschen Eurodesk-Partner sehr unterschiedlich sind, zeigte am letzten Tag der Besuch bei Eurodesk Köln: Beim IN VIA e.V. stand vor allem das Thema Interkulturalität im Vordergrund. Nicht nur bei einem Spaziergang durch den „Garten der Religionen“ wurde die Gegensätzlichkeit der Partnereinrichtungen deutlich. Im Laufe des Besuchs kam es zu einem regen Informationsaustausch zwischen den Gästen und den Mitarbeiter(inne)n von IN VIA e.V.

„Der Study Visit ist ein gelungenes Beispiel, wie Bilaterales und Europäisches gut ineinandergreifen und sich bereichern“, resümierte Eurodesk-Präsident Reinhard Schwalbach. Obwohl das Eurodesk-Netzwerk in der Türkei sehr jung ist – 2010 gegründet –  entwickelte es sich rasend schnell zu einem der größten Netzwerke des europäischen Verbunds. Entsprechend war auch das Interesse an Erfolgsfaktoren seitens der deutschen Kolleg(inn)en groß. Beide Netzwerke profitierten von dem Erfahrungsaustausch; in die zukünftige Arbeit werden nun auch die Erkenntnisse des Austauschs einfließen.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0


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