Dr. Dirk Hänisch

Eurodesk-Jahrestagung: Neue Themen für ein kompetentes Netzwerk

Eurodesk Deutschland ist ein Beratungsnetzwerk für junge Leute, die sich für Auslandsaufenthalte interessieren. Es berät auch Fachkräfte der Jugendarbeit und bildet sie weiter, etwa durch Mobilitätslotsenschulungen. Bei der diesjährigen Jahrestagung der regionalen Netzwerkpartner standen auch einige neue Themenbereiche auf der Agenda, denen sich das Netzwerk in Zukunft stärker widmen möchte.

Das Eurodesk-Beratungsnetzwerk BildImage: IJAB/Maja Pollmann   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

Über 40 Vertreterinnen und Vertreter der regionalen und lokalen Partner kamen vom 15.-17. April in Bonn im Haus Venusberg zusammen, um sich über ihre Arbeit und zukünftige Perspektiven auszutauschen, aber auch über neue Themen in der Beratungsarbeit zu diskutieren. Die Beratung Jugendlicher erfolgt in Deutschland durch das Eurodesk-Team bei IJAB in Bonn, aber auch durch die über 40 vorwiegend lokalen und regionalen Partnereinrichtungen, an die sich Jugendliche vor Ort wenden können, wenn sie sich für einen Freiwilligendienst, einen Au-pair-Aufenthalt oder die Teilnahme an einem Workcamp außerhalb Deutschlands interessieren. Eurodesk-Partner sind beispielsweise Jugendinformationszentren, Jugendringe, Jugendbildungsstätten oder Träger, die internationale Maßnahmen durchführen. Diese lokalen und regionalen Beratungsangebote verankern Eurodesk in der Jugendarbeit und sorgen dafür, dass Informationen zu Auslandsaufenthalten auch bei den Jugendlichen ankommen, die nicht selbstständig den Weg zur Eurodesk-Webseite oder dem telefonischen Service der Bonner Zentrale finden.

Auf der Tagesordnung der Jahrestagung standen mehrere Vorträge und Workshops zu wichtigen Themen in der praktischen Eurodesk-Arbeit. Anja Ruhland (Eurodesk Brussels Link) berichtete über den Beitrag von Eurodesk zum Europäischen Jugendportal, Frank Peil (JUGEND für Europa) informierte über den Stand der Entwicklung des geplanten neuen EU-Programms, Peter Runck (Internationaler Bauorden) stellte den Teilnehmenden das Begegnungsformat „Internationale Workcamps“ vor und Ralf Bornstedt (Kreisjugendamt Steinfurt) ermöglichte mit seinen Ausführungen anschauliche Einblicke in die Praxis des trilateralen Workcamps ewoca3. Mehrere Workshops ergänzten das umfangreiche Programm.

Rückkehrer(innen) „auffangen“ und einbeziehen

Ein noch weitgehend unberücksichtigtes Thema, das aber in der politischen Diskussion zunehmende Bedeutung erlangt, stieß Janik Kühn (Zuhause weltweit e.V.) in seinem Vortrag über Rückkehrer(innen)arbeit an. Ziel ist es, das Wissen und die Erfahrungen der ehemaligen Freiwilligen zu nutzen bzw. die Rückkehrenden für ein fortgesetztes Engagement zu gewinnen. Er identifizierte sechs Formate der Rückkehrerarbeit und stellte die praktische Arbeit und die Ziele der bundesweiten träger- und programmübergreifenden Steuergruppe „Rückkehrerarbeit“ vor. Diese ist bereits auf drei Feldern aktiv geworden. So ist eine wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit der Rückkehrer(innen)arbeit geplant, von der weitere Erkenntnisse über Motive und Engagementbereitschaft erwartet werden. Die öffentliche Sichtbarkeit soll über den Freiwilligendienst weltwärts hinaus auch durch die Zusammenarbeit mit Eurodesk erhöht werden. In der Planung ist auch ein programmübergreifender Fachtag zur Rückkehrer(innen)arbeit vorgesehen.

Spannend sind in diesem Zusammenhang gleich mehrere Fragen, die im Plenum und dann in einer entsprechenden Arbeitsgruppe diskutiert wurden: Welche Rolle soll Eurodesk spielen? Wie kann Eurodesk als beratende Organisation anders als etwa die entsprechende Entsendeorganisation Kontakte zu Rückkehrer(inne)n herstellen bzw. halten? Was ist mit den Abbrecher(innen) bzw. mit denen, die bleiben? Wie ist der Kreis der Rückkehrer(innen) überhaupt zu definieren? Als Ergebnisse des Workshops zu diesem Thema wurde zunächst vereinbart, ein spezielles Eurodesk Info – das sind thematische stets aktuell gehaltene Infoblätter - mit Elementaradressen und Infos für Rückkehrende zu entwickeln und herauszugeben. Als praktische Hilfestellung soll ein standardisiertes einheitliches Verfahren für den Umgang mit Rückkehrenden bei Beratungen im Netzwerk entwickelt werden. Insgesamt bleibt das Thema spannend und wird von Eurodesk künftig weiter verfolgt.

Ein neues Angebot: Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD)

In seinem ausführlichen Vortrag erläuterte Bernhard Kolberg (Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben - BAFzA) strukturelle und organisatorische Aspekte sowie rechtliche und finanzielle Regelungen des seit Anfang 2011 bestehenden IJFD. Das BAFzA ist die zentrale Stelle für die Anerkennung und finanzielle Bezuschussung des neuen Auslandsfreiwilligendienstes des Bundesfamilienministeriums, fungiert aber nicht selbst als Entsendestelle. Das übernehmen vom BAFzA anerkannte Träger. Zurzeit sind es 130, von denen 86 tatsächlich ins Ausland entsenden. Seine Ausführungen stießen auf großes Interesse im Beratungsnetzwerk. Die vorgestellten Richtlinienbestimmungen lösten aber auch engagierte Diskussionen aus, etwa über die Kann- und Muss-Leistungen für Freiwillige oder über fehlende versorgungsrechtliche Ansprüche. Die Vorstellung dieses recht jungen Angebotes lieferte den Eurodesk-Partnern sehr nützliche Informationen für kommende Beratungsgespräche mit daran interessierten jungen Menschen.

Fazit und Perspektive

Insgesamt kann über die diesjährige Jahrestagung eine positive Bilanz gezogen werden. „Die Fachkräfte des Eurodesk Netzwerks sind nun auf einem aktuellen Sachstand im Bereich der Mobilitätsberatung“ schätzt Robert Helm-Pleuger von Eurodesk Deutschland. „Besonders auf dem Gebiet der Rückkehrerarbeit werden die Eurodesk-Partnereinrichtungen in Zukunft aktiv werden“.



Eurodesk-Jahrestagung 2013 in Bonn

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