Christian Herrmann

Netzwerktreffen Kommune goes International: Good Practice für die Arbeit vor Ort

Einmal im Jahr kommen Kommunen, die Internationale Jugendarbeit stärker lokal verankern möchten, zu einem Netzwerktreffen zusammen. Sie bearbeiten dabei für die kommunale Jugendarbeit relevante Themen. Diesmal setzten sie sich mit Peer-Ansätzen und mit Jugendmobilität im ländlichen Raum auseinander – immer auf der Suche nach Antworten auf die Frage „wie können wir alle Jugendlichen erreichen?“

Eine Frau klebt einen Punkt auf eine Tafel. Zwei Frauen schauen ihr dabei zu.
BildImage: Christian Herrmann

Etwa 40 Akteure des Netzwerks Kommune goes International hatten sich am 7. November in einem Tagungsraum der SOKA-BAU in Wiesbaden versammelt, einem Unternehmen, über das Personal-Chef Alexander Lapp-Thoma sagte, soziales Engagement sei Teil seiner Strategieentwicklung. Die Wiesbadener Stadträtin Gaby Wolf erinnerte in ihrer Begrüßung mit Stolz daran, wie viele Institutionen und Unternehmen sich in ihrer Stadt für Internationale Jugendarbeit engagieren. „Einer Internationalen Jugendarbeit für alle sind wir in den letzten Jahren ein Stück näher gekommen“, stellte sie fest.

Auch für Albert Klein-Reinhardt, Referent für europäische und internationale Jugendpolitik im Bundesjugendministerium, sind Kooperationen über die Grenzen des Arbeitsfeldes hinaus wichtig: „Internationaler Jugendaustausch darf nicht als ein Spezialangebot für einige wenige, vor allem gut gebildete junge Menschen betrachtet werden. Es ist Aufgabe der Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Zugangs- und Beteiligungsmöglichkeiten für alle Jugendlichen zu schaffen und dafür braucht es auch diese neuen Partner“.

Klein-Reinhardt sprach aber auch aktuelle Entwicklungen an, die erneut deutlich machen, warum Internationale Jugendarbeit wichtig ist. „Wir haben Diskussionen über Einwanderung, Fremdheit und Heimat. Wir sind deshalb überzeugt davon, dass gerade in Zeiten, in denen auf der Welt viele Dinge unsicherer und unklarer werden, es umso wichtiger ist, dass so vielen jungen Menschen wie möglich die Chance eröffnet wird, für eine Zeit ins Ausland zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln und Kompetenzen zu stärken, die sie sicherer machen, das eigene Leben zu gestalten und damit auch die Gesellschaft, in der sie leben, mitzugestalten.“

„WiesPaten“ machen junge Menschen mobil

Die Frage, wie Angebote Internationaler Jugendarbeit allen jungen Menschen zugänglich gemacht werden können, ist eines der Kernelemente der jugendpolitischen Initiative JiVE und damit auch ihrer Teilinitiative, dem Netzwerk Kommune goes International. Die Arbeitnehmer der SOKA-BAU haben dazu schöne Beispiele anzubieten. Karoline Deissner von der Abteilung Jugendarbeit des Wiesbadener Amtes für Soziale Arbeit stellte das Programm „WiesPaten“ vor: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus engagierten Unternehmen übernehmen Patenschaften für eine feste Gruppe von Schülerinnen und Schülern, ermöglichen Förderunterricht, füllen die Patenschaft aber auch mit gemeinsamen Aktivitäten und schaffen so Gelegenheit zum Austausch. Seit ein paar Jahren ist dieses Programm durch „WiesPaten International“ ergänzt worden. Hier erhalten Jugendliche die Möglichkeit zur Teilnahme an internationalen Jugendbegegnungen und pädagogisch begleiteten Gruppenreisen. 16 Begegnungen innerhalb von 3 Jahren hat man möglich gemacht. „Es ist ein Prozess, in dem man gegenseitige Anerkennung lernt. Durch die Reise wurde die Gruppe zusammengeschweißt, danach konnte man ganz anders miteinander arbeiten“, erzählte Marcus Fröb von SOKA-BAU, einer der Paten. Bei der jüngsten Begegnung in Thessaloniki wurden auch Azubis des Unternehmens miteinbezogen. Jessica Buch meldete sich freiwillig und hat es nicht bereut. „Ich war in einer Mittlerrolle“, erinnerte sie sich, „einerseits gehörte ich zur Gruppe der Lehrer, andrerseits war ich irgendwie die große Schwester. Das hat viele Gespräche möglich gemacht“.

Chancen im ländlichen Raum und in der Peer-Kommunikation

Im ländlichen Raum haben Jugendliche weniger Zugänge zu kulturellen Angeboten oder zu non-formaler Bildung. Aber es sind auch Räume mit großen Chancen. Wer abseits der großen Städte aufwächst, blickt auch mit Sehnsucht und Erfahrungshunger in die Welt. Andreas Rosellen von transfer e.V. und Manuela Behle vom Kreisjugendamt des Märkischen Kreises untersuchten in ihrem Workshop anhand eines Forschungsprojekts „Internationale Jugendmobilität in ländlichen Regionen“, dessen  Ergebnisse in Kürze vorgestellt werden, was möglich ist. Es ist nicht nur für Jugendliche aus Dörfern und kleinen Städten etwas Besonderes, gemeinsam zu reisen – auch der Besuch aus der Welt erregt Neugier und macht es oft einfach, Unterstützung zu organisieren. Auch deswegen, weil jeder jeden im Dorf kennt und Dienstwege kurz sind – erst recht dann, wenn ein Nutzen sichtbar wird, beispielsweise wenn im Rahmen eines Workcamps ein Vereinsheim renoviert wird.

Wenn ein Workcamp oder eine Jugendbegegnung gut gelaufen sind, dann erzählen es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter und dann sind es oft ihre Freundinnen und Freunde, die im nächsten Jahr mit dabei sind. Wie können Träger Internationaler Jugendarbeit sich dies zunutze und ihre Angebote bekannter machen? Dieser Frage gingen Miriam Jusuf von aktuelles forum e.V. und Christian Scharf von GOEUROPE! In ihrem Workshop nach. Bekanntestes Beispiel für ein erfolgreiches Peer-to-Peer-Projekt sind die Europeers. Etwa 800 junge Menschen berichten anderen Jugendlichen von ihren Erfahrungen mit dem EU-Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION, werben für die Teilnahme an durch das Programm geförderte Angebote und machen Europa erlebbar.

Was bringt die Zukunft?

Ein weiteres Stück Europa gab es in dem von Elena Weber und Karin Schulz präsentierten Informationsblock zum neuen Europäischen Solidaritätskorps – kurz ESK. Das Korps soll bereits am 1. Januar 2018 starten – noch wird aber zwischen Europäischer Kommission und Europäischem Parlament über die Ausgestaltung verhandelt. Sicher ist: Neben Freiwilligentätigkeit, die in Teilen den Europäischen Freiwilligendienst ersetzen wird, soll es auch Praktika und befristete Arbeitsstellen geben. Wer über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden bleiben möchte, erhält aktuelle Informationen bei Erasmus+ JUGEND IN AKTION.

Wie soll es weitergehen mit dem Netzwerk Kommune goes International? Projekt-Koordinatorin Carina Feuerriegel hatte vier Stellwände im Tagungsraum aufgebaut. Hier konnten Wünsche hinterlassen oder mit Punkten besonders hervorgehoben werden. Die Tafeln füllten sich zügig – ein Beleg dafür, dass das Netzwerk weiter gebraucht wird. Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit  wurde genannt, Beistand gegenüber schwerfälligen Strukturen, Publikationen, die sich direkt an Jugendliche wenden, oder Hilfe bei der Suche nach internationalen Partnern. Ein Punkt stach besonders heraus: Wie können wir alle Jugendlichen erreichen? Die Schlüsselfrage von JiVE und dem Netzwerk Kommune goes International, auf die es nicht die eine Antwort gibt, aber viele gute lokal angepasste Good-Practice-Beispiele.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


Netzwerktreffen Kommune goes International, Wiesbaden, 7. November 2017

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